Auf DVD: Das Leben der Anderen

Dieser Donnersmarck mag ein unsympathischer FAZke sein, aber sein Film, der ja im letzten Jahr so ziemlich alle denkbaren Auszeichnungen abgeräumt hat, nötigt mir doch Respekt ab. Vor allem wenn man bedenkt, dass Das Leben der Anderen quasi der Debütfilm eines bis dahin unbekannten Nachwuchs-Regisseurs ist, der lange Jahre für dieses Projekt gefochten hat.

Der ganz große Pluspunkt des Films sind seine Schauspieler. Alle wichtigen Rollen sind top besetzt, wobei Ulrich Mühe nochmal alle überragt. Seine Darstellung des extrem pflichtbewussten, kalt handelnden Stasibeamten Gerd Wiesler, der sich in seine neue Aufgabe, die Rund-um-die-Uhr-Überwachung eines Schriftstellers, stürzt und nach einiger Zeit dann doch Zweifel an seinem Tun bekommt, hat wirklich jeden Preis verdient.

Florian Henckel von Donnersmarck schafft eine düstere Atmosphäre, zeigt die DDR als Überwachungsstaat, für den man kein bisschen Ostalgie empfinden möchte. Der Film beginnt direkt mit der vielleicht eindrucksvollsten Szene, in der Wiesler vor Stasi-Schülern doziert und ihnen beibringt, wie man Häftlinge zu Geständnissen bringt (und sich währenddessen auch Notizen macht, wenn einer kritisch nachfragt). Diese Härte, diese gespenstische Stimmung erreicht der Film später leider nicht mehr ganz.

Probleme habe ich ein bisschen mit der nicht ganz nachvollziehbaren Wende, mit Wieslers Wandlung vom Saulus zum Beinahe-Paulus, wenn er beginnt, passiven Widerstand zu leisten und sein Opfer zu schützen. Erstens geschieht es recht plötzlich und unmotiviert, zweitens gibt diese Wende der Geschichte einen unangenehmen Drall in Richtung „So schlimm war das alles gar nicht“. Einer der „Bösen“ wird mehr oder weniger zum Helden, und das nimmt der Story viel von ihrer potentiellen Wucht und gibt ihr stattdessen ein Quasi-Happy-End, das sie gar nicht gebraucht hätte.

Abgesehen davon funktioniert Das Leben der Anderen hervorragend als spannendes Drama, bei dem mitgefiebert und mitgelitten werden darf. Der ganze politisch-feuilletonistische Diskurs, der den Film begleitete, die Thesen von der Vergangeheitsbewältigung und vom Anti-Goodbye-Lenin, das spielt beim Anschauen des Films — zum Glück — keine Rolle.

 

Ein Gedanke zu „Auf DVD: Das Leben der Anderen

  1. Mitgefiebert und spannend passen für mich nicht wirklich zu diesem Film. Allzu vorhersehbar war die Wendung, welche der Film am Ende nahm. Und Donnersmarck wird durch diesen Film auch nicht sympathischer.

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