Archive for Mai, 2007

Im Kino: Shoppen

Beziehungskomödien sind bääh und igitt. Klebrig, kitschig und meist erzreaktionär. Shoppen von Ralf Westhoff ist auch sowas wie eine Beziehungskomödie, allerdings eine, der radikal die Romantik entzogen wurde. Speed-Dating, die wohl unromantischste Art des organisierten Kennenlernens, bildet den Background für Shoppen. 18 (!) Hauptfiguren werden uns in kurzen Alltagssituationen vorgestellt, ehe wir diesen 9 Männern und 9 Frauen um die 30 bei ihren Speed-Dating-Kurzdialogen über die Schulter schauen dürfen. Diese Gespräche, gefilmt in einem leeren, weißgetünchten Raum, bilden den Hauptteil des Films. Es wird geredet, sehr viel geredet, aber dank abwechslungsreicher Kameraeinstellungen und dank des hohen Tempos und des guten Timings kommt hier keine Sekunde Langeweile auf. In kurzen Häppchen hören und sehen wir die 18 Protagonisten und puzzeln uns nach und nach ein Bild ihres Charakters zusammen. Obwohl naturgemäß für keine Figur besonders viel Zeit bleibt, gewinnen die Charaktere trotzdem erstaunlich schnell an Tiefe, was vor allem der hervorragenden Besetzung (vorwiegend Jungprofis vom Theater) zu verdanken ist.

Das Drehbuch verzichtet sowohl auf platte Witzeleien als auch auf übertriebene Schwere, es lässt uns mit einem sehr charmanten Humor an diesen Miniflirts teilhaben und stellt uns Typen vor, wie man sie so oder so ähnlich tatsächlich im Leben treffen kann (natürlich sind das zum Teil Karikaturen, die aber nie völlig überzeichnet sind). Die einen schließt man sofort ins Herz, bei anderen dauert’s etwas länger, andere kann man eher nicht leiden. Im letzten Teil des Films werden schließlich einige mögliche Paarungen angedeutet, die sich aus den Speedflirts ergeben könnten. Kleine, vorsichtig optimistische Andeutungen, kein Happy-End mit großer Liebe. Ein wirklich schöner, hoch unterhaltsamer Film.

Ich sah den Film passenderweise in einem Münchner Kino, vollbesetzt mit zum Großteil genau den Menschen, die auch der Film porträtiert: die Nicht-mehr-ganz-jungen Großstädter, ob Single oder nicht. Und anhand der Publikumsreaktionen konnte man auch ganz gut ablesen, wie treffsicher Ralf Westhoff seine Figuren und Dialoge geraten sind. Der Münchner erkennt hier nicht nur Drehorte, sondern auch Prototypen von Menschen wieder. Es würde mich daher nicht wundern, wenn Shoppen hier ein größerer Erfolg ist als anderswo. Trotzdem funktioniert der Film natürlich auch in jeder anderen Stadt. Verzweifelte Singles sind dann doch überall ähnlich, glaub ich.

Trailerschau für Filmstarts vom 17.5.

Im Kino sehen:
Der große Ausverkauf: Doku zum Thema Privatisierung, die auch klar Stellung bezieht. Hat Heiligendamm eigentlich ein Kino?

Auf die DVD warten:
Two days – deux jours (2 Tage Paris): Von und mit Julie Delpy als Französin, die ihren amerikanischen Freund mit auf einen Trip in ihre alte Heimat Paris nimmt. Der Trailer hat ein paar sehr charmante Momente, das könnte Spaß machen. Daniel Brühl spielt auch mit.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Beyond the Gates (Shooting Dogs): Der Völkermord in Ruanda, erzählt aus der Perspektive von drei Weißen: einem jungen Lehrer, einem Schuldirektor und einem Blauhelm-Kommandanten (Dominique Horwitz).

Fracture (Das perfekte Verbrechen): Ein ehrgeiziger junger Staatsanwalt will um jeden Preis einen Mann, der seine Ehefrau umgebracht hat (gespielt von Anthony Hopkins), hinter Gitter bringen. Das ewige Duell Jungspund gegen gerissenen alten Hasen. Könnte ganz okay sein.

