Archive for August, 2007

Trailerschau für Filmstarts vom 16.8.

Im Kino sehen:
Am Ende kommen Touristen: Regisseur Robert Thalheim holt das Thema Holocaust in die Gegenwart und erzählt von einem Zivi in der Gedenkstätte Auschwitz. Lief auch in Cannes. Sehenswert, glaub ich.

Fantastic Four – Rise of the Silver Surfer: Teil 1 fand ich ganz in Ordnung und dieser Silver Surfer macht mir auch Lust auf die Fortsetzung. Erwarte da natürlich kein Meisterwerk, sondern einfach ein solides Comic-Action-Ding.

Auf die DVD warten:
Reign Over Me (Die Liebe in mir): Mix aus Drama und Comedy um Post-9/11-Traumata. Könnte richtig gut werden. Und erzählt mir nicht mehr, dass Adam Sandler auch als Charakterdarsteller taugt. Wissen wir doch alle schon seit Punch-Drunk Love.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Fata Morgana: Für deutsches Kino ziemlich ungewöhnliches Setting: Pärchen verirrt sich in der Wüste, wo seine Beziehung auf die Probe gestellt wird. Quasi die Umkehrung von Open Water. Und in Marie Zielcke bin ich sowieso seit Lammbock verliebt.

Perfect Creature: Vampir-Mystery aus Neuseeland. Looks like halbwegs solides B-Movie.

Ensemble, c’est tout (Zusammen ist man weniger allein): Franzacken-Beziehungsdings um eine ungewöhnliche WG mit u.a. Audrey “Amelie” Tautou.

Muss nicht sein:
Tan Lines: Skateboarder-Surfer-Film meets Schwulendrama.

Lauf der Dinge: Drei Deutsche auf der Flucht vor ihrem Leben treffen sich auf Ibiza. Statt eines Trailers gibt es hier die ersten paar Minuten des Films im Netz. Aus denen wird man aber nicht sehr schlau.

Rush Hour 3: Wer bitte braucht einen dritten Aufguss dieser Klopper-Comedy? Diesmal ergänzt mit allen Frankreich-Klischees, die in Hollywood noch rumlagen. Aber hey: Roman Polanski spielt mit!

Filmrätsel Nummer Zweihundertundfünf

Ich habe beim Kueperpunk einen Film erraten und jetzt bin ich wieder dran. Diesmal assistiert von Freund und Bloggerkollege Hike, bei dem ich gerade sitze und aus dessen umfangreichem DVD-Regal ich mich jetzt bediene. Bitteschön: Welcher Film?

Foto Nr.2:

Und das dritte:

UPDATE: War eine etwas schwerere Geburt diesmal. Erraten hat’s der Kueperpunk: Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes mit Vincent Price. Um 22:15 geht’s dann dort weiter.

Die Übersicht über alle Stationen hat der emsige Dirk.

Pixelgold

Aliens (von FoldsFive)Animierte GIFs waren mal sehr populär auf Webseiten, so vor gefühlten 50 Jahren. Inzwischen sind sie fast nur noch in Werbebannern anzutreffen oder auf lustigen Familienhomepages, wo Irmtrud Müller-Hoffmann ihre Meerschweinchen vorstellt. Man kann aber anmierte GIFs auch für lustige Geek-Spielereien verwenden, so wie FoldsFive das tut. Aus bisher zehn Filmen hat er seine eigene Pixel-Kurzfassung in jeweils ein animiertes GIF gepackt. Exemplarisch findet ihr hier Aliens und nach dem Klick Back to the Future. Alle Filmchen in übersichtlicher und vergrößerter Form gibt’s im Pixelmash Theater.

