Auf DVD: V for Vendetta (V wie Vendetta)

Ich hatte ja lange Zeit gar keine Lust auf diesen Film. Ich war mir einfach sicher, dass man die Comicvorlage von Alan Moore und David Lloyd, die nicht nur eine sehr wütende und dramatische Revoluzzer-Story, sondern ein wirklich komplexes Stück Literatur ist, unmöglich angemessen verfilmen kann. Dass Alan Moore im Vorfeld des Kinostarts nichts mehr mit dem Film zu tun haben wollte (es heißt jetzt nur noch „Based on the Graphic Novel illustrated by David Lloyd), tat sein übriges.

Der Film erzählt von einem England der Zukunft, das zu einem totalitären, faschistischen Überwachungsstaat geworden ist. Ein namenloser Widerstandskämpfer mit Guy-Fawkes-Maske, der sich V nennt, unternimmt eine Serie von Anschlägen mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen, und gleichzeitig einen persönlichen Rachefeldzug gegen die Menschen, die ihn vor Jahren in einem KZ-ähnlichen Lager gefangen hielten und für Experimente missbrauchten. Eher zufällig gerät die junge Frau Evey an seine Seite. Vorwiegend aus ihrer Perspektive betrachten wir den Mann mit der Maske und seine Vendetta gegenm das System.

Letztlich ist V for Vendetta, adaptiert von den Wachowski-Brüdern (ihr wisst schon, die Matrixer) und inszeniert von ihrem Schützling James McTeigue zwar eine mehr oder weniger gescheiterte Comicadaption, aber durchaus ein recht gelungener Film. Wer den Film ganz unabhängig von seiner Vorlage betrachtet (und seien wir ehrlich, 95% oder mehr des Publikums kennen die eh nicht und werden sie auch nie lesen), sieht einen in sich stimmigen Science-Fiction-Revolutions-Actionfilm mit guten Darstellern, ein paar verzichtbaren Kampfeinlagen und einem sehr starken Mittelteil (in dem Evey alias Natalie Portman eingekerkert und gefolgtert wird). Das erstaunlichste an V for Vendetta ist für mich, dass die Wachowskis und ihre Mitstreiter es geschafft haben, einen Film ins Mainstream-Popcorn-Kino zu tragen, der eine subversive und anarchische Botschaft mitbringt und vielleicht tatsächlich für die ein oder andere politische Diskussion unter den Zuschauern gesorgt hat. Hätte ich einem Hollywood-Major wie Warner Bros. nie zugetraut. [Einschränkung: Wie Björn im Agitpopblog darlegt, sind Subversion und Anarchie im Film allenfalls oberflächlich vorhanden. Aber immerhin.]

V for Vendetta ist also nicht die befürchtete Katastrophe geworden, sondern ein ordentlicher Film. Und trotzdem, wer die Graphic Novel kennt, wird enttäuscht sein. Der Comic bietet so viel mehr Nuancen, so viel mehr Charakterentwicklung, so viel mehr Cleverness im Aufbau der Geschichte. Es ist, als ob man ein Hitsingle-Album der Beatles anhören würde: Man hört viele tolle Songs, aber von der wahren Größe dieser Band bekommt man nichts mit. Darum: Schaut euch den Film ruhig an. Aber glaubt anschließend nicht, ihr würdet V for Vendetta schon kennen. Dazu müsst ihr den Comic lesen. Und der ist wahrlich keine Donald-Duck-Geschichte, die man sich aufs Klo legen kann und zwischendurch liest, sondern eine anspruchsvolle, manchmal anstrengende Lektüre. Aber eine, die sich lohnt.

* Das Original von DC Comics
* Die empfehlenswerte deutschsprachige S/W-Ausgabe von Speed (vergriffen)
* Die aktuelle deutsche Ausgabe von Panini