The History Boys (Die History Boys – Fürs Leben lernen): Britische Musicalverfilmung über ein paar Working-Class-Lads, die um die Aufnahme in Oxford oder Cambridge kämpfen. Da das aus England kommt, könnte es tatsächlich gut sein.

Adam & Steve: Schwulenkomödie, die nicht völlig übel aussieht, aber auch kein großes Highlight zu sein verspricht.

Muss nicht sein:
Stomp the Yard: Hier geht’s irgendwie um ein paar schwarze Tunichtgute, die aber total dufte tanzen können und dadurch zu besseren Menschen werden. Würg.

Herr Bello: Der Trailer ist zumindest nicht ganz so schlimm wie das brechreizerregende Plakat. Ist halt ein braver Familienfilm. Ich bin hier nicht gemeint.

Im Kino: Inland Empire

Sagen wir’s, wie’s ist: Inland Empire, der neue Film von David Lynch, ist langweilig. Eine quälend lange, anstrengende Tortur. Dabei fängt der Film eigentlich ganz vielversprechend an: Es gibt ein paar rätselhafte, surreale Bilder (die Hasen sind wirklich großartig!), und kurz darauf startet eine relativ klar und stringent erzählte Geschichte um die Schauspielerin Nikki (Laura Dern), die die Hauptrolle in einem Film bekommt. Der Film ist ein Remake eines deutschen Films, dessen Dreharbeiten nie abgeschlossen wurden, weil beide Hauptdarsteller ermordet wurden.

Man sieht also eine Weile bei den Dreharbeiten zu, bis Nikki zusehends die Fähigkeit verliert, zwischen Filmset und Realität zu unterscheiden. Während man als Zuschauer noch versucht, die Realitätsebenen auseinanderzuhalten, wird’s zusehends verschwurbelt. Wir sehen Szenen und Bilder, die nicht die Bohne zum bisher gesehen passen. Okay, denkt man sich, das ist halt David Lynch, das muss so sein. Und verzichtet irgendwann darauf, sich einen Sinn aus all dem Treiben auf der Leinwand zu erschließen. Man schaut nur noch hin, der Inhalt wird zusehends egal. Da läuft der Film allerdings noch fast zwei Stunden lang weiter…

Inland Empire hat eigentlich alle Zutaten, die man aus David Lynchs bisherigem Werk kennt: seine Filme sind nunmal rätselhaft, abgründig und verstörend. Bisher waren sie aber auch immer auf ‘ne Art unterhaltsam. Inland Empire aber zerrt an den Nerven, optisch und akustisch (Penderecki, my ass!). Vielleicht liegt’s auch daran, dass dem Film eine Figur fehlt, die den Zuschauer (positiv oder negativ) fasziniert, die ein gewisses Charisma ausstrahlt. Laura Dern spielt die schwer gebeutelte Dame zwar hervorragend, aber irgendwie bleibt’s einem egal, wenn man sie ständig durch irgendwelche dunklen Gänge tapern und Türen öffnen und schließen sieht.

Der Wikipedia-Eintrag zum Film nennt ihn einen surrealistic-experimental feature film und zitiert einen Festivalmitarbeiter, der ihn als a plotless collection of snippets that explore themes Lynch has been working on for years bezeichnet. Kann man so stehen lassen. Vielleicht passt Inland Empire dann einfach besser auf die Documenta als in ein Kino.

Was Lynch hier natürlich trotzdem schafft: Er findet (mal wieder) einige einzigartige Bilder, die sich ins Gedächtnis brennen, und die man noch länger mit sich rumtragen wird. Alles in allem aber war der Film für mich zu grob, zu schräg, zu strange. Nichts gegen einen ordentlichen Mindfuck, aber für drei Stunden Penetration ist mein Gehirn nicht ausgelegt.

Einmal rundrum gelinkt

Der Filmking klärt auf: Man kann einen Leone-Drei Vierstünder auch in neunzig Minuten knapp zwei Stunden gucken.

