Geist ist geil

Im Kino: The Simpsons Movie

Montag, 30.07.2007

Die Simpsons also, nach 18 Jahren im Kino. Und? Größer, besser, ungeschnitten?
Nein, nicht unbedingt. Der Film hat im Grunde nichts zu bieten, was man nicht auch im Fernsehen hätte machen können. Die Animation ist von der gleichen Qualität, die man von der Serie kennt, ab und zu etwas digital aufgebrezelt. Und die Gags sind keineswegs böser oder frecher als im Fernsehen (mal abgesehen davon, dass wir kurz Barts Schniedel zu sehen bekommen). Geschweige denn schräger oder ungewöhnlicher.

Der Film ist also langweilig?
Ganz und gar nicht, nein. Wir haben hier einfach eine Simpsons-Episode, und zwar eine gute, in vierfacher Länge. Das hat durchaus seinen Reiz, denn so können sich die Autoren mal etwas mehr Zeit lassen und ihre Geschichte etwas “epischer” und auch ruhiger erzählen als im Fernsehen, wo es immer Schlag auf Schlag gehen muss. Und das ist durchaus gelungen: Der Bogen wird über knapp 90 Minuten gehalten, das Timing und die Gagdichte stimmen. Und am Schluss ist, wie sich das gehört, wieder alles beim alten. Ich wurde bestens unterhalten und die anderthalb Stunden gingen rum wie nix. Der Film ist nicht die große Offenbarung, auf die manche nach all dem Hype und der Geheimniskrämerei vielleicht gehofft hatten, macht aber mehr Spaß als viele Folgen der jüngsten Serienstaffeln. Mir hat’s gefallen, und ich habe tatsächlich wieder Lust bekommen, mir öfter mal wieder die Simpsons im Fernsehen (oder besser auf DVD) anzusehen.

Was sind die besten Szenen?
Ach, die wurden doch überall schon nacherzählt, das bringt doch nix. Selber ansehen!

Muss ich dazu ins Kino?
Naja, man muss den Simpsons Movie nicht zwingend auf der großen Leinwand gesehen haben. Es gibt ein paar nette Totalen, in denen das Format ganz gut zur Wirkung kommt, aber ansonsten funktioniert das auf einem kleinen Bildschirm ebenso gut. Ein Kino hat halt bei Komödien immer den Vorteil, dass es sich gemeinsam einfach schöner lacht.

Kommt Apu vor? Und Barney? Lenny und Carl? Chief Wiggum, Krusty, Mrs. Krabab…
…jajaja, die kommen alle vor. Die Macher haben sich wirklich Mühe gegeben, fast jede Nebenfigur des Springfield-Universums mal durchs Bild laufen zu lassen. Aber dabei bleibt es in vielen Fällen auch. Die Story konzentriert sich wirklich sehr auf die Familie Simpson.

Die heilige Familie.
Oh ja, der Familiensinn, der als großer moralischer Wert schon immer in den Simpsons mitgeschwungen ist, kommt hier sehr stark zur Geltung. So sehr, dass es fast schon eine zu große Moralkeule ist.

Und Promi-Auftritte?
Gibt’s natürlich auch. Von Tom Hanks und Green Day. Die sind ganz nett, aber eher belanglos.

Und beim Abspann? Sitzenbleiben?
Eh klar. Hier lohnt es sich aber tatsächlich: Unter anderem gibt es die offizielle Hymne der Stadt Springfield zu hören, außerdem hat man dort einen der besten Gags des Films untergebracht.

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Im Kino: Film Noir

Samstag, 28.07.2007

Fantasy FilmfestDer Titel ist alles andere als subtil: Ja, Film Noir huldigt dem Genre des Film Noir, und er hat alles, was so ein Hard-Boiled-Krimi braucht: Schwarz-Weiß-Ästhetik, einen gebeutelten, aber trotzdem coolen Protagonisten, der als Ich-Erzähler auftritt, ein verregnetes L.A., und es wird viel geballert, geraucht und gevögelt. Und natürlich die obligatorischen Einstellungen mit den gestreiften Schatten von halb-offenen Jalousien.

