Auf DVD: The Good German

Neulich schwärmte ich noch von einem Film, der das Look and Feel vergangener Kinozeiten haarklein imitierte. The Good German tut das auch, aber das Ergebnis ist nicht so überzeugend. Steven Soderbergh drehte einen Film, der so aussieht, als stamme er aus den 40er oder 50er Jahren, benutzte dafür angeblich auch Originalkameras aus dieser Zeit. Und tatsächlich, der Look wirkt authentisch, Soderbergh kriegt das beabsichtigte Noir-Feeling auf die Leinwand.

Die Geschichte allerdings bleibt auf eine merkwürdige Art egal. Es geht um die Situation im zerbombten Berlin, kurz nach Kriegsende. Churchill, Truman und Stalin treffen sich auf der Potsdamer Konferenz (Soderbergh zeigt das in nahtlos eingefügten Wochenschaubildern), und Jake Geismar (George Clooney) soll als Berichterstatter der US-Army davon berichten. Einige Jahre vorher war er schon einmal in Berlin und lernte dort die deutsche Lena Brandt (Kate Blanchett) kennen und lieben. Natürlich trifft er sie wieder, wird aber von ihr in ein Intrigenspiel eingespannt, bei dem es um ihren als tot geltenden Ehemann geht, den titelgebenden „guten Deutschen“, hinter dem irgendwie alle Siegermächte her sind.

Es ist schwer zu beschreiben, woran’s liegt, aber dieser Plot lässt einen ziemlich kalt. Ich jedenfalls habe sehr schnell das Interesse verloren. Es gibt eine Art Distanz zwischen dem Zuschauer und dem Film, die sehr groß bleibt und nie überbrückt wird. Vielleicht liegt es an den Schauspielern; es passt eben nicht richtig, wenn Hollywood-A-Stars wie Tobey Maguire in einem auf alt getrimmten Film auftreten.

Die moralischen Fragen, die der Film aufwirft, sind ganz interessant, aber weder originell noch neu. Gerade im deutschsprachigen Raum wurde die Frage nach der deutschen Kollektivschuld ja schon sehr oft in Film, Theater und Literatur verhandelt (was nicht heißen soll, dass man das Thema ad acta legen sollte). Unterm Strich bleibt deshalb ein Film, der vor allem als technische Fingerübung interessant ist. Soderbergh und seine Crew hatten sicher einen Riesenspaß mit diesem Retro-Projekt und auch für Hardcore-Cineasten und Filmhochschulseminare mag der Film ein hochinteressanter Stoff sein.

Und auch wenn’s in diesem Faill kein Meisterstück geworden ist: Ich find’s schon toll, wie dieser Soderbergh (und auch sein Kumpel Clooney) seinen Weg zwischen Blockbuster-Hollywood und Indie geht und immer wieder ganz eigene und eigenwillige Stoffe realisiert. So richtig enttäuscht hat er dabei selten, und ich bin schon gespannt auf seinen nächsten Film, das Che-Guevara-Biopic mit Benicio Del Toro und Franka Potente.

The Good German jedenfalls ist ein Film, wo das Bonusmaterial, ein Audio-Kommentar oder ein Making-Of wahrscheinlich interessanter wäre als der Film selbst. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die DVD auf jegliche Extras verzichtet. Schade drum.