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Kiki erzählt die bezaubernde Geschichte “Wie ich im Fasching mal als Hustinettenbär ging”.

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Rudi Völler, ein Comic-Geek?

Irgendwann, ich war schön längst Profi, bin ich zu dem Verlag gefahren, habe mich beim Verlagschef vorgestellt, und habe ihn gefragt, was alle jemals in Deutschland erschienenen Spidermanhefte kosten. Der dachte, ich spinne. Aber ich habe so lange auf den eingeredet, bis er mir die Dinger zu einem Spottpreis verkauft hat. [...] Auf jeden Fall bin ich zum Auto, habe den Kofferraum aufgemacht, und die haben mir den Wagen mit Spidermanheften voll gemacht.

Das und mehr in einem schönen Interview aus der SZ-Wochenendbeilage.

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Batz bewundert die Programmplanung von Pro Sieben:

Nach Episode II kommt eine Doku über Schwerstbehinderte und danach ein Film von Dr. Uwe Boll.
Ich erkenne da ein Gesamtkonzept.

Der neue Herr Andrack

…heißt also Oliver Pocher. Oder wird Pocher der neue Waldi und Harald Schmidt ist der Sidekick? Wie auch immer, ab Oktober gibt es also einmal die Woche eine Stunde Schmidt & Pocher im Ersten. Mein allererster Gedanke beim Lesen dieser Meldung: “Achduscheiße, ausgerechnet Pocher, das war’s dann mit Schmidt und mir.”

Beim genaueren Nachdenken muss ich aber sagen: Die jetzige Schmidt-Show ist sowieso völlig für die Tonne und bedarf dringend einer Überarbeitung. Schlechter, langweiliger und egaler kann’s eigentlich nicht mehr werden. Auch wenn ich mir vielleicht lieber einen anderen Partner (Nora T., Kurt K., oder Götz A. zum Beispiel) gewünscht hätte, eine Veränderung ist dringend notwendig und es ist gut, wenn Schmidt und die ARD das erkannt haben.

Ja, irgendwie bin ich doch gespannt.

Mörfi

Wenn du am 12. Mai 2005 einen DVB-T-Receiver mit Festplatten-Videorekorder gekauft hast, und der Gewährleistungszeitraum beträgt 24 Monate, wann gibt das Gerät dann den Geist auf?

Genau.

Dieser Murphy ist wirklich ein unverschämtes Arschloch ausgekochtes Schlitzohr…

Im Kino: Sunshine

Ja, es gibt einige berechtigte Einwände, die man gegen Sunshine vorbringen kann. Die Ausgangssituation (“Wir müssen eine Bombe in der Sonne sprengen, damit sie wieder warm genug strahlt, um das Leben auf der Erde zu retten”) ist relativ hanebüchen, der Film bedient sich wirklich hemmungslos mit Versatzstücken aus mehr oder weniger berühmten SF-Filmen, von 2001 bis Alien, und wer Logiklöcher sucht, wird einige finden. Und ja, die im dritten Akt eingeführte Figur, die dem Film eine Wendung in Richtung Slasher-Horror verschafft, hätte wirklich nicht sein müssen und macht einiges kaputt.

Insgesamt hat mir Sunshine trotzdem ziemlich gut gefallen, und das lag vor allem an den Bildern. Regisseur Danny Boyle spielt ausgiebig mit der Faszination Sonne und deren zentraler Rolle als Bestimmerin über Leben und Tod. Es gibt ein paar rauschhafte Szenen, vor allem die, in der die Crew fasziniert beobachet, wie der Jupiter (Oder wars ein anderer Planet? Hab’s vergessen.) zwischen ihrem Raumschiff und der Sonne vorbeizieht. Auch der Einsatz von Farbfiltern (gelb und rot, wenn die Sonne im Spiel ist, blau und grün für die Szenen im Inneren des Schiffs) und die auffällig vielen Close-Ups tragen viel zur visuellen Wirkung von Sunshine bei. Und auch beim Sounddesign wurde ganze Arbeit geleistet. Der effektive Einsatz von Musik und Geräuschen ist mir schon lange nicht mehr so aufgefallen wie hier.