Das besondere an Film Noir: Es handelt sich um einen Zeichentrickfilm, und einen Teil seines Reizes zieht der Film daraus, dass man hier Dinge sieht und Wörter hört, die man sonst in Trickfilmen (falls sie nicht aus Japan kommen) fast nie bekommt. Ein Reiz, der sich allerdings schnell erschöpfen würde, wenn die Geschichte uninteressant wäre. Die aber ist der Pluspunkt von Film Noir: Regisseur D. Jud Jones (ein Pseudonym, das er nur dieses eine Mal verwenden will, um sich nicht auf eine bestimmte Art Filme festlegen zu lassen) erzählt eine spannende Story von einem, der mit Amnesie neben einem erschossenen Polizisten erwacht und weder seine eigene Identität kennt noch den Grund, warum er hier ist. Er begibt sich auf die Suche nach sich selbst und seiner Vergangenheit und gerät dabei zum einen an eine Reihe sehr unangenehmer Zeitgenossen, die ihn gerne tot sehen möchten. Zum anderen an mehrere heiße Frauen, die auf der Stelle flachgelegt werden wollen. Das alles ist nicht sehr tiefgründig, funktioniert aber als ordentlicher Noir-Thriller.

Eher störend wirkt dagegen die Animation, die in einem Studio in Belgrad entstand: die Hintergründe wurden meist als Realfilm fotografiert und dann durch diverse Filter gejagt, was für eine gute und realistische Atmosphäre sorgen könnte. Die Figuren sind im klassischen 2-D-Stil gezeichnet und (vermutlich) am Rechner animiert worden, und hier beginnt das Problem: Jede, wirklich jede Bewegung wirkt vollkommen unnatürlich und roboterhaft (einen ganz guten Eindruck davon kann man schon im Trailer bekommen). Dass die Gesichtszüge der Figuren fast immer wie eingefroren aussehen, kommt erschwerend hinzu. So wirken die Charaktere seelenlos, und selbst die beste Synchronisiation könnte dieses Manko nicht ausgleichen.

Schade, denn die missglückte Animation schwächt einen Film, der an sich eine sympathische Hommage an ein Genre ist. Andere haben das einfach besser gemacht, auch in gezeichneter Form, wenn auch nicht als Film, sondern als Comic. Frank Millers Sin City (von dem Jones auch die Idee mit dem Einsatz von bunten Farbtupfern geklaut hat) schlägt in eine ganz ähnliche Kerbe, ist dabei allerdings härter, rauher und kompromissloser.

Torsten Devi Dewi bringt es in seiner Kritik auf den Punkt:

„Film Noir“ nutzt auch die Möglichkeiten des Trickfilms an keiner Stelle. Die Erzählweise ist extrem konservativ, und auch visuell wird nichts herausgekitzelt, was man nicht auch hätte real verfilmen können. Das führt allerdings das ganze Vorhaben ad absurdum – wozu Trickfilm, wenn man dann doch lediglich auf die Mechanismen des Realfilms zurückgreift?

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Im Kino: Paprika

Freitag, 27.07.2007

Fantasy FilmfestEin japanischer Gesundheitskonzern ist gerade dabei, eine neue Technik zu entwickeln, die vor allem in der Psychiatrie eingesetzt werden soll. Das DC Mini, ein kleines Gadget, das man sich wie eine Klammer an den Kopf schnallen kann, kann Träume aufzeichnen, so dass man sie am nächsten Morgen ansehen und anderen Menschen zeigen kann. Mit dem Gerät ist es aber auch möglich, die Träume verschiedener Personen zu verbinden, so dass die träumende Person A im Traum von Person B vorbeischauen kann. Das Gerät scheint schon kurz vor der Marktreife zu stehen, als drei Exemplare plötzlich verschwinden, und damit hat ein Unbekannter die Macht, die Träume anderer Leute zu manipulieren und damit auch deren Leben.
(So hab ich das zumindest verstanden — gut möglich, dass ich es nicht ganz genau gerafft habe, immerhin lief der Film auf japanisch mit englischen Untertiteln.)

Das Entwicklungsteam des DC Mini, bestehend aus dem Erfindergenie und Riesenbaby Tokita, der extrem smarten Atsuko und einem zerstreuten Professor, macht sich nun auf die Suche nach dem Dieb. Atsuko hat dabei die Fähigkeit, in Form ihres Alter Egos, des Mädchens Paprika, in die Traumwelt einzudringen und dort zu recherchieren. Es beginnt ein völlig surrealer Trip, bei dem die Grenzen zwischen Realwelt und Traum schnell verwischen und die Leinwand von einer großen Dosis bildgewaltigem Wahnsinn gefüllt wird.

