Im Kino: Film Noir

Fantasy FilmfestDer Titel ist alles andere als subtil: Ja, Film Noir huldigt dem Genre des Film Noir, und er hat alles, was so ein Hard-Boiled-Krimi braucht: Schwarz-Weiß-Ästhetik, einen gebeutelten, aber trotzdem coolen Protagonisten, der als Ich-Erzähler auftritt, ein verregnetes L.A., und es wird viel geballert, geraucht und gevögelt. Und natürlich die obligatorischen Einstellungen mit den gestreiften Schatten von halb-offenen Jalousien.

Das besondere an Film Noir: Es handelt sich um einen Zeichentrickfilm, und einen Teil seines Reizes zieht der Film daraus, dass man hier Dinge sieht und Wörter hört, die man sonst in Trickfilmen (falls sie nicht aus Japan kommen) fast nie bekommt. Ein Reiz, der sich allerdings schnell erschöpfen würde, wenn die Geschichte uninteressant wäre. Die aber ist der Pluspunkt von Film Noir: Regisseur D. Jud Jones (ein Pseudonym, das er nur dieses eine Mal verwenden will, um sich nicht auf eine bestimmte Art Filme festlegen zu lassen) erzählt eine spannende Story von einem, der mit Amnesie neben einem erschossenen Polizisten erwacht und weder seine eigene Identität kennt noch den Grund, warum er hier ist. Er begibt sich auf die Suche nach sich selbst und seiner Vergangenheit und gerät dabei zum einen an eine Reihe sehr unangenehmer Zeitgenossen, die ihn gerne tot sehen möchten. Zum anderen an mehrere heiße Frauen, die auf der Stelle flachgelegt werden wollen. Das alles ist nicht sehr tiefgründig, funktioniert aber als ordentlicher Noir-Thriller.

Eher störend wirkt dagegen die Animation, die in einem Studio in Belgrad entstand: die Hintergründe wurden meist als Realfilm fotografiert und dann durch diverse Filter gejagt, was für eine gute und realistische Atmosphäre sorgen könnte. Die Figuren sind im klassischen 2-D-Stil gezeichnet und (vermutlich) am Rechner animiert worden, und hier beginnt das Problem: Jede, wirklich jede Bewegung wirkt vollkommen unnatürlich und roboterhaft (einen ganz guten Eindruck davon kann man schon im Trailer bekommen). Dass die Gesichtszüge der Figuren fast immer wie eingefroren aussehen, kommt erschwerend hinzu. So wirken die Charaktere seelenlos, und selbst die beste Synchronisiation könnte dieses Manko nicht ausgleichen.

Schade, denn die missglückte Animation schwächt einen Film, der an sich eine sympathische Hommage an ein Genre ist. Andere haben das einfach besser gemacht, auch in gezeichneter Form, wenn auch nicht als Film, sondern als Comic. Frank Millers Sin City (von dem Jones auch die Idee mit dem Einsatz von bunten Farbtupfern geklaut hat) schlägt in eine ganz ähnliche Kerbe, ist dabei allerdings härter, rauher und kompromissloser.

Torsten Devi Dewi bringt es in seiner Kritik auf den Punkt:

„Film Noir“ nutzt auch die Möglichkeiten des Trickfilms an keiner Stelle. Die Erzählweise ist extrem konservativ, und auch visuell wird nichts herausgekitzelt, was man nicht auch hätte real verfilmen können. Das führt allerdings das ganze Vorhaben ad absurdum – wozu Trickfilm, wenn man dann doch lediglich auf die Mechanismen des Realfilms zurückgreift?

 

2 Gedanken zu „Im Kino: Film Noir

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