(Sorry an alle, für die das ein uralter Hut ist. Ich kannt’s noch nicht.)
Mit einem Hat Tip an Björn.
Weiterlesen…

Mehmet Scholl sagt Servus

Dem Transparent kann ich mich anschließen. Ich kenne keinen Fußball-Fan, erst recht keinen Bayern-Fan, der Mehmet Scholl nicht gemocht hätte. Sein Abschiedsspiel gegen Barcelona war ein toller Schlusspunkt für eine Karriere, die nie die ganz großen Höhen erreicht hat, die möglich gewesen wären. Die Hidden Cameras, die zum Auftakt gespielt haben, habe ich leider verpasst, aber auch die restliche Musikbeschallung im Stadion war angenehm anders als üblich. The Ataris und Jet statt Kirmestechno, und in der Halbzeitpause die Sportfreunde Stiller mit einem, naja, Playback-Auftritt.

“Naja” war dann auch das Spiel. Das plätscherte so dahin und man merkte deutlich, dass man hier ein Freundschaftsspiel sah, bei dem kein Spieler sich oder dem anderen weh tun wollte. Immerhin: Ein Spiel mit weniger Fouls als das hier habe ich auch noch nie gesehen. Sowohl der FC Bayern als auch der FC Barcelona spielten sich hübsch im Mittelfeld die Bälle zu, allein Torszenen gab es wenig. Ein einziges Tor im ganzen Spiel (0:1 Messi) war dann doch arg wenig in einem insgesamt enttäuschenden Spiel. Die echten Höhepunkte in der zweiten Halbzeit waren Mehmet Scholls Ehrenrunde und der Auftritt eines (bekleideten) Flitzers, der es ziemlich lang schaffte, sich nicht fangen zu lassen.

Auf DVD: The Departed

Nein, The Departed ist weiß Gott kein schlechter Film. Es ist ein spannender Thriller mit einer ziemlich clever ausgedachten Grundkonstellation, die auch gut ausgeführt und ordentlich erzählt ist. Und er ist auch typisch Martin Scorsese, nur dass er diesmal die italienischen Mafiosi in New York durch die irischen Mafiosi in Boston ersetzt hat.

Dass Scorsese aber ausgerechnet für diesen Film seinen lange ersehnten Oscar bekommen hat, passt irgendwie nicht richtig. Denn erstens ist The Departed sicher nicht der beste Film seiner Karriere, zweitens ist und bleibt er ein Remake. Die Vorlage Infernal Affairs aus Hongkong erzählt die gleiche Geschichte (und keineswegs schlechter). Die amerikanische Adaption bleibt im Kern erstaunlich nahe am Original. Wenn ich jetzt Original und Remake vergleichen würde, käme ich wohl zu einem Punktsieg von Infernal Affairs (trockener, pointierter, ohne Ausschweifungen und vor allem kürzer). Aber lassen wir das mal weg (oder lassen es andere tun) und sehen es als neuen Film für ein neues Publikum.

Dann ist die Idee mit den beiden Maulwürfen (einer von den Guten schleicht sich undercover bei den Bösen ein und umgekehrt, und beide bekommen die Aufgabe, sich quasi selbst zu enttarnen) schon wieder viel zu genial, um sie nicht im Rahmen eines großen Hollywood-Genrefilms mit großen Hollywoodstars zu verwirklichen. Das Skript ist solide genug für ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel unter Gangstern, die hochkarätige Besetzung (Matt Damon, Leo DiCaprio, Mark Wahlberg) tut ihr übriges. Scorsese belegt dieses wohlschmeckende Filmsandwich mit einer Extraportion Mayonnaise, und Leute, die Mayonnaise mögen, finden das dann extrem lecker.

Die Mayo heißt in diesem Fall Jack Nicholson. Der darf sich als exzentrischer Gangsterboss austoben, darf den dämonischen, gefährlichen, unberechenbaren Crimelord geben, dass es eine wahre Pracht ist. Oder, je nach Sichtweise, so dass es wahnsinnig anstrengend und überkandidelt wirkt. Keine Frage, Nicholson ist hier in seinem Element, und es macht schon Spaß, ihm zuzusehen. Trotzdem hat mir sein Gegenpart auf der anderen Seite, Martin Sheen als Chef des Undercoverpolizisten DiCaprio, in seiner unaufdringlichen Art viel besser gefallen.

