Im Kino: Joe Strummer – The Future Is Unwritten

The Future Is Unwritten von Julien Temple ist eine Rockumentary. Aber keine gewöhnliche. Klassische Rock-Dokus beleuchten, hübsch chronologisch, Leben und Karriere von Bands und Musikern. Es gibt Konzertausschnitte, Videoclips, eingeblendete Plattencover, Interviewschnipsel, jede Menge Musik der betreffenden Künstler und einen erklärenden Sprecher aus dem Off. Julien Temple (Regisseur des Sex-Pistols-Films The Great Rock’n’Roll Swindle und des Finanzfiaskos Absolute Beginners und in dessen letzten Jahren ein guter Freund von Joe Strummer) benutzt die meisten dieser Stilmittel ebenfalls, aber er benutzt sie ganz anders.

Seine Interviewschnipsel entstanden vor Lagerfeuern, in nächtlichen Freiluftsessions, in denen sich Freunde, Begleiter und Bewunderer an den Frontmann der legendären The Clash erinnern (und nicht nur Lobhudeleien, sondern auch kritische Anmerkungen zum Besten geben). Seine Archiv-Clips sind u.a. rare private Super-8-Aufnahmen aus dem Familienarchiv oder eigens für den Film animierte Kritzeleien aus Strummers Notizbüchern. Und seine Stimme aus dem Off ist die von Joe Strummer selbst: Ausschnitte aus Radio-Interviews, und immer wieder Fetzen aus der BBC-Sendung London Calling, in der Strummer Musik aus aller Welt auflegte. Die dort gespielte Musik ist auch teilweise im Film zu hören, der Soundtrack besteht also bei weitem nicht nur aus Clash- bzw. Strummer-Songs.

Der Film ist ein Feuerwerk an visuellen und akustischen Reizen, dazu gibt es tonnenweise Text. Er erfordert gute zwei Stunden volle Aufmerksamkeit, vor allem dann, wenn man — wie ich — kein langjähriger Fan ist, der ohnehin gut Bescheid weiß, sondern eher ein interessierter Anfänger. Dann kann es schnell mal verwirrend werden, wenn man immer wieder neue Gesichter und Namen aufgetischt bekommt, die man bisher nicht kannte. Deswegen ist der Film vor allem eingefleischten Clash-/Strummer-Fans uneingeschränkt zu empfehlen, die bekommen hier wirklich einen nicht alltäglichen Leckerbissen. Aber auch als allgemein popkulturell Interessierter lohnt sich die Doku, erfährt man doch eine Menge über die Heydays des britischen Punk und über ihre wichtigsten Protagonisten. Etwas Grundwissen sollte man aber trotzdem mitbringen, denn der Film geht ganz klar davon aus, dass seine Zuschauer ein Nischenpublikum sind, dem man nicht mehr erklären muss, was London Calling ist und was daran so großartig sein soll.

 

Ein Gedanke zu „Im Kino: Joe Strummer – The Future Is Unwritten

  1. ich fand die Doku Klasse 2 Stunden gute Mukke und noch was dabei lernen was will man mehr ;)

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