Auf DVD: Adams æbler (Adams Äpfel)

Adam ist Neonazi und frisch aus dem Knast entlassen. Zur Resozialisierung kommt er in ein kleines Nest zu einem Pfarrer, der auch einen arabischen Tankstellenräuber und einen fettleibigen Vergewaltiger betreut. In dieser kuriosen Männerrunde soll sich jeder ein bestimmtes Ziel setzen, und Adam beschließt, einen Apfelkuchen zu backen. Pastor Ivan (gespielt vom letzten Bond-Bösewicht Mads Mikkelsen) ist ein Gutmensch, wie er im Buche steht. Selbst im ausgebufftesten Fiesling sieht er das Gute, und Jesu Lehre von der anderen Wange, die man dem Schläger hinhalten solle, hat er absolut verinnerlicht. Adam, der keineswegs so plump-blöd-braun ist, wie wir die rechten Skins gerne hätten, versucht hinter die Fassade des Pfarrers zu blicken und entdeckt: Ivan hat in seinem Leben schon so viel Schicksalsschläge erlitten, dass er das Böse vollständig aus seinem Leben zu verdrängen sucht.

In einem spannend inszenierten Psychoduell versucht Adam nun also, Ivan zu brechen und ihn zu zwingen, zu dem erlebten Leiden zu stehen. Und wie sich das gehört, stehen am Ende alle beide geläutert und als bessere Menschen da. Regisseur Anders Thomas Jensen bringt den Film genau zu jenem vorhersehbaren Feelgood-Ende, bei dem es schwerfällt, eine Träne zu unterdrücken. Auf dem Weg dorthin geht er jedoch sehr verschlungene und unerwartete Pfade, und das macht letztlich die Klasse von Adams æbler aus.

Wer hier nämlich eine skandinavische Feelgood-Comedy oder auch einen schwarzhumorige Sarkasmus-Parade erwartet, wird zwar bedient, aber nur teilweise. Zwischendurch fährt Jensen ziemlich schweres Geschütz auf und nimmt seine Figuren extrem hart ran. Laut auflachen kann man an diesen Stellen nicht, dazu ist die Story einfach zu böse. Bevor es zu bitter wird, wird dann aber doch meist ein makabrer Witz eingeflochten, der uns wieder aufatmen lässt.

Immer dann, wenn man meint, dem FIlm eine gewisse Stimmung zuordnen zu können, schlägt Adams æbler, der übrigens auch ein paar recht explizite Gewaltszenen enthält, einen Haken und geht anders weiter als gedacht. Seine Figuren sind weit mehr als die Klischeebilder, mit denen sie eingeführt werden und seiner Geschichte gelingt der Spagat von schwarzem Humor über Moralphilospohie bis hin zu sentimentalen Szenen. Absolut sehenswert!

 

3 Gedanken zu „Auf DVD: Adams æbler (Adams Äpfel)

  1. Ja, meine Wenigkeit hat den Film sogar im Kino gesehen, vor langer Zeit. Die Dänen machen eh momentan die besten schwarzen Komödien, Adams Äpfel ist der beste Beweis. Die Engländer habens irgendwie verlernt.

  2. Respekt. Eine anständige Filmkritik ist eben eine, die einem erklärt, was man gerade nicht so genau gesehen hat.

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