Aus dieser relativ komplex klingenden Ausgangslage macht Anime-Star-Regisseur Satoshi Kon (Perfect Blue, Tokyo Godfathers) ein poppiges Großstadtmärchen, das zwar ein paar Noir-Anklänge hat und stellenweise an David Cronenberg, David Lynch oder die Matrix-Trilogie erinnert, das aber in keinster Weise düster daherkommt. Im Gegenteil, hier knallen bunteste Farben auf die Leinwand, ein schriller Soundtrack tönt dazu und auch wenn man der Geschichte nicht immer hundertprozentig folgen kann, reißt sie den Zuschauer mit. Paprika ist ein Spektakel, das nie langweilig wird und eine geschickte Balance aus Ernsthaftigkeit und Humor hält. Die Charaktere bleiben leider ziemlich oberflächlich, aber am meisten überzeugt der Film ohnehin auf der visuellen Ebene: Das Medium Zeichentrickfilm ist wie geschaffen für diese überdrehten Traumwelten, und Satoshi Kon versteht es sehr gut, die klassische 2-D-Animation an den richtigen Stellen mit 3-D-Effekten aus dem Computer zu verschmelzen. Das Ganze wurde sehr aufwendig produziert und sieht niemals “billig” aus.

Wer möchte, kann sich mit im Film angerissenen philosophischen Ideen auseinandersetzen oder über das Thema “Traum vs. Realität” diskutieren. Man kann das aber ebensogut auch bleiben lassen und sich einfach auf einen sehr unterhaltsamen, temporeichen Trip begeben und sich mitreißen lassen von einer gewaltigen Bilderflut. In den Satoshi Kon übrigens ein paar sehr charmante Liebeserklärungen an das Kino eingebaut hat.



Trailerschau für Filmstarts vom 26.7.

Donnerstag, 26.07.2007

Im Kino sehen:
The Simpsons Movie (Die Simpsons - Der Film): Meine Liebe zu den Simpsons ist zwar in den letzten Jahren stark abgekühlt, aber auf den Film freu ich mich trotzdem. Spätestens seit ich das Spider-Pig gesehen habe…

Auf die DVD warten:
Beste Zeit: Nach dem klamaukigen Schwere Jungs wird der Senkrechtstarter Marcus H. Rosenmüller wieder ernsthafter und beginnt eine bayerische Coming-of-Age-Trilogie, mit der er hier im Süden durchaus an den Erfolg von Wer früher stirbt… anknüpfen könnte. Ursprünglich fürs Fernsehen geplant, wertet man die Filme jetzt erstmal im Kino aus.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Si le vent soulève les sables (Als der Wind den Sand berührte): Belgische Romanverfilmung über ein afrikanisches Familienschicksal.

Muss nicht sein:
Alberto Giacometti – Die Augen am Horizont: Ich wusste gar nicht, dass die Neue Zürcher Zeitung auch Filme produziert, und zwar in erster Linie FIlme über und mit bildenden Künstlern. Ich bin zu sehr Banause für sowas.

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Im Kino: Black Sheep

Mittwoch, 25.07.2007

Ein Gastbeitrag von Hike.

Fantasy FilmfestBlack Sheep ist ein neuseeländischer Film, der sich zum Ziel gesetzt hat sachlich über die Gefahren der modernen Gentechnik aufzuklären.

Ist natürlich Quatsch. Sowohl die vorangegangene Aussage, als auch der Film. Die Beschreibung im, den Mund gerne auch mal etwas voller nehmenden FFF-Programmheft klang nach einem unterhaltsamen Fun-Splatter-Streifen. Wie gemacht für die Eröffnung des Festivals. Blut, Gedärme und gute Laune. Alleine, erfüllen konnte Black Sheep diese hochgesteckten Erwartungen nur sehr bedingt.

