Donnerstag, 30.08.2007
Im Kino sehen:
Schwarze Schafe: Berliner Episodenfilm, vorrangig im Loser-Milieu spielend und auf eine sehr lässige Art witzig, glaube ich. Der Trailer ist eher ein Teaser und sagt nicht viel über den Inhalt, hier gibt’s dafür ein paar Ausschnitte.
Hallam Foe (Hallam Foe - this is my story): Sehr sympathisch aussehender Coming-Of-Age-Film mit Jamie “Billy Elliot” Bell als schottischer Junge mit Mutterkomplex. Garniert mit feinen britischen Gitarren auf dem Soundtrack.
28 Weeks Later: Das Sequel zum Schnelle-Zombies-Film von Danny Boyle, der diesmal nur noch als Produzent an Bord ist. Hierzulande mit mächtiger Verspätung (in 11 Tagen erscheint die DVD in England). Teil 1 gefiel mir sehr gut, die Fortsetzung scheint auch ganz gelungen zu sein. Die Untermalung des Trailers mit Musik von Muse kommt übrigens wirklich gut.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Hippie Masala (Hippie Masala - Für immer in Indien): Zwei Schweizer Dokumentarfilmer besuchen Althippies, die in den 60ern als Aussteiger nach Indien gingen und immer noch dort leben. Könnte interessant sein.
Sakuran (Sakuran - Wilde Kirschblüte): Japanisches Drama, angesiedelt zur Edo-Zeit, um eine Prostituierte, die aus dem Leben im Rotlichtbezirk zu entkommen versucht. Ausführliches Review im Japankino-Blog.
Franz + Polina: Russischer Film über die Liebe zwischen einem jungen deutschen Frontsoldaten im 2. Weltkrieg und einem russischen Mädchen.
Muss nicht sein:
Karger: Tristesse in Riesa, teilweise mit Laiendarstellern umgesetzt. Nicht mein Ding, hat aber sicher seine Qualitäten.
The Last Legion (Die letzte Legion): Etwas kruder Mix aus Artussage, Antikendrama und Fantasy-Abenteuer für Kids. Und die blaustichige Farbtönung passt irgendwie auch nicht so recht.
Kein Bund für’s Leben (DT): Hilfe, eine Bundeswehrkomödie. Wegtreten.
License to Wed (Lizenz zum Heiraten): Nochmal Hilfe. Hochzeits-Comedy mit Robin Williams als Pfarrer, der Ehevorbereitungsseminare abhält. Stolze 8% auf dem Tomatometer
Dienstag, 28.08.2007

Sofia Coppola verfilmt das Leben von Marie Antoinette. Und zwar mit ganz viel Rosa und Plüsch. Und mit Pop! Mit einem Soundtrack aus New-Wave-Songs! Das wird toll, habe ich gedacht, das wird ein überkandideltes Bonbon-Spektakel, ein campy Kostümfilm. Aber Frau Coppola scheint sich nicht recht getraut zu haben.
Im Grunde gibt es im Film nur eine Szene, die wirklich so poppig aussieht: eine flott geschnittene Sequenz, in der sich Mariechen und ihre Zofen dem Rausch von zuckrigem Backwerk sowie Schuh- und Klamottenkauf hingeben, zum Song “I Want Candy” von Bow Wow Wow.
Ansonsten ist der Film fast durchgehend ein ziemlich konventionell gemachter Historienfilm, der sich müht, das Versailles der letzten Jahre vor der Revolution möglichst akkurat darzustellen. Das gelingt auch wunderbar, dank aufwendiger Kostüme und der Original-Kulisse von Versailles. Nur ist es eben nicht der visuell und stilistisch aufregende Film geworden, den der Trailer erwarten ließ.
Das Drehbuch konzentriert sich ganz auf die Figur der Marie Antoinette, die mit nur 14 Jahren als Tochter des österreichischen Kaisers aus politischen Gründen mit dem französischen Thronfolger, dem späteren Louis XVI., verheiratet wird, und von da an im Grunde nur eine Aufgabe hat: ein Kind bekommen, möglichst einen Jungen. Was nicht so leicht ist, wenn der Ehemann an Sex mit seiner Frau ungefähr so viel Interesse hat wie ich an den Benzinpreisen in Turkmenistan. Sofia Coppola gelingt es ganz gut, darzustellen, wie fremd und verloren sich dieses Mädchen aus Österreich am französischen Hof gefühlt haben muss, und wie befreiend ihre Spleens (wie z.B. ihr Modefimmel oder das kleine Hobbitdorf, das sie in Versailles anlegen ließ) für sie wohl waren. Auch gelingt es dem Film, das historisch wohl recht ungerechte Bild geradezurücken, das auf ihr angebliches Zitat zurückgeht, wenn das Volk kein Brot hätte, solle es halt Kuchen essen.