Was ich auch sehr mochte: Die Dramaturgie des Films richtet sich nicht nach gängigen Hollywood-Konventionen. Dort hätte man vermutlich erst mal ausgiebig die vom Erfieren bedrohte Erde gezeigt und hätte spektakulär den Start der Ikarus-Rettungsmission gezeigt. Hier jedoch beginnt man mitten im Flug zur Sonne, die nötigen Infos bekommt der Zuschauer indirekt. Auch das Ende wäre in Hollywood deutlich pathetischer ausgefallen. Der kurze Blick, den wir zum Schluss auf die Erde werfen dürfen, hat etwas angenehm beiläufiges.

In den ersten zwei Dritteln des Films erzeugen Boyle und sein Autor Alex Garland viel Spannung durch die Extremsituation an Bord. Das Zusammenspiel der Crew und die angespannten Beziehungen zwischen den Mitgliedern, die absolute Bedeutung ihrer Mission und die tödliche Bedrohung, der sie ausgesetzt sind, das alles fügt sich zu einem intensiven Kammmerspiel und man hätte es wohl auch als solches bis zum Ende durchziehen können. Aber Boyle und Garland wollten doch noch Action und so gibt es also im Schlussdrittel eine Wende, über die man nicht viel schreiben kann, ohne zu spoilen. Diese Wende stellt die Stimmung, die bis dahin im Film herrschte, ziemlich auf den Kopf und tut ihm damit in meinen Augen keinen Gefallen. Schade drum, andernfalls hätte Sunshine wirklich ein ganz großer SF-Film werden können. So ist’s immerhin noch ein guter, und zwar einer, den man sich tunlichst mit wuchtigem Bild und wuchtigem Sound geben sollte.

Trailerschau für Filmstarts vom 10.5.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Crash Test Dummies: Tragikomödie aus Österreich um ein junges rumänisches Pärchen, das in Wien landet. Charmant, schräg, österreichisch.

1:1 (En til En) (1:1 – Auge um Auge): Immigranten-Problemfilm aus Dänemark, der schon einige Festivalpreise eingesammelt hat.

The Invisible (Unsichtbar – Zwischen zwei Welten): Nick ist ermordet worden, weilt aber noch unter den Lebenden, unsichtbar für andere Menschen. Um erlöst zu werden, muss er den Mord an sich selbst aufklären. Mystery-Thriller im Düsterlook, der bei den Kritikern ziemlich floppte.

Muss nicht sein:
Zwartboek (Black Book): Paul Verhoeven, Schöpfer von Hochglanz-Trash wie Basic Instinct oder Starship Troopers, kehrt zurück in die Niederlande und dreht dort einen Film, der zur Zeit der NS-Besatzung spielt. Und auch hier scheint er sich sein Herz für Pulp bewahrt zu haben: Der Trailer zeigt reichlich Titten und Hakenkreuze. Wenn jetzt noch Vampire und ein verrückter Professor mit im Spiel wären, wär das super, aber Zwartboek ist dann halt leider doch ernst gemeint.

Das doppelte Lottchen: Die gefühlt achtundreißigste Verfilmung des Kästner-Zwillings-Klassikers, diesmal als braver Zeichentrickfilm mit nostalgischer Note.

Blades of Glory (Die Eisprinzen): Die Spaßvögel Will Ferrell und John Heder (Napoleon Dynamite) machen Schlittschuhläufer-Klamauk. Das einzige, was an dem Film witzig ist, der Titel nämlich, wird vom deutschen Verleih natürlich zuverlässig plattgemacht.

Flyboys (Flyboys – Helden der Lüfte): Eine Gruppe junger Draufgänger aus den USA melden sich während des 1. Weltkriegs freiwillig bei der französischen Luftwaffe, um gegen die Deutschen zu fliegen. Für Anhänger von Doppeldeckern und viel, viel Kriegspathos.

How to cook your life (Dt.T): Doku von Doris Dörrie über einen kochenden Zen-Meister oder einen Zen-meisternden Koch. Dank meiner Anti-Esoterik-Gene eher nix für mich.