Im Kino: Inland Empire

Sagen wir’s, wie’s ist: Inland Empire, der neue Film von David Lynch, ist langweilig. Eine quälend lange, anstrengende Tortur. Dabei fängt der Film eigentlich ganz vielversprechend an: Es gibt ein paar rätselhafte, surreale Bilder (die Hasen sind wirklich großartig!), und kurz darauf startet eine relativ klar und stringent erzählte Geschichte um die Schauspielerin Nikki (Laura Dern), die die Hauptrolle in einem Film bekommt. Der Film ist ein Remake eines deutschen Films, dessen Dreharbeiten nie abgeschlossen wurden, weil beide Hauptdarsteller ermordet wurden.

Man sieht also eine Weile bei den Dreharbeiten zu, bis Nikki zusehends die Fähigkeit verliert, zwischen Filmset und Realität zu unterscheiden. Während man als Zuschauer noch versucht, die Realitätsebenen auseinanderzuhalten, wird’s zusehends verschwurbelt. Wir sehen Szenen und Bilder, die nicht die Bohne zum bisher gesehen passen. Okay, denkt man sich, das ist halt David Lynch, das muss so sein. Und verzichtet irgendwann darauf, sich einen Sinn aus all dem Treiben auf der Leinwand zu erschließen. Man schaut nur noch hin, der Inhalt wird zusehends egal. Da läuft der Film allerdings noch fast zwei Stunden lang weiter…

Inland Empire hat eigentlich alle Zutaten, die man aus David Lynchs bisherigem Werk kennt: seine Filme sind nunmal rätselhaft, abgründig und verstörend. Bisher waren sie aber auch immer auf ’ne Art unterhaltsam. Inland Empire aber zerrt an den Nerven, optisch und akustisch (Penderecki, my ass!). Vielleicht liegt’s auch daran, dass dem Film eine Figur fehlt, die den Zuschauer (positiv oder negativ) fasziniert, die ein gewisses Charisma ausstrahlt. Laura Dern spielt die schwer gebeutelte Dame zwar hervorragend, aber irgendwie bleibt’s einem egal, wenn man sie ständig durch irgendwelche dunklen Gänge tapern und Türen öffnen und schließen sieht.

Der Wikipedia-Eintrag zum Film nennt ihn einen surrealistic-experimental feature film und zitiert einen Festivalmitarbeiter, der ihn als a plotless collection of snippets that explore themes Lynch has been working on for years bezeichnet. Kann man so stehen lassen. Vielleicht passt Inland Empire dann einfach besser auf die Documenta als in ein Kino.

Was Lynch hier natürlich trotzdem schafft: Er findet (mal wieder) einige einzigartige Bilder, die sich ins Gedächtnis brennen, und die man noch länger mit sich rumtragen wird. Alles in allem aber war der Film für mich zu grob, zu schräg, zu strange. Nichts gegen einen ordentlichen Mindfuck, aber für drei Stunden Penetration ist mein Gehirn nicht ausgelegt.

 

5 Gedanken zu „Im Kino: Inland Empire

  1. Eines ist ganz klar: Inland Empire soll nicht unterhalten. Ihn zu sehen ist Arbeit, man muss sich durchquälen. Ich habe den Film im winzigen, stickigen 80er-Saal im Passage-Kino in Hamburg gesehen, und dachte mehr als einmal ans rausgehen (nach 3 Stunden war nur noch die Hälfte der Leute im Kino geblieben). Wenn man sich aber davon löst, unterhalten zu werden, ist der Film sehr interessant: Mit DV schafft Lynch Kamera-Einstellungen, die ich so in noch keinem anderen Film gesehen habe. Die „Gesichtsstudie“ von der alten Dame sind ein (beängstigender) Traum! Viele der Einstellungen sind für sich genommen genial, wenn auch kaum ein zusammenhaltender Rahmen existiert. Zumindest bin ich froh, bis zum Ende durchgehalten zu haben, allein die Schlussszene ist es wert ;-).

  2. @netrus:
    Was einzelne Einstellungen angeht, geb ich dir absolut recht. Der Abspann ist ganz zauberhaft. Bis dahin hatte ich aber durchaus zu kämpfen, und meine Augenlider wurden ganz schön schwer.

  3. wir sind letztes we in paris zufaellig an einer david lynch ausstellung vorbeigelaufen, wo von skizzen bis mannshohen gemaelden des meisters auch alle krankheiten zu finden waren. unterlegt war das ganze mit teils auch sehr anstrengenden klangcollagen, die ein bisschen wie der fabriksoundtrack von eraserhead klangen. schon gut, aber drei stunden haett ichs in dem museum nicht ausgehalten.

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