Auf DVD: Lucky Number Slevin

Slevin hat einen verdammt beschissenen Tag. Die Wohnung ist weg, die Freundin geht fremd, er wird überfallen und bekommt Prügel. Und gerade wenn er in der Wohnung eines Kumpels kurz durchatmen will, geht der Stress erst richtig los. Wider Willen gerät er in ein Dreieck der Interessen: Bei einem lokalen Verbrecherboss hat er angeblich Schulden, die er begleichen soll, indem er den Sohn des anderen lokalen Verbrecherbosses um die Ecke bringt. Jener wiederum will ebenfalls was von Slevin, nämlich einen Batzen Geld. Und dann ist da noch ein unbequemer Polizist, dem Slevins Auftreten auch nicht ganz geheuer ist.

Slevin, gespielt von Josh Hartnett, taumelt durch die Geschichte, ohne zu wissen, wie ihm geschieht. Anstatt sich zu weigern oder in völlige Verzweiflung über seine verfahrene Lage zu geraten, spielt er einfach mit, er lässt die Dinge geschehen. Wie sich jedoch später herausstellt, weiß Slevin tatsächlich sehr genau, was Sache ist, und am Ende hält er alle Fäden in der Hand.

Der Film bietet eine recht konventionelle Gangstergeschichte (mit ein paar parodistischen Elementen), die er aber unkonventionell verpackt. Nämlich mit all den hippen Zutaten, die sich Regisseur Paul McGuigan erkennbar bei seinen Vorbildern Quentin Tarantino, Guy Ritchie und Konsorten abgeguckt hat. Zeitsprünge, Farbfilter, Zeitlupen, Zeitraffer, stylishe Einstellungen, reichlich popkulturelle Referenzen, undsoweiter. Zugegeben, das ist im Jahr 2007 nicht mehr neu, hilft aber sehr dabei, eine Geschichte unterhaltsam zu machen, die viel weniger komplex und clever ist, als sie auf den ersten Blick erscheint.

Noch mehr verdankt der Film seiner exzellenten Besetzung. Josh Hartnett, von dem ich bisher nicht viel gehalten habe, fällt zumindest nicht negativ auf. Um ihn herum aber kommt ein Spitzen-Cast zum Einsatz: Morgan Freeman und Ben Kingsley als fiese Crimelords, Stanley Tucci als Polizist, Lucy Liu als süße Nachbarin und nicht zuletzt Bruce Willis als geheimnisvoller Fremder im Trenchcoat.

Lucky Number Slevin ist kein Meisterwerk, dafür hat er dann doch zu viele offensichtliche Schwächen (die Batz in seiner F5-Review ausführlich darlegt und dafür in den Kommentaren geprügelt wird). Seine Vorbilder erreicht McGuigan nicht. Unterm Strich ist das aber immer noch ein sehr unterhaltsamer Film, der es wirklich verdient gehabt hätte, ins Kino zu kommen und damit ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu erheischen. Stattdessen erschien er bei uns direkt auf DVD und ist damit ein weiteres Steinchen in einer immer länger werdenden Liste, die beweist, dass Direct-to-DVD heute kein Synonym für billige Trashfilme mehr sein muss.

 

3 Gedanken zu „Auf DVD: Lucky Number Slevin

  1. Schade das der nicht ins Kino gekommen ist.

    Leider gehen solche Filme an mir meist vorbei da ich einer der wenigen Cineasten ohne eigenständigen DVD-Player bin.

  2. Pingback: Lister Lichtspiele

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