Auf DVD: Children of Men

Dass dieser Film auf vielen Bestenlisten 2006 ganz weit oben stand, ist absolut verständlich und verdient. Children of Men ist ein großartiger, intelligenter Zukunftsthriller, der das Zeug dazu hat, zu einem Kinoklassiker zu werden. Der Film präsentiert England im Jahr 2027 — keine shiny High-Tech-Fjutscherwelt, auch keine artifiziell schmutzige (wie z.B. in Alien 3 zu sehen), sondern eine, die sich extrem realistisch anfühlt. Die Autos sehen aus wie unsere Autos, die Klamotten wie unsere Klamotten, die Häuser wie unsere Häuser. Fast. Es sind die kleinen Details und Einzelheiten, wie etwa allgegenwärtige LCD-Displays, die auf die Zukunft hindeuten. Und natürlich deren Inhalte — denn dieses London ist ein freudloser Ort.

Die Frage, wer ein illegaler Einwanderer ist, hat die Regierung eindeutig gelöst: Jeder Einwanderer ist illegal. Trotzdem wimmelt es von „Fugees“, die von Polizei und Militär aufgegriffen, auf offener Straße in Käfige gesperrt und in Lager einquartiert werden, gegen die Guantanamo ein Wellnesshotel ist. Die Bevölkerung hat das akzeptiert und nimmt es als selbstverständlich hin. Schlimmer wiegt da die Tatsache, dass es keine Kinder mehr gibt. Der Film setzt ein mit der Nachricht, dass der 18jährige Baby Diego, der jüngste Mensch der Erde gestorben ist.

Was mir an Children of Men am allerbesten gefallen hat, ist die Beiläufigkeit, mit der all diese Infos in den ersten Minuten des Films transportiert werden. Vordergründig beobachtet die Kamera den Ex-Politaktivisten Theo (Clive Owen), die relevanten Informationen finden eher im Hintergrund statt, oft mit Hilfe von Propaganda-Plakaten oder Werbespots, die zu sehen sind, und die mit großer Liebe zum Detail gemacht wurden. Viele dieser Einzelheiten kann man womöglich erst bei einer zweiten Sichtung richtig entdecken.

So ist es denn auch gar nicht so sehr der Hauptplot (Aktivisten entdecken schwangeres Einwanderer-Mädchen und versuchen es außer Landes zu schaffen) der mich am Film faszinierte, sondern die vielen kleinen Nebensächlichkeiten, die eine ungemein stimmige und glaubhafte Dystopie entwerfen. So glaubhaft, dass man dem Film auch die Ausgangsthese abkauft, dass die Menschheit unfähig ist, Nachwuchs zu zeugen. Dazu kommen überzeugende Darstellerleistungen von Clive Owen, Claire-Hope Ashitey und dem immer, ja immer, sehenswerten Michael Caine. Und nicht zuletzt die gekonnte Inszenierung von Alfonso Cuarón (auf dessen Harry-Potter-Film ich jetzt doch irgendwie neugierig geworden bin): Er liefert einen Wechsel von ruhigen Szenen und äußerst intensiven Actioneinlagen, die mich extrem gefesselt haben.

Und nebenbei gesagt ist Children of Men ein Vertreter jener viel zu seltenen Spezies von Filmen, die beweisen, dass „anspruchsvoll“ und „unterhaltsam“ sich nicht gegenseitig ausschließen.

 

3 Gedanken zu „Auf DVD: Children of Men

  1. Der Film war definitiv mein Favorit in 2006. Habe die DVD, war u.a. auch sehr auf das Making Of (leider etwas kurz ausgefallen) gespannt.

  2. Du hast den dritten Harry-Potter nicht gesehen? Fehler. Das ist der einzige Film der Reihe, den ich auf DVD habe…
    „Children of Men“ sollte ich mir mal bestellen und „Im Land der leeren Häuser“ mal im Original lesen. ;-)
    Gut, ich lese normalerweise keine P.D. James…
    Ad Astra

  3. Tja, Potter Teil 1 von Chris Columbus war für mich ein mittelunterhaltsamer Kinderfilm (so wie das Buch auch). Und von daher bin ich weder bei Film noch bei Buch über Teil 1 hinausgekommen. Aber kann schon sein, dass das ein Fehler war.

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