Im Kino: Free Jimmy

Fantasy FilmfestDrogen, Sex, Splatter und Vierbuchstabenwörter in einem Trickfilm? Außerhalb Japans extrem selten. Eine dänisch-britische Koproduktion schickt sich jetzt an, für die modernen 3-D-Animationsfilme das zu werden, was Ralph Bakshis Fritz the Cat für die Zeichentrickfilme war: eine Antithese zu Disney und zu der scheinbaren Gewissheit, dass Animiertes immer für die ganze Familie sein muss.

Free Jimmy erzählt vom Schicksal eines bemitleidenswerten Elefanten, der in einem russischen Wanderzirkus sein Dasein fristet, von seinen Wärtern mit Tabletten gefügig gemacht wurde und jetzt hochgradig abhängig von Aufputsch- bzw. Beruhigungsmitteln ist. Obendrein sind ein paar zwielichtige Gestalten auf die Idee gekommen, dass man in den Innereien des Elefanten doch prima Heroin schuggeln könnte. Wenn Elefant Jimmy dann von einer Gruppe militanter Öko-Aktivisten befreit wird, ist nicht sicher, ob das für ihn ein Grund zur Freude ist. Für Jimmy beginnt eine Odysee, bei der er nicht nur auf eine Gruppe abgefuckter Kiffer trifft, sondern auch auf die lappländische Mafia auf Motorrädern und auf eine Crew von geistig zurückgebliebenen Wilderern.

Was an sich ganz lustig klingt und auch noch mit dem klingenden Namen von Simon Pegg (verantwortlich für die englische Version des Skripts) beworben wird, stellt sich allerdings bald als ziemliche Enttäuschung heraus. Und das liegt (anders als neulich bei Film Noir) nicht an der Animation. Diese erreicht zwar nicht das Niveau von Pixar und Konsorten, sieht aber auch nicht amateurhaft oder billig aus. Was dem Film aber leider völlig fehlt, ist Charme. Nur an einer Stelle, und zwar ausgerechnet bei der wortlosen Begegnung zwischen Elefant Jimmy und einem Elch, wird der Film ein bisschen warmherzig und emotional.

Ansonsten bemüht sich der Film zwar ständig, provokant oder „böse“ zu wirken, ist dabei aber viel zu selten wirklich witzig. Free Jimmy macht sich permanent über seine Protagonisten lustig, die allesamt strunzdoofe Pappnasen oder hundsgemeine Arschlöcher sind. Sympathisch ist aber keiner von ihnen, mit Ausnahme von Dumbo Jimmy. Es ist, als ob man sie ständig mit ausgestrecktem Zeigefinger auslachen würde (vgl. Nelson Muntz). Eine Art von Humor, die sich sehr schnell erschöpft.

Free Jimmy mag genau das richtige für eine Clique dreizehnjähriger Jungs sein, die ihre Eltern mal mit einem „richtig krassen“ Trickfilm schocken wollen. Alle anderen bekommen aber in Filmen wie Shrek oder The Incredibles einen deutlich reiferen und tiefgründigeren Humor. Free Jimmy ist ein Versprechen, das nicht eingelöst wird. Abhaken, vergessen.