Auf DVD: Déja Vu

New Orleans, ein Jahr nach Katrina: Ein Ausflugsschiff, besetzt mit über 500 Leuten, geht in die Luft. Mit einer gewaltigen Explosion und einem riesigen Feuerball. Herzlich willkommen bei Jerry Bruckheimer! Für den Thriller Déja Vu hat der Produzent zum wiederholten Mal Tony Scott als Regisseur engagiert (der ja immer etwas im Schatten seines Bruders Ridley steht, letztendlich wahrscheinlich zu recht).

Denzel Washington spielt Doug Carlin, der als Ermittler herausfinden soll, wer für die Schiffsexplosion verantwortlich ist. Als heiße Spur dient ihm dabei eine Frauenleiche, die ans Ufer gespült wurde, die aber eine Stunde vor der Explosion gestorben ist. Da trifft es sich doch gut, dass die Kollegen vom FBI gerade eine neue Technologie testen: Eine abgefahrene Extrem-Big-Brother-Überwachungstechnik, mit der der große Bruder nach Herzenslust in den Filmaufnahmen herumzoomen und -schwenken kann, extrem nahe heran kommt und sogar mithören kann. Aber: Man kann immer nur sehen, was genau 4 Tage und ein paar Stunden vorher passiert ist. Nichts älteres und nichts jüngeres. Weil nämlich: das Daten-Rendern dauert so lange und um alles zu speichern hat man keinen Speicherplatz.

Spätestens hier: lautes Prusten im Saal. Der Film, der sich zu Anfang solche Mühe gibt, sich in einem realistischen Background zu erden (New Orleans! Katrina!), macht die Biege in Richtung SciFi und präsentiert uns eine hanebüchene und unrealistische Supertechnik. Die Autoren müssen aber gemerkt haben, dass ihnen das keiner abnimmt, und weils eh schon egal ist, nimmt man gleich die nächste Kurve: Hey, das sind gar keine Überwachungskameras, sondern wir haben die Zeit gefaltet und können hier 4 Tage in die Vergangenheit gucken! Okaaayy…

Wird aber noch besser: Das Zielgebiet dieser irren Technik umfasst nur das Stadgebiet von New Orleans. Wenn man sehen will, was neulich außerhalb los war, braucht man einen DeLorean die Mobileinheit! Yeah, das ist ein cooler Helm, mit dem man in einem coolen Hummer rumfahren kann, was Ridley und Jerry die Gelegenheit gibt, endlich mal wieder ein paar coole Auto-Actionszenen auf dem Highway zu zeigen.

Was für ein Scheiß. Weil der Kopf des Zuschauers an dieser Stelle schon ganz wund vom An-die-Stirn-hauen ist, ist es ihm dann auch egal, wenn Denzelchen irgendwann nicht mehr nur in die Vergangenheit schauen, sondern gleich selber hinreisen will. Weil er nämlich die tote Frau so scharf findet, dass er sie gerne wieder lebendig hätte. Dass er damit in die hinlänglich bekannten Logikfallen aller Zeitreise-Geschichten tritt, ist wohl unvermeidlich.

Positiv ist anzumerken, dass der Film ein paar gelungene Momente hat, in denen klar wird, dass sich die Vergangenheit gar nicht so leicht manipulieren lässt. Und auch die visuellen Spielereien, das Herumgezoome in den Überwachungsbildern, sehen ziemlich schick aus und sind nett anzusehen. Ansonsten aber ist Déja Vu ein kruder Mix aus solidem Standard-Krimi, unlogischer SciFi und unnötigen Action-Einlagen. Hier passt einfach nichts zusammen, es ist nicht stimmig. Und deshalb schreibt man eben „Aua!“ wenn sich hier ein Cop in die Zeitmaschine setzt. Während man in anderen Filmen jederzeit akzeptiert, dass z.B. Männer in Strumpfhosen an Wolkenkratzern hochkrabbeln.

 

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