Auf DVD: Do Not Adjust Your Set

Monty Python, die vielleicht beste und mit Sicherheit innovativste Comedytruppe aller Zeiten, fiel nicht vom Himmel. Ihre Mitglieder waren allesamt schon vor der ersten Flying-Circus-Sendung im Einsatz. John Cleese und Graham Chapman schrieben in den 60ern Material für Sketch-Revuen an der Uni Cambridge, später arbeiteten sie für den BBC-Hörfunk und gehörten ab 1966 neben Marty Feldman u.a. zum Ensemble der Serie At Last the 1948 Show.

Eric Idle, Michael Palin und Terry Jones wiederum, die in Oxford studiert hatten, landeten, ebenfalls über den BBC-Hörfunk, bei der TV-Sendung Do Not Adjust Your Set, einer Sketchshow, die ursprünglich für Kinder gedacht war. Ein Teil dieser beiden inoffiziellen Vorgängershows von Monty Python’s Flying Circus liegt inzwischen auf DVD vor. Die Doppel-DVD von Do Not Adjust Your Set, um die es hier gehen soll, enthält die noch erhaltenen neun Episoden der Serie in relativ dürftiger Bild- und Tonqualität (im englischen Original mit optionalen Untertiteln). In späteren Folgen, die nicht auf der DVD sind, sollen auch Animationen von Terry Gilliam, dem Trickfilm-Mastermind der Pythons, zu sehen gewesen sein.

Do Not Adjust Your Set war eine halbstündige Sketchparade mit einem Ensemble, das außer den drei genannten späteren Pythons noch aus Denise Coffey und David Jason bestand. Gezeigt wurde eine bunt (naja, eher schwarzweiß) zusammengewürfelte Mischung aus Sketchen aller Art, wobei man eigentlich nie merkt, dass dieses Programm sich an jugendliche Zuschauer wenden sollte. Einige der Gags könnten problemlos auch im Flying Circus laufen (ein Teil des Materials wurde später auch tatsächlich von den Pythons recycelt). Als konstantes Element gibt es in jeder Folge einen relativ langen Einspieler mit den Abenteuern von Captain Fantastic, einer recht witzigen Mischung aus Superheldenparodie und Stummfilm-Slapstick. Ebenfalls in jeder Folge dabei: die Bonzo Dog Doo-Dah Band mit wirklich sehr bizarren und schrägen Songs. Dass diese Performances einmal Teil eines Mainstream-Fernsehprogramms waren, ist schwer zu glauben. Aber in den späten Sechzigern ging dann eben doch so einiges, grade in England. Mein Fall sind die Bonzo-Songs ehrlich gesagt nicht.

Die Qualität der restlichen Sketche ist schwankend. Zum Teil gibt es sehr geniale und wirklich witzige, bei denen man die spätere Klasse von Monty Python bereits erahnen kann. Die extreme Respektlosigkeit gegenüber allem und jedem, die es im Flying Circus gab, ist hier aber noch nicht sehr ausgeprägt. Manche Sketche sind erstaunlich frisch geblieben und funktionieren immer noch hervorragend. Einem Teil des Materials merkt man dagegen durchaus an, dass es inzwischen ganz schön alt ist, außerdem fehlen natürlich die genialen Herren Cleese und Chapman.

Für Monty-Python-Fans, die schon alles haben, ist diese DVD ein Muss. Wer einfach mal witzige englische Unterhaltung sucht, ist wahrscheinlich mit aktuelleren Brit-Comedies besser bedient. Für mich war’s ein netter Einblick in die Urzeit der TV-Comedy (Wenn man bedenkt, dass hierzulande damals noch Heinz Erhardt und Rudi Carrell das höchste der Gefühle waren, dann ist DNAYS schon geradezu revolutionär), aber nichts, was mich besonders begeistert hätte. Ich hab dann auch nur die ersten vier Folgen geguckt und die geliehene DVD wieder abgegeben.