Auf DVD: Gib mich die Kirsche!

Der Untertitel „Die 1. deutsche Fußballrolle“ zeigt schon, wohin die Reise geht: Es handelt sich um eine Zusammenstellung von älteren Filmschnipseln aus den Archiven. Das gab es u.a. schon mit Werbung und Aufklärungsfilmen, die Ergebnisse waren jeweils lustig-bizarre Blicke in die bundesdeutsche (Medien-) Vergangenheit.

In Teilen trifft das auch auf Gib mich die Kirsche! zu. Oliver Gieth und Peter Hüls sammelten Ausschnitte zum Thema Fußball aus den 60er und 70er Jahren und fanden einige skurille Perlen. Wunderbar bizarr z.B. Sepp Maier, der sich in einem Biergarten den „Hippi-Hoppi-Partyfisch“ kredenzen lässt, oder Berti Vogts, der, vor einem geschmückten Weihnachtsbaum sitzend, seine Meinung zum Frauenfußball zum Besten gibt. Überhaupt finden sich im Film einige mehr oder weniger subtil frauenfeindliche Zitate, die heute undenkbar wären.

Gib mich die Kirsche! funktioniert prima als Zeitdokument, das die Stimmungen und Moden der 60er und 70er via Fußball sehr gut rüberbringt und sehr gut veranschaulichen, wie sehr sich der Profifußball seither gewandelt hat. Da dürfen auch mal ernste Töne angeschlagen werden, etwa wenn einige Hooligans zu Wort kommen, die man damals wahrscheinlich noch nicht so genannt hat.

Der Film will aber noch etwas mehr, scheinbar soll er gleichzeitig noch als Fußballhistorie dienen. Da gibt es dann lange Szenen, die den Bundesligaskandal von 1970/71 behandeln, und eine Handvoll WM-Spiele der deutschen Nationalelf werden ausführlich gezeigt. Kann man machen, allerdings sind das Bilder, die jeder Fußballinteressierte im Fernsehen schon dutzende Male gesehen hat und die für diesen Film abolut verzichtbar gewesen wären.

Auf einen Off-Kommentar hat man zum Glück verzichtet, es gibt lediglich eingeblendete Überschriften für die einzelnen Kapitel, in die der Film gegliedert ist. Diese Gliederung erschloss sich mir allerdings nicht so recht. Mal wird chronologisch vorgegangen, dann wieder thematisch, außerdem wechseln Gieth und Hüls recht unstrukturiert zwischen ernsthaftem und sehr lustigem Material, mal gibt es Bilder von bekannten Profis, dann wieder unvermittelt Szenen vom Bolzplatz nebenan, unterbrochen von Ausschnitten, in denen etwa Franz Beckenbauers Kunst am Ball in Zeitlupe abgefeiert wird.

Wenn man bedenkt, dass die Macher fast 10 Jahre an ihrem Film gearbeitet haben, bleibt eine gewisse Enttäuschung nicht aus. Das soll alles gewesen sein? Es hätte dem Film sicher gut getan, wenn man sich stärker fokussiert hätte. Eine 90minütige Skurillitätenparade oder eine ernsthafte Aufarbeitung der frühen Bundesliga-Geschichte hätte ich mir viel lieber angesehen als ein Mischmasch, das sich nie richtig entscheiden kann, worauf es hinauswill.

 

3 Gedanken zu „Auf DVD: Gib mich die Kirsche!

  1. wann kommt der erste abspann für münchen?

    Schon gesehen?

    München im Second Life: „Ohne Nackerte!“
    Ein Münchner bastelt wider allen Unkenrufen die bayerische Landeshauptstadt im Second Life nach. Vor allem kulturelle Events sollen dort stattfinden. Wir waren schon mal drin. Mit virtuellem Rundflug und Bildergalerie.

    http://www.sueddeutsche.de/muenchen/artikel/293/127092/

  2. Erklär mir mal, warum dieser Kommentar kein Spam ist. Ich verstehe nämlich nicht, was das mit dem besprochenen Film zu tun hat bzw. mit einem Abspann. Oder warum das sonstwie relevant sein soll.

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