Ich werde diese Tabakwaren nicht kaufen, sie ist zerkratzt

Heute morgen roch ich immer noch wie ein Aschenbecher. Ich hatte es ja so gewollt. Ein Konzert in einem sehr kleinen, sehr engen und sehr ausverkauften Club ist halt ohne Gestank nicht zu machen. Ich meine, das hat auch Vorteile. Rauchgestank überdeckt das Odeur von Schweiß genauso wie Bierfahnen. Außerdem fördert Rauch die Hygiene: Kein Mensch kommt auf die Idee, die Klamotten vom letzten Abend nochmal anzuziehen, ohne sie vorher gründlich zu waschen.

Ein Typ, der gestern in meiner Nähe stand, meinte es besonders gut mit seinen Mitmenschen und schmauchte genüsslich Zigarre, was ja bekanntlich nicht nur fünf Minuten dauert. So ein Zigarrenrauch hat echt nochmal ganz andere Qualitäten als der gewöhnliche Fluppendunst. Zigarren duften nach Erfolg, nach Potenz, nach Macht. Wer braucht da noch frische Luft? Es ist diesem Menschen also hoch anzurechnen, dass er seine Zigarre nicht im stillen Kämmerlein durchzieht, sondern uns arme Nichtraucherwürstchen teilhaben lässt an seinen Geschmackserlebnissen. Danke dafür.

(Im Übrigen danke ich auch allen Gehweg-Parkern, Hunde-überallhin-kacken-lassern, allen nachtaktiven Heimwerkern und Autobahndränglern.)

 

4 Gedanken zu „Ich werde diese Tabakwaren nicht kaufen, sie ist zerkratzt

  1. was soll man machen. es riecht eklig, es stinkt, es ist ungesund, aber man ist aus film und fernsehen so sozialisiert, dass man es auch irgendwie cool und kommunikativ findet und ausserdem ein grundsaetzliches ungutes gefuehl hat beim allgemeinen (auch staatlich)verordneten, verbotsgetriebenen fitness und gesundheitswahn. der spagat zwischen jogging und saufen. da muss jeder seine eigene mitte finden.

  2. Ich bin auch kein Fan von Verboten. Schön wär halt, wenn man als Raucher z.B. in Räumen, wo sich 4 Leute einen qm teilen und die Luft eh schon zum Schneiden ist, einfach mal auf die Kippen verzichtet. Das passiert aber nicht.

    Und im Moment ist man halt als Nichtraucher in der Defensive, man ist automatisch der uncoole. Mir wäre kein guter Spruch eingefallen, mit dem ich den Typen ums Ausmachen seiner Zigarre hätte bitten können.

    Wenn ein Rauchverbot dieses „Machtverhältnis“ ein bisschen umdrehen kann, hat es meinen Segen.

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