Im Kino: Pirates Of The Caribbean – At World’s End (Am Ende der Welt)

Hollywood hat den Rotstift verlegt. Es scheint dort keine Leute mehr zu geben, die sich mal an ein Drehbuch setzen und ordentlich streichen. Zumindest nicht bei großen Franchise-Filmen, die als finanzielle Selbstläufer super-erfolgreich sind und bei denen der Inhalt scheinbar gar keine Rolle mehr spielen muss. Spider-Man 3 hatte 140 Minuten, der dritte Teil von Fluch der Karibik strotzt mit 168 Minuten. Knappe drei Stunden also, in denen man dem Zuschauer folgende Geschichte erzählt:

Ähm. Tut mir leid, ich habe keine Ahnung, was Pirates 3 für eine Geschichte erzählt. Selbst wenn ich der „Handlung“, oder was der Film dafür hält, problemlos hätte folgen können, wäre es wahrscheinlich unmöglich, diese in kurzen Worten wiederzugeben. Denn dazu müsste man beschreiben, wer mit welchen Mitteln was zu erreichen sucht, und warum. Und genau diese Fragen lässt der Film einfach offen. Etwas passiert, weil’s passiert. Dann kommt die nächste Szene, in der passiert was anderes. Manches davon mag vielleicht noch erklärbar sein, wenn man die Handlung von Teil 1 und 2 noch unmittelbar im Kopf hat (wer die noch gar nicht gesehen hat, braucht erst gar nicht in Teil 3 zu gehen), aber das meiste wirkt derart willkürlich, als hätte man im Internet einfach mal 10 oder 20 Pirates-Fanfic-Geschichten eingesammelt und diese mit einer ganz groben Nadel zusammengeflickt.

Wenn aber die Handlung egal wird, verkommt ein Film zur Nummernrevue. Nicht, dass dagegen was einzuwenden wäre – viele gute Filmkomödien funktionieren bestens als Abfolge einzelner Nummern. At World’s End behauptet aber ständig Drama, Abenteuer und Spannung, und vor allem fehlen die Gags. Klar, es gibt einige Lacher im Film, es sind aber nicht genug (oder nicht genügend gute), um den Film wirklich zur spaßigen Unterhaltung zu machen. Der Grundton des Films ist wesentlich düsterer und ernsthafter als in den ersten beiden Teilen (er beginnt mit einer ausgiebigen Hinrichtungsszene). Kann man machen, aber dann sollte halt die Geschichte interessant sein.

Was bleibt, sind erwartungsgemäß tolle Kulissen und Kostüme, ein paar nette Oneliner und die surreale Szene mit dem multiplen Jack Sparrow, die mich wirklich überrascht hat (die man aber auch nicht unbedingt zweimal hätte bringen müssen). Mein Highlight war der Auftritt von Keith Richards. Nicht nur, weil ich ein Fan von Metahumor und selbstreferenziellen Gags bin, sondern weil der alte Kief auch bestens reinpasst in die Schar abgewrackter Piraten und keineswegs wie ein Fremdkörper wirkt. Aye!

Abspann: In den ersten beiden Teilen gab es nach dem Abspann noch ein kurzes Zuckerl für Sitzenbleiber. Diesmal ist es Süßstoff.

Bonus-Link: Peter Hengl (dem der Film besser gefiel als mir) über Pirates 3 als Experimentalfilm.

 

3 Gedanken zu „Im Kino: Pirates Of The Caribbean – At World’s End (Am Ende der Welt)

  1. Ich finds cool wenn gute Filme lang sind. (HDR/LOTRO hätte ruhig auch länger sein können!) Wenn ich mir vornehme ins Kino zu gehen, dann möchte ich den Abend über auch was zu tun haben. Kurzfilme („Serien“) kann man sich auch im Fernsehen anschauen ….
    Und … wer einen Teil 3 guckt, der sollte Teil 1 + 2 auch gesehen haben, warum sonst sollte es ein Teil 3 sein ?! Gibt genügend Filme, die eine eigene abgeschlossene Story haben, da kann man sich doch auch mal Filme angucken die zumindest ein wenig auf dem/den Vorgänger/n aufbauen ….
    Und Handlung … da gibts schon einiges … und sei es die Errettung der Welt vor dem fiesen Monster-Piraten Jones ….

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.