Als geradliniger Historienfilm ist der Film also gelungen, nur sind dann wiederum die halbherzigen Aufpepp-Versuche störend, die auf halbem Wege stehen bleiben. Sie finden fast nur auf der Ebene des Soundtracks statt, aber auch dort nicht konsequent genug.
Auf der DVD findet sich ein kleines Extra, das andeutet, was Marie Antoinette hätte werden können, wenn sich Sofia Coppola was getraut hätte: Jason Schwartzman als Louis XVI. führt ein Filmteam durch sein Schloss — und zwar im Stil der MTV-Homestory-Serie Cribs. Stolz präsentiert Louis seine Räumlichkeiten und führt sich auf wie ein Goldkettchen tragender Rapper, der seine vier Swimmingpools und drei Billardtische herzeigt. Herrlich.
Es ist wahrscheinlich 20 Jahre her, dass ich mal Sissi gesehen habe. Aber ich glaub, der war besser. Und jetzt stell ich mir vor, wie Marie Antoinette geworden wäre, wenn Baz Luhrmann die Regie übernommen hätte…
Montag, 27.08.2007
Ulrich Thomsen in Adams Äpfel und Josh Homme von den Queens of the Stone Age
Montag, 27.08.2007
Harald Schmidt ist 50 und hat irgendwie keinen Bock mehr. Dittsche hat noch Sommerpause bis 4. November. Es gibt aber noch Hoffnung:
Krömer - Die internationale Show ab heute immer am sehr späten Montagabend im Ersten. Ick freu mir.
Freitag, 24.08.2007
Vielleicht mal im Fernsehen:
Knocked Up (Beim ersten Mal): Romantische Komödie, die, zumindest teilweise, auf die männliche Zielgruppe zugeschnitten wurde, anders als sonst in diesem Genre üblich. Super-Girl wird nach One-Night-Stand mit einem Nerd-Boy schwanger. Sieht eigentlich ganz charmant, wenn auch ganz bestimmt nicht tiefsinnig, aus.
Tu ya de hun shi (Tuyas Hochzeit): Der Sieger der Berlinale, eine Art Heimatfilm aus der Mongolei. Eine junge Frau sucht einen neuen Versorger, weil ihr Gatte nicht mehr arbeiten kann. Die Bewerber stehen Schlange, allerdings haben sie nicht damit gerechnet, dass sie nicht nur die Frau sondern auch ihren Ex-Mann versorgen sollen.
Gucha!: Ziemlich deftige Romeo-und-Julia-Liebesgeschichte aus Serbien vor dem Background eines riesigen Balkan-Blasmusik-Festivals. Pflicht für alle, die die Soundtracks der Kusturica-Filme lieben.
ostPunk! too much future: Gab es in der DDR eigentlich Punk? Diese Doku klärt auf.
Muss nicht sein:
Are we done yet? (Sind wir endlich fertig?): Ice Cube in einer Familien-Slapstick-Komödie auf unterstem Niveau. Mannmannmann.
Dienstag, 21.08.2007

New Orleans, ein Jahr nach Katrina: Ein Ausflugsschiff, besetzt mit über 500 Leuten, geht in die Luft. Mit einer gewaltigen Explosion und einem riesigen Feuerball. Herzlich willkommen bei Jerry Bruckheimer! Für den Thriller Déja Vu hat der Produzent zum wiederholten Mal Tony Scott als Regisseur engagiert (der ja immer etwas im Schatten seines Bruders Ridley steht, letztendlich wahrscheinlich zu recht).