Die Handlung ist schnell erzählt: Gewissenloser Bauer macht ethisch unkorrekte Genexperimente mit seinen Schafen, um eine neue Superrasse gewinnbringend in alle Welt zu verkaufen. Zwei gutmenschelnde Tierschützer befreien eines der Versuchstiere, was natürlich, das wissen wir spätestens seit 28 Days later, eine sehr schlechte Idee ist. Das Genschaf splattert sich also munter durch die grünen Weiden, infiziert reihenweise Schafe und Menschen, bis schließlich im Showdown der gute Bruder des bösen Bauern klar Schiff macht und die blutrünstigen Wollknäuel ins Jenseits befördert.

Black Sheep ist sicherlich nicht durchgehend schlecht. Da wäre zu allererst die Grundidee hervorzuheben: Schafe! Nach Hunden, Krokodilen, Ratten, Haien, Ameisen, Spinnen, Walen, Bienen und etlichem anderen Ungetier war es definitiv mal an der Zeit Alternativen zu Wallace & Gromit oder Shaun the Sheep aufzuzeigen. Zu Gute halten muss man dem Film auch den weitgehenden Verzicht auf CGI-Effekte. Die meisten Schafe sind animatronische Modelle, die Splattereffekte gute alte Handarbeit. Kann sein, dass das bei mir noch generationsbedingt so ist, aber für mich macht das einen Film wesentlich charmanter, als die meisten der, trotz voranschreitender Prozessorleistung, immer noch irgendwie unwirklich glatt wirkenden CGI-Bilder. Auch bietet Black Sheep einige wenige unterhaltsame Dialoge. Mit Betonung auf wenige.

Und damit wären wir auch schon bei den Schwächen: Die Story ist arm an Einfällen und absolut unspannend, die Dialoge größtenteils wirklich humorfrei und die Charaktere sind aus dem bekannten Genrebaukasten: naive Ökoaktivisten, skrupelloser Anzugträger, phobienbelasteter Held (der aussieht wie Oliver Pocher), Mad Scientists und eine resolute Oma. Das muss nicht per se schlecht sein, hier wird daraus aber leider keinerlei Originalität geschöpft. Man merkt dem Film förmlich an, wie er sein großes neuseeländisches Vorbild Braindead erreichen will, dabei aber auf halbem Wege liegen bleibt. Sprühte Peter Jacksons kleines Meisterwerk vor quirligen Splatterslapstickeinlagen, reiht Black Sheep lediglich nur uninspiriert eine Goreszene an die andere und langweilt dazwischen mit einer öden, kaum vorhandenen Geschichte.

Die Reaktionen der Fanboysandgirls im Publikum waren dann auch eher verhalten. Szenenapplaus war selten und am Ende nur müdes Klatschen.



Auf DVD: Lucky Number Slevin

Dienstag, 24.07.2007

Slevin hat einen verdammt beschissenen Tag. Die Wohnung ist weg, die Freundin geht fremd, er wird überfallen und bekommt Prügel. Und gerade wenn er in der Wohnung eines Kumpels kurz durchatmen will, geht der Stress erst richtig los. Wider Willen gerät er in ein Dreieck der Interessen: Bei einem lokalen Verbrecherboss hat er angeblich Schulden, die er begleichen soll, indem er den Sohn des anderen lokalen Verbrecherbosses um die Ecke bringt. Jener wiederum will ebenfalls was von Slevin, nämlich einen Batzen Geld. Und dann ist da noch ein unbequemer Polizist, dem Slevins Auftreten auch nicht ganz geheuer ist.

Slevin, gespielt von Josh Hartnett, taumelt durch die Geschichte, ohne zu wissen, wie ihm geschieht. Anstatt sich zu weigern oder in völlige Verzweiflung über seine verfahrene Lage zu geraten, spielt er einfach mit, er lässt die Dinge geschehen. Wie sich jedoch später herausstellt, weiß Slevin tatsächlich sehr genau, was Sache ist, und am Ende hält er alle Fäden in der Hand.

Der Film bietet eine recht konventionelle Gangstergeschichte (mit ein paar parodistischen Elementen), die er aber unkonventionell verpackt. Nämlich mit all den hippen Zutaten, die sich Regisseur Paul McGuigan erkennbar bei seinen Vorbildern Quentin Tarantino, Guy Ritchie und Konsorten abgeguckt hat. Zeitsprünge, Farbfilter, Zeitlupen, Zeitraffer, stylishe Einstellungen, reichlich popkulturelle Referenzen, undsoweiter. Zugegeben, das ist im Jahr 2007 nicht mehr neu, hilft aber sehr dabei, eine Geschichte unterhaltsam zu machen, die viel weniger komplex und clever ist, als sie auf den ersten Blick erscheint.

