Auf DVD: Thank You For Smoking

Nick Naylor ist kein Sympathieträger. Er arbeitet als Lobbyist, als Spin-Doctor für die Zigarettenindustrie bzw. für ein Forschungsinstitut, das im Auftrag der großen Tabakkonzerne Studien und Gutachten erstellt. Er, der ein brillanter Rhetoriker ist, setzt sich in Talkshows zum Thema Rauchen, kämpft gegen einen ehrgeizigen Senator, der ein Totenkopfsymbol auf Kippenpackungen durchsetzen will und kungelt in Hollywood mit Filmproduzenten, um wieder ein paar mehr Raucher auf die Leinwände zu kriegen. Im hier besprochenen Film übrigens wird überhaupt nicht geraucht.

Thank You For Smoking beginnt in sehr flottem Tempo als clevere, sarkastische Satire, mit Nick Naylor als Ich-Erzähler aus dem Off und mit vielen guten Sprüchen und kleinen visuellen Gimmicks, die ein bisschen an Michael Moores Brachial-Dokus erinnern. Regisseur und Autor Jason Reitman geht es gar nicht so sehr ums Rauchen oder um die Tabaklobby, die steht eher symbolisch für eine beliebige Interessensgruppe. Ihm geht es eher um das Wesen der PR, um die Kunst, die eigene Agenda mit allen Tricks durchzusetzen. Der Film liefert hier ein paar schöne, übersteigerte Beispiele für Lobbyarbeit und einige hübsche Wortgefechte. Nick Naylors Credo: Wenn du in einer Talkshow sitzt, musst du nicht dein Gegenüber überzeugen, sondern die Zuhörer. Und dafür hat er wahrlich ein Talent. Er ist kein überzeugter Zigarettenfan, sondern ein Redetalent, das seine Kunst an den verkauft, der am besten zahlt.

Nach der ersten halben Stunde geht dem Film allerdings ein bisschen die Puste aus. Reitman ist kein Zyniker, er will Nick Naylor für die Zuschauer zum Sympathieträger machen, und dazu benutzt er zwei Mittel. Erstens: Eine bittere Niederlage, die Nicks Erfolgssträhne jäh durchbricht. Schon ist er der Underdog und wir sind auf seiner Seite. Zweitens: Die Steven-Spielberg-Allzweckwaffe — ein Kind. Nick ist frisch geschieden, sieht seinen Sohn nur noch am Wochenende und will ihm natürlich trotzdem ein guter Vater sein, also nimmt er ihn mit auf Dienstreise. Vater und Sohn, super Kumpels, der Junior lernt schnell die Tricks vom Papa, yaddayaddayadda. Diese eher nervige Family-Plotline macht leider viel kaputt an einem Film, der insgesamt ein bisschen zu brav und für eine Satire zu zahnlos ausfällt. Trotzdem ist Thank You For Smoking ein recht unterhaltsamer, nicht dummer Film, der auch sehr stark besetzt ist. Neben Hauptdarsteller Aaron Eckhart glänzt mein Held William H. Macy als Senator in Birkenstock-Latschen, außerdem spielt J. K. Simmons (der J. Jonah Jameson aus Spider-Man) mit. Katie Holmes kann allerdings als verruchte Femme Fatale keine Sekunde überzeugen.

Und wieder mal muss die Übersetzung bemeckert werden. Im Original heißt der Stammtisch, an dem sich Naylor mit anderen Lobbyisten aus der Waffen- und Alkoholbranche trifft, MOD-Squad (Merchants of Death). Die pseudo-deutsche Übersetzung macht daraus das TAG-Team (Tobacco, Alcohol, Guns) was vor allem deshalb so ärgerlich ist, weil es durch die englischen Begriffe den Zuschauern vorgaukelt, das wäre originalgetreu. Dass Dialogzeilen wie „The Yuppie Nuremberg defense“ fürs empfindliche deutsche Gemüt abgemildert werden, ist zwar ebenso ärgerlich, aber nicht mal besonders überraschend.

 

6 Gedanken zu „Auf DVD: Thank You For Smoking

  1. Ha! Der Unterschied ist allerdings, dass das Kind in A.I. die Hauptfigur ist. Die kann man schlecht mal eben weglassen.

    (Für Mitleser: Hike und ich haben sehr unterschiedliche Ansichten über die Qualität von Spielbergs A.I. Ich fand den beim ersten Mal klasse (beim zweiten Mal allerdings nicht mehr).

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