Denzel Washington spielt Doug Carlin, der als Ermittler herausfinden soll, wer für die Schiffsexplosion verantwortlich ist. Als heiße Spur dient ihm dabei eine Frauenleiche, die ans Ufer gespült wurde, die aber eine Stunde vor der Explosion gestorben ist. Da trifft es sich doch gut, dass die Kollegen vom FBI gerade eine neue Technologie testen: Eine abgefahrene Extrem-Big-Brother-Überwachungstechnik, mit der der große Bruder nach Herzenslust in den Filmaufnahmen herumzoomen und -schwenken kann, extrem nahe heran kommt und sogar mithören kann. Aber: Man kann immer nur sehen, was genau 4 Tage und ein paar Stunden vorher passiert ist. Nichts älteres und nichts jüngeres. Weil nämlich: das Daten-Rendern dauert so lange und um alles zu speichern hat man keinen Speicherplatz.
Spätestens hier: lautes Prusten im Saal. Der Film, der sich zu Anfang solche Mühe gibt, sich in einem realistischen Background zu erden (New Orleans! Katrina!), macht die Biege in Richtung SciFi und präsentiert uns eine hanebüchene und unrealistische Supertechnik. Die Autoren müssen aber gemerkt haben, dass ihnen das keiner abnimmt, und weils eh schon egal ist, nimmt man gleich die nächste Kurve: Hey, das sind gar keine Überwachungskameras, sondern wir haben die Zeit gefaltet und können hier 4 Tage in die Vergangenheit gucken! Okaaayy…
Wird aber noch besser: Das Zielgebiet dieser irren Technik umfasst nur das Stadgebiet von New Orleans. Wenn man sehen will, was neulich außerhalb los war, braucht man einen DeLorean die Mobileinheit! Yeah, das ist ein cooler Helm, mit dem man in einem coolen Hummer rumfahren kann, was Ridley und Jerry die Gelegenheit gibt, endlich mal wieder ein paar coole Auto-Actionszenen auf dem Highway zu zeigen.
Was für ein Scheiß. Weil der Kopf des Zuschauers an dieser Stelle schon ganz wund vom An-die-Stirn-hauen ist, ist es ihm dann auch egal, wenn Denzelchen irgendwann nicht mehr nur in die Vergangenheit schauen, sondern gleich selber hinreisen will. Weil er nämlich die tote Frau so scharf findet, dass er sie gerne wieder lebendig hätte. Dass er damit in die hinlänglich bekannten Logikfallen aller Zeitreise-Geschichten tritt, ist wohl unvermeidlich.
Positiv ist anzumerken, dass der Film ein paar gelungene Momente hat, in denen klar wird, dass sich die Vergangenheit gar nicht so leicht manipulieren lässt. Und auch die visuellen Spielereien, das Herumgezoome in den Überwachungsbildern, sehen ziemlich schick aus und sind nett anzusehen. Ansonsten aber ist Déja Vu ein kruder Mix aus solidem Standard-Krimi, unlogischer SciFi und unnötigen Action-Einlagen. Hier passt einfach nichts zusammen, es ist nicht stimmig. Und deshalb schreibt man eben “Aua!” wenn sich hier ein Cop in die Zeitmaschine setzt. Während man in anderen Filmen jederzeit akzeptiert, dass z.B. Männer in Strumpfhosen an Wolkenkratzern hochkrabbeln.
Montag, 20.08.2007

Adam ist Neonazi und frisch aus dem Knast entlassen. Zur Resozialisierung kommt er in ein kleines Nest zu einem Pfarrer, der auch einen arabischen Tankstellenräuber und einen fettleibigen Vergewaltiger betreut. In dieser kuriosen Männerrunde soll sich jeder ein bestimmtes Ziel setzen, und Adam beschließt, einen Apfelkuchen zu backen. Pastor Ivan (gespielt vom letzten Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen) ist ein Gutmensch, wie er im Buche steht. Selbst im ausgebufftesten Fiesling sieht er das Gute, und Jesu Lehre von der anderen Wange, die man dem Schläger hinhalten solle, hat er absolut verinnerlicht. Adam, der keineswegs so plump-blöd-braun ist, wie wir die rechten Skins gerne hätten, versucht hinter die Fassade des Pfarrers zu blicken und entdeckt: Ivan hat in seinem Leben schon so viel Schicksalsschläge erlitten, dass er das Böse vollständig aus seinem Leben zu verdrängen sucht.
