Im Kino: La Antena

Fantasy FilmfestIn einer surreal wirkenden Stadt, die leicht futuristisch, aber doch sehr altmodisch aussieht, leben Menschen, die keine Stimme mehr haben. Es ist vollkommen stumm in dieser Stadt. Die Menschen kommunizieren durch Lippenlesen, auch im Fernsehen wird nicht gesprochen. Dieses Fernsehen jedoch ist es, dass die Stadt kontrolliert und manipuliert. Der Senderchef, Mr. TV, hat die einzige Frau in seiner Gewalt, die noch eine Stimme hat — sie tritt als Sängerin im Programm auf. Als er erfährt, dass auch ihr Sohn über eine Stimme verfügt (dafür hat er allerdings keine Augen), unternimmt er alles um ihn — im Wortsinn — mundtot zu machen.

La Antena, ein argentinischer Film von Esteban Sapir, ist zuallererst eine tiefe Verbeugung vor der Stummfilmzeit. Wer Filme von Méliès, Murnau oder Fritz Lang kennt, wird hier einiges wiedererkennen. Die Tonspur besteht fast ausschließlich aus Musik, gedreht wurde in schwarz-weiß. Für die Dialoge hat sich Sapir ein wirkungsvolles Schmankerl ausgedacht: Die Dialogzeilen werden ins Bild eingeblendet, aber nicht starr an der immer gleichen Stelle, sondern dynamisch. Mal größer, mal kleiner, mal verzerrt, mal mit Bewegung. So erzielt er eine ähnliche Wirkung wie gezielt angeordnete Sprechblasen im Comic. Diese visuellen Besonderheiten machen einen großen Reiz von La Antena aus. Die Story kann da nicht ganz mithalten. Die Geschichte vom Widerstand einiger kleiner Leute gegen ein totalitäres System ist nicht allzu originell, hat ein paar Längen und ist stellenweise mit allzu platter Holzhammer-Symbolik überfrachtet.

Die originelle Optik hilft dem Film aber über seine Schwächen hinweg und macht den Film zu einem sehr besonderen Werk, irgendwo zwischen Kunstfilm und Genrekino. Ein surreales Retro-Märchen für Erwachsene. Der Trailer gibt einen Vorgeschmack:


(Direktantenne)