Im Kino: Sunshine

Ja, es gibt einige berechtigte Einwände, die man gegen Sunshine vorbringen kann. Die Ausgangssituation („Wir müssen eine Bombe in der Sonne sprengen, damit sie wieder warm genug strahlt, um das Leben auf der Erde zu retten“) ist relativ hanebüchen, der Film bedient sich wirklich hemmungslos mit Versatzstücken aus mehr oder weniger berühmten SF-Filmen, von 2001 bis Alien, und wer Logiklöcher sucht, wird einige finden. Und ja, die im dritten Akt eingeführte Figur, die dem Film eine Wendung in Richtung Slasher-Horror verschafft, hätte wirklich nicht sein müssen und macht einiges kaputt.

Insgesamt hat mir Sunshine trotzdem ziemlich gut gefallen, und das lag vor allem an den Bildern. Regisseur Danny Boyle spielt ausgiebig mit der Faszination Sonne und deren zentraler Rolle als Bestimmerin über Leben und Tod. Es gibt ein paar rauschhafte Szenen, vor allem die, in der die Crew fasziniert beobachet, wie der Jupiter (Oder wars ein anderer Planet? Hab’s vergessen.) zwischen ihrem Raumschiff und der Sonne vorbeizieht. Auch der Einsatz von Farbfiltern (gelb und rot, wenn die Sonne im Spiel ist, blau und grün für die Szenen im Inneren des Schiffs) und die auffällig vielen Close-Ups tragen viel zur visuellen Wirkung von Sunshine bei. Und auch beim Sounddesign wurde ganze Arbeit geleistet. Der effektive Einsatz von Musik und Geräuschen ist mir schon lange nicht mehr so aufgefallen wie hier.

Was ich auch sehr mochte: Die Dramaturgie des Films richtet sich nicht nach gängigen Hollywood-Konventionen. Dort hätte man vermutlich erst mal ausgiebig die vom Erfieren bedrohte Erde gezeigt und hätte spektakulär den Start der Ikarus-Rettungsmission gezeigt. Hier jedoch beginnt man mitten im Flug zur Sonne, die nötigen Infos bekommt der Zuschauer indirekt. Auch das Ende wäre in Hollywood deutlich pathetischer ausgefallen. Der kurze Blick, den wir zum Schluss auf die Erde werfen dürfen, hat etwas angenehm beiläufiges.

In den ersten zwei Dritteln des Films erzeugen Boyle und sein Autor Alex Garland viel Spannung durch die Extremsituation an Bord. Das Zusammenspiel der Crew und die angespannten Beziehungen zwischen den Mitgliedern, die absolute Bedeutung ihrer Mission und die tödliche Bedrohung, der sie ausgesetzt sind, das alles fügt sich zu einem intensiven Kammmerspiel und man hätte es wohl auch als solches bis zum Ende durchziehen können. Aber Boyle und Garland wollten doch noch Action und so gibt es also im Schlussdrittel eine Wende, über die man nicht viel schreiben kann, ohne zu spoilen. Diese Wende stellt die Stimmung, die bis dahin im Film herrschte, ziemlich auf den Kopf und tut ihm damit in meinen Augen keinen Gefallen. Schade drum, andernfalls hätte Sunshine wirklich ein ganz großer SF-Film werden können. So ist’s immerhin noch ein guter, und zwar einer, den man sich tunlichst mit wuchtigem Bild und wuchtigem Sound geben sollte.

 

3 Gedanken zu „Im Kino: Sunshine

  1. Ich kann mich dem eigentlich nur anschließen – ein großartiger Film, vor allem, wenn man ihn auf der großen Leinwand sieht. Das Ende hat mich auch gestört, aber selbst da gibt es ein paar sehr eindrucksvolle Szenen.

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