Auf DVD: The Departed

Nein, The Departed ist weiß Gott kein schlechter Film. Es ist ein spannender Thriller mit einer ziemlich clever ausgedachten Grundkonstellation, die auch gut ausgeführt und ordentlich erzählt ist. Und er ist auch typisch Martin Scorsese, nur dass er diesmal die italienischen Mafiosi in New York durch die irischen Mafiosi in Boston ersetzt hat.

Dass Scorsese aber ausgerechnet für diesen Film seinen lange ersehnten Oscar bekommen hat, passt irgendwie nicht richtig. Denn erstens ist The Departed sicher nicht der beste Film seiner Karriere, zweitens ist und bleibt er ein Remake. Die Vorlage Infernal Affairs aus Hongkong erzählt die gleiche Geschichte (und keineswegs schlechter). Die amerikanische Adaption bleibt im Kern erstaunlich nahe am Original. Wenn ich jetzt Original und Remake vergleichen würde, käme ich wohl zu einem Punktsieg von Infernal Affairs (trockener, pointierter, ohne Ausschweifungen und vor allem kürzer). Aber lassen wir das mal weg (oder lassen es andere tun) und sehen es als neuen Film für ein neues Publikum.

Dann ist die Idee mit den beiden Maulwürfen (einer von den Guten schleicht sich undercover bei den Bösen ein und umgekehrt, und beide bekommen die Aufgabe, sich quasi selbst zu enttarnen) schon wieder viel zu genial, um sie nicht im Rahmen eines großen Hollywood-Genrefilms mit großen Hollywoodstars zu verwirklichen. Das Skript ist solide genug für ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel unter Gangstern, die hochkarätige Besetzung (Matt Damon, Leo DiCaprio, Mark Wahlberg) tut ihr übriges. Scorsese belegt dieses wohlschmeckende Filmsandwich mit einer Extraportion Mayonnaise, und Leute, die Mayonnaise mögen, finden das dann extrem lecker.

Die Mayo heißt in diesem Fall Jack Nicholson. Der darf sich als exzentrischer Gangsterboss austoben, darf den dämonischen, gefährlichen, unberechenbaren Crimelord geben, dass es eine wahre Pracht ist. Oder, je nach Sichtweise, so dass es wahnsinnig anstrengend und überkandidelt wirkt. Keine Frage, Nicholson ist hier in seinem Element, und es macht schon Spaß, ihm zuzusehen. Trotzdem hat mir sein Gegenpart auf der anderen Seite, Martin Sheen als Chef des Undercoverpolizisten DiCaprio, in seiner unaufdringlichen Art viel besser gefallen.

The Departed funktioniert ziemlich gut, solange man nicht weiter darüber nachdenkt und den Film einfach genießt. Fängt man hinterher an, über den von den Amis eingebauten küchenpsychologischen Pseudo-Tiefgang nachzudenken, oder über die missratene Dreiecks-Lovestory (die es im Original in dieser Form auch nicht gibt), dann macht The Departed plötzlich nicht mehr so viel Spaß.

 

2 Gedanken zu „Auf DVD: The Departed

  1. Nein Nein, der Film ist richtig spannend.
    Klasse und das Beste seit langem. Ok, ich habe das Original nicht gesehen. Ansonsten
    stimme ich deiner Bewertung voll zu.

    Eines noch: Die Handlung bei irischen Einwanderern und italienische Mafia anzusiedeln wirkt seltsam Altmodisch.

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