In einem spannend inszenierten Psychoduell versucht Adam nun also, Ivan zu brechen und ihn zu zwingen, zu dem erlebten Leiden zu stehen. Und wie sich das gehört, stehen am Ende alle beide geläutert und als bessere Menschen da. Regisseur Anders Thomas Jensen bringt den Film genau zu jenem vorhersehbaren Feelgood-Ende, bei dem es schwerfällt, eine Träne zu unterdrücken. Auf dem Weg dorthin geht er jedoch sehr verschlungene und unerwartete Pfade, und das macht letztlich die Klasse von Adams æbler aus.
Wer hier nämlich eine skandinavische Feelgood-Comedy oder auch einen schwarzhumorige Sarkasmus-Parade erwartet, wird zwar bedient, aber nur teilweise. Zwischendurch fährt Jensen ziemlich schweres Geschütz auf und nimmt seine Figuren extrem hart ran. Laut auflachen kann man an diesen Stellen nicht, dazu ist die Story einfach zu böse. Bevor es zu bitter wird, wird dann aber doch meist ein makabrer Witz eingeflochten, der uns wieder aufatmen lässt.
Immer dann, wenn man meint, dem FIlm eine gewisse Stimmung zuordnen zu können, schlägt Adams æbler, der übrigens auch ein paar recht explizite Gewaltszenen enthält, einen Haken und geht anders weiter als gedacht. Seine Figuren sind weit mehr als die Klischeebilder, mit denen sie eingeführt werden und seiner Geschichte gelingt der Spagat von schwarzem Humor über Moralphilospohie bis hin zu sentimentalen Szenen. Absolut sehenswert!
Sonntag, 19.08.2007
Im Kino sehen:
Am Ende kommen Touristen: Regisseur Robert Thalheim holt das Thema Holocaust in die Gegenwart und erzählt von einem Zivi in der Gedenkstätte Auschwitz. Lief auch in Cannes. Sehenswert, glaub ich.
Fantastic Four - Rise of the Silver Surfer: Teil 1 fand ich ganz in Ordnung und dieser Silver Surfer macht mir auch Lust auf die Fortsetzung. Erwarte da natürlich kein Meisterwerk, sondern einfach ein solides Comic-Action-Ding.
Auf die DVD warten:
Reign Over Me (Die Liebe in mir): Mix aus Drama und Comedy um Post-9/11-Traumata. Könnte richtig gut werden. Und erzählt mir nicht mehr, dass Adam Sandler auch als Charakterdarsteller taugt. Wissen wir doch alle schon seit Punch-Drunk Love.
Vielleicht mal im Fernsehen:
Fata Morgana: Für deutsches Kino ziemlich ungewöhnliches Setting: Pärchen verirrt sich in der Wüste, wo seine Beziehung auf die Probe gestellt wird. Quasi die Umkehrung von Open Water. Und in Marie Zielcke bin ich sowieso seit Lammbock verliebt.
Perfect Creature: Vampir-Mystery aus Neuseeland. Looks like halbwegs solides B-Movie.
Ensemble, c’est tout (Zusammen ist man weniger allein): Franzacken-Beziehungsdings um eine ungewöhnliche WG mit u.a. Audrey “Amelie” Tautou.
Muss nicht sein:
Tan Lines: Skateboarder-Surfer-Film meets Schwulendrama.
Lauf der Dinge: Drei Deutsche auf der Flucht vor ihrem Leben treffen sich auf Ibiza. Statt eines Trailers gibt es hier die ersten paar Minuten des Films im Netz. Aus denen wird man aber nicht sehr schlau.
Rush Hour 3: Wer bitte braucht einen dritten Aufguss dieser Klopper-Comedy? Diesmal ergänzt mit allen Frankreich-Klischees, die in Hollywood noch rumlagen. Aber hey: Roman Polanski spielt mit!
Samstag, 18.08.2007
Ich habe beim Kueperpunk einen Film erraten und jetzt bin ich wieder dran. Diesmal assistiert von Freund und Bloggerkollege Hike, bei dem ich gerade sitze und aus dessen umfangreichem DVD-Regal ich mich jetzt bediene. Bitteschön: Welcher Film?

Foto Nr.2:

Und das dritte:

UPDATE: War eine etwas schwerere Geburt diesmal. Erraten hat’s der Kueperpunk: Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes mit Vincent Price. Um 22:15 geht’s dann dort weiter.
Die Übersicht über alle Stationen hat der emsige Dirk.