Auf DVD: Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders

Was ist eigentlich beim Parfum der Originaltitel, und was die Originalsprache? Wikipedia behauptet einen französischen Originaltitel, andere einen englischen. Gedreht wurde auf englisch, soviel ist klar. Aber wurde das Drehbuch auch direkt auf englisch geschrieben oder erst auf deutsch und dann übersetzt? Egal, hier bleibe ich ausnahmsweise mal beim deutschen, und ich habe mir hier auch die synchronisierte Version angesehen. Schließlich ist die Buchvorlage eindeutig in deutscher Sprache.

Tom Tykwers Film ist kein totaler Reinfall: Sein Parfum ist hübsch anzuschauendes Hochglanzkino, das genau so aussieht, wie man sich eine sehr teure, sehr ambitionierte, sehr europäische Großproduktion vorstellt. Es ist der Eichinger-Style, Der Name der Rose, Das Geisterhaus, you name it. Optisch opulent, aber glatt und ohne Überraschungen. Das Thema — eine Geschichte über das Riechen, über Duft und Gestank — hätte soviel kreatives Potenzial geboten, und Tykwer hat in seinem bisherigen Werk ja durchaus gezeigt, dass er gute und originelle Ideen hat. Hier aber dient er den Erwartungen seines Produzenten und denen des großen Mainstream-Publikums. So ist Das Parfum ein Kostüm-Krimi geworden, zugeschnitten auf die Zielgruppe der gut situierten Bildungsbürger, die ein-, zweimal ins Kino gehen, aber zu schwere Kost soll es dann bitte nicht sein.

Dazu passt dann auch die Art, wie der Film seine Hauptfigur, den Serienmörder Grenouille, darstellt. Patrick Süskinds Grenouille ist ein verkommener, extrem selbstsüchtiger Charakter, für den Begriffe wie Moral oder Liebe gar nicht existieren; ein Monster. Der Film-Grenouille hat dagegen einen edlen inneren Kern, er scheint eher ein Opfer der Umstände zu sein. Seine Morde wirken wie ein Kunstwerk, dass er aus Zuneigung zu seinen Opfern vollbringen muss. Man findet diesen Grenouille irgendwie ganz nett, hat beinah Mitleid mit ihm. Ben Wishaw als Grenouille hat nicht viel zu reden, stattdessen darf er bedeutungsschwanger seine Nase in die Luft halten und mit geschlossenen Augen schwelgerisch in Gerüchen baden. Interessanter anzusehen sind da Dustin Hoffman und Alan Rickman, die ihre Rollen erwartungsgemäß toll spielen.

Dass sich das Drehbuch bei der Adaption des Romans auf die Krimihandlung konzentriert und auf die eher introspektiven Parts des Buches verzichtet, kann ich verstehen. Sowas kriegt man eben leichter auf die Leinwand. Dass aber Süskinds böser Humor fast völlig auf der Strecke bleibt ist ebenso jammerschade wie die Tatsache, dass der Film trotz des ganzen künstlichen Drecks, den man in Kulissen und auf Gesichter geschmiert hat, sehr steril und glatt bleibt. Am deutlichsten zu erleben bei der finalen Orgienszene, in der ein ganzer Marktplatz voller Leute extatisch übereinander herfällt. Von dieser Extase ist im Film wenig zu sehen, hier wird sich in Zeitlupe brav gepaart. Dass ich ausgerechnet während dieser Szene beinahe weggenickt bin, ist schon bezeichnend.

Noch ein Wort zur DVD: Hätte ich die Scheibe nicht geliehen, sondern gekauft, ich würde sie sofort wieder zurückgeben. Mein Ubuntu-System spielt die DVD überhaupt nicht ab, unter Windows konnte ich den Film zwar sehen, allerdings verabschiedete sich einmal die Abspielsoftware und einmal fror der ganze Rechner ein. Ursache scheint ein neuer Kopierschutz zu sein. Für mich heißt das bis auf weiteres erst mal: Finger weg von Constantin-DVDs!

 

3 Gedanken zu „Auf DVD: Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders

  1. Hey Hallo,
    das ist genau der Kommentar den ich meiner Liebsten zeigen kann, weil sie ursprünglich sauer war nicht im Kino gewesen zu sein (ich denk das nächste mal mehr über meinen Satzbau nach). Das mit dem Kopierschutz hat uns den Film dann endgültig verleidet.

    Gruß
    Frank

    P.S. Ich weiss warum noch kein Kommentar zum Abspann des Fluchs III kam. Meine Kumpels waren 20 Minuten verschollen bis sie schliesslich sagten: „Doch da kommt noch was“.

Kommentare sind geschlossen.