Noch mehr verdankt der Film seiner exzellenten Besetzung. Josh Hartnett, von dem ich bisher nicht viel gehalten habe, fällt zumindest nicht negativ auf. Um ihn herum aber kommt ein Spitzen-Cast zum Einsatz: Morgan Freeman und Ben Kingsley als fiese Crimelords, Stanley Tucci als Polizist, Lucy Liu als süße Nachbarin und nicht zuletzt Bruce Willis als geheimnisvoller Fremder im Trenchcoat.

Lucky Number Slevin ist kein Meisterwerk, dafür hat er dann doch zu viele offensichtliche Schwächen (die Batz in seiner F5-Review ausführlich darlegt und dafür in den Kommentaren geprügelt wird). Seine Vorbilder erreicht McGuigan nicht. Unterm Strich ist das aber immer noch ein sehr unterhaltsamer Film, der es wirklich verdient gehabt hätte, ins Kino zu kommen und damit ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu erheischen. Stattdessen erschien er bei uns direkt auf DVD und ist damit ein weiteres Steinchen in einer immer länger werdenden Liste, die beweist, dass Direct-to-DVD heute kein Synonym für billige Trashfilme mehr sein muss.

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TV-Tipp: Trickfilme bei 3sat

Freitag, 20.07.2007

Bei 3sat startet kommende Woche eine hübsche kleine Filmreihe namens Trickfilme für Erwachsene. Neben dem Anime-Klassiker Ghost in the Shell und dem schönen Aardman-Knetmassen- Film Chicken Run zeigt die Reihe den höchst empfehlenswerten französischen Trickfilm Das große Rennen von Belleville, der vor kurzem schon mal zu nachtschlafender Zeit in der ARD lief. Ich habe den Film 2004 im Kino gesehen und schrieb damals in einem Filmforum, in dem ich zu der Zeit aktiv war:

Ein visuelles Ereignis, das zeigt, was im Animationsfilm, abseits von Disney und Pixar, noch so alles möglich ist. Voll von schwarzem Humor, skurillen Charakteren, surrealen Sequenzen und abgedrehter Musik, detailverliebt in Szene gesetzt. Diese Mischung von klassischer, altmodischer 2D-Animation und hochmodernen CGI-Effekten war perfekt und wirkte niemals unpassend oder störend.
 
Zum Inhalt: die Beschreibung “modernes Märchen für Erwachsene” trifft es imho am Besten. Die Story ist relativ simpel, aber voller netter Einfälle, skuriller Gags und in keinster Weise langweilig. Es gibt auch ruhigere und langsamere Szenen, aber “langweilige” nicht. Der weitgehende Verzicht auf Dialoge wirkte sich für mich nicht negativ aus, sondern half zusätzlich, den Film zu etwas Besonderem zu machen.

Außerdem gibt es, als Auftakt der Reihe am 24.7., die TV-Premiere von Waking Life, in dem Richard Linklater erstmals die Rotoscope-Technik ausprobiert hat, die er letztes Jahr in A Scanner Darkly erneut verwendete. Abgerundet wird die Reihe mit dem englischen Film Die geheimen Abenteuer von Däumling (nie von gehört, aber die Vorschaubilder sehen ziemlich cool aus) und zwei Kurzfilmnächten, die u.a. einige Werke von Jan Švankmajer zeigen.

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Trailerschau für Filmstarts vom 19.7.

Donnerstag, 19.07.2007

Im Kino sehen:
Grindhouse - Death Proof (Death Proof - Todsicher): Hier habe ich mal nicht wie üblich den US-Trailer bei Apple verlinkt — der wirbt nämlich (in herrlich trashiger Manier) für das Grindhouse-Doublefeature, das wir ja in Europa bekanntlich so nicht zu sehen bekommen. Wir kriegen stattdessen längere Versionen von Tarantinos Death Proof, und demnächst auch von Rodriguez’ Planet Terror. Und wenn der in Deutschland startet, zeigen ein paar gute Kinos sicher auch beide Filme zusammen.

Auf die DVD warten:
2:37: Interessantes Adoleszenz-Drama aus Australien über sechs Schüler, deren Leben von einer Katastrophe beeinflusst wird (die nach 2 Minuten und 37 Sekunden Lauflänge des Films passiert Korrektur: die nachmittags um 14:37 passiert). Regisseur und Autor Murali K. Thalluri war erst 20, als er diesen Film gedreht hat!

Vielleicht mal im Fernsehen:
Du bist nicht allein: Gut besetzte Tragikomödie mit Axel Prahl und Katharina Thalbach als Ostberliner Ehepaar.

Vacancy (Motel): Ein Pärchen landet in einem abgeranzten Motel, das sich als tödliche Falle entpuppt. Kommt einem ein kleiiiines bisschen bekannt vor.

Death at a Funeral (Sterben für Anfänger): Schwarze Komödie um ein Begräbnis und die Hinterbliebenen, die aber eher harmlos und brav zu sein scheint.

Muss nicht sein:
Je crois que je l’aime (Kann das Liebe sein?): Romantische Komödie mit Menschen im zweiten Frühling und einer ganz netten Grundidee: Er interessiert sich für sie, will aber erst herausfinden, was das für eine ist. Und engagiert einen Detektiv.

Next: Philip-K.-Dick-Verfilmung mit Nicolas Cage als Pre-Cog, der ein bisschen in die Zukunft blicken kann. Sieht nach einem allzu mittelmäßigen 08/15-Actionfilmchen aus.

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Auf DVD: Das Leben der Anderen

Mittwoch, 18.07.2007

Dieser Donnersmarck mag ein unsympathischer FAZke sein, aber sein Film, der ja im letzten Jahr so ziemlich alle denkbaren Auszeichnungen abgeräumt hat, nötigt mir doch Respekt ab. Vor allem wenn man bedenkt, dass Das Leben der Anderen quasi der Debütfilm eines bis dahin unbekannten Nachwuchs-Regisseurs ist, der lange Jahre für dieses Projekt gefochten hat.

Der ganz große Pluspunkt des Films sind seine Schauspieler. Alle wichtigen Rollen sind top besetzt, wobei Ulrich Mühe nochmal alle überragt. Seine Darstellung des extrem pflichtbewussten, kalt handelnden Stasibeamten Gerd Wiesler, der sich in seine neue Aufgabe, die Rund-um-die-Uhr-Überwachung eines Schriftstellers, stürzt und nach einiger Zeit dann doch Zweifel an seinem Tun bekommt, hat wirklich jeden Preis verdient.

Florian Henckel von Donnersmarck schafft eine düstere Atmosphäre, zeigt die DDR als Überwachungsstaat, für den man kein bisschen Ostalgie empfinden möchte. Der Film beginnt direkt mit der vielleicht eindrucksvollsten Szene, in der Wiesler vor Stasi-Schülern doziert und ihnen beibringt, wie man Häftlinge zu Geständnissen bringt (und sich währenddessen auch Notizen macht, wenn einer kritisch nachfragt). Diese Härte, diese gespenstische Stimmung erreicht der Film später leider nicht mehr ganz.

Probleme habe ich ein bisschen mit der nicht ganz nachvollziehbaren Wende, mit Wieslers Wandlung vom Saulus zum Beinahe-Paulus, wenn er beginnt, passiven Widerstand zu leisten und sein Opfer zu schützen. Erstens geschieht es recht plötzlich und unmotiviert, zweitens gibt diese Wende der Geschichte einen unangenehmen Drall in Richtung “So schlimm war das alles gar nicht”. Einer der “Bösen” wird mehr oder weniger zum Helden, und das nimmt der Story viel von ihrer potentiellen Wucht und gibt ihr stattdessen ein Quasi-Happy-End, das sie gar nicht gebraucht hätte.

Abgesehen davon funktioniert Das Leben der Anderen hervorragend als spannendes Drama, bei dem mitgefiebert und mitgelitten werden darf. Der ganze politisch-feuilletonistische Diskurs, der den Film begleitete, die Thesen von der Vergangeheitsbewältigung und vom Anti-Goodbye-Lenin, das spielt beim Anschauen des Films — zum Glück — keine Rolle.

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Bei der Geburt getrennt?

Dienstag, 17.07.2007
  

Harry Potter und Mathias Richling

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