The Departed funktioniert ziemlich gut, solange man nicht weiter darüber nachdenkt und den Film einfach genießt. Fängt man hinterher an, über den von den Amis eingebauten küchenpsychologischen Pseudo-Tiefgang nachzudenken, oder über die missratene Dreiecks-Lovestory (die es im Original in dieser Form auch nicht gibt), dann macht The Departed plötzlich nicht mehr so viel Spaß.

Trailerschau für Filmstarts vom 9.8.

Auf die DVD warten:
Shut up & Sing (The Dixie Chicks: Shut up & Sing): Die Band an sich geht mir meilenweit am Anus vorbei, die Doku scheint aber eher darüber zu berichten, wie sich nach ihrer Kritik am Irak-Krieg in den Staaten eine extreme Anti-Dixie-Chicks-Stimmung aufbaute und die Band ihr Publikum in zwei Lager spaltete.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Reine Geschmacksache: Der tolle Edgar Selge als peinlicher Vertreter für peinliche Damenmode, der den Führerschein verliert und seinen Sohn als Chaffeur für seine Provinztingeleien engagiert. Könnte gut sein.

Ten Canoes (10 Kanus, 150 Speere und 3 Frauen): Ein Aborigine-Film, der wohl ein bisschen was von allem hat: Drama, Komödie, Lovestory. Mit etwas Glück ist das so toll wie der Inuit-Film Atanarjuat.

The Real Life of Angel Deverell (Angel – Ein Leben wie im Traum): Ich mag Francois Ozon ja ganz gerne und Charlotte Rampling noch viel lieber, aber das ist dann doch ein bisschen viel Pomp, Kitsch und Circumstance.

Niwe mung (Half Moon): Kurdischer Film, in dem ein Musiker zusammen mit seinen Söhnen zu einem Konzert in den Irak fahren will.

Muss nicht sein:
Slasher: Deutsche Independent-Produktion, die wohl ziemlich derb zur Sache geht und schon im Filmtitel nicht grade subtil ist. Das überraschendste daran dürfte sein, dass er es als (Semi-) Amateurfilm ins Kino geschafft hat.

The Last Mimzy (Mimzy – Meine Freundin aus der Zukunft): Akte X für Kinder?

I think I love my wife (Ich glaub, ich lieb meine Frau): Die Amis nennen das eine “sophisticated comedy”. Na, sonderlich anspruchsvoll sieht dieses Chris-Rock-Vehikel (Regie, Buch, Hauptrolle) eigentlich nicht aus. Verheirateter Mann langweilt sich in seiner Ehe und ist scharf auf all die jungen, schönen ledigen Frauen. Und es ist fast schon sonnenklar, wie’s ausgeht.

Evan Almighty (Evan Allmächtig): Steve Carell möchte man ja eigentlich mögen, aber das hier ist schrecklicher, braver Mainstream-Humor, in dem er als Noahs Nachfolger eine Arche bauen muss. Für Zehnjährige vielleicht ganz okay.

Auf DVD: The Good German

Neulich schwärmte ich noch von einem Film, der das Look and Feel vergangener Kinozeiten haarklein imitierte. The Good German tut das auch, aber das Ergebnis ist nicht so überzeugend. Steven Soderbergh drehte einen Film, der so aussieht, als stamme er aus den 40er oder 50er Jahren, benutzte dafür angeblich auch Originalkameras aus dieser Zeit. Und tatsächlich, der Look wirkt authentisch, Soderbergh kriegt das beabsichtigte Noir-Feeling auf die Leinwand.

Die Geschichte allerdings bleibt auf eine merkwürdige Art egal. Es geht um die Situation im zerbombten Berlin, kurz nach Kriegsende. Churchill, Truman und Stalin treffen sich auf der Potsdamer Konferenz (Soderbergh zeigt das in nahtlos eingefügten Wochenschaubildern), und Jake Geismar (George Clooney) soll als Berichterstatter der US-Army davon berichten. Einige Jahre vorher war er schon einmal in Berlin und lernte dort die deutsche Lena Brandt (Kate Blanchett) kennen und lieben. Natürlich trifft er sie wieder, wird aber von ihr in ein Intrigenspiel eingespannt, bei dem es um ihren als tot geltenden Ehemann geht, den titelgebenden “guten Deutschen”, hinter dem irgendwie alle Siegermächte her sind.

Es ist schwer zu beschreiben, woran’s liegt, aber dieser Plot lässt einen ziemlich kalt. Ich jedenfalls habe sehr schnell das Interesse verloren. Es gibt eine Art Distanz zwischen dem Zuschauer und dem Film, die sehr groß bleibt und nie überbrückt wird. Vielleicht liegt es an den Schauspielern; es passt eben nicht richtig, wenn Hollywood-A-Stars wie Tobey Maguire in einem auf alt getrimmten Film auftreten.

Die moralischen Fragen, die der Film aufwirft, sind ganz interessant, aber weder originell noch neu. Gerade im deutschsprachigen Raum wurde die Frage nach der deutschen Kollektivschuld ja schon sehr oft in Film, Theater und Literatur verhandelt (was nicht heißen soll, dass man das Thema ad acta legen sollte). Unterm Strich bleibt deshalb ein Film, der vor allem als technische Fingerübung interessant ist. Soderbergh und seine Crew hatten sicher einen Riesenspaß mit diesem Retro-Projekt und auch für Hardcore-Cineasten und Filmhochschulseminare mag der Film ein hochinteressanter Stoff sein.

Und auch wenn’s in diesem Faill kein Meisterstück geworden ist: Ich find’s schon toll, wie dieser Soderbergh (und auch sein Kumpel Clooney) seinen Weg zwischen Blockbuster-Hollywood und Indie geht und immer wieder ganz eigene und eigenwillige Stoffe realisiert. So richtig enttäuscht hat er dabei selten, und ich bin schon gespannt auf seinen nächsten Film, das Che-Guevara-Biopic mit Benicio Del Toro und Franka Potente.

The Good German jedenfalls ist ein Film, wo das Bonusmaterial, ein Audio-Kommentar oder ein Making-Of wahrscheinlich interessanter wäre als der Film selbst. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die DVD auf jegliche Extras verzichtet. Schade drum.

Gebloggte Fernsehtipps

Spielfilme im Fernsehen zu gucken, ist ja meistens nur die drittbeste Lösung. Versteckt im Nachtprogramm, ohne Originalton und, wenn’s auf den Privatsendern läuft, garniert mit Werbeunterbrechungen und schlimmerem Quatsch.

Trotzdem ist die gute alte Glotze immer wieder eine famose Fundgrube für Filmfreunde (Fünf Franken in die Alliterationenkasse). Weil man da immer wieder Gelegenheit bekommt, Lücken zu schließen, Verpasstes nachzuholen oder alte Bekannte wiederzutreffen. Und kostenlos schon bezahlt ist’s obendrein. Ich bin also durchaus dankbar, dass die Blogosphäre über ein paar Trüffelschweine verfügt, die sich regelmäßig die Mühe machen, das TV-Programm nach interessanten Hochlichtern zu durchforsten. Hier meine Favoriten:

cine:tv:plom
Christian Hellers Blog nur für Fernsehtipps, mit einem Eintrag für jeden TV-Tag, Ableger des ebenfalls empfehlenswerten cine:plom. Mit kurzen, extrem knackig formulierten Texten zu den rausgepickten Filmen. Super!

From Beyond
Einmal die Woche gibt Mr. Vincent Vega einen Ausblick auf die kommende Spielfilm-Fernseh-Woche. Ebenfalls kurz, prägnant und meinungsfreudig.

Die Fernseherin
schreibt ihre Empfehlungen mal für eine ganze Woche, dann wieder nur für einen Tag oder für ein Wochenende auf. Und beschränkt sich dabei nicht unbedingt auf Spielfilme.

Hab ich noch wen vergessen?

Meine TV-Empfehlung fürs Wochenende wäre übrigens der Start von The Shield auf Kabel 1. Bei Pro Sieben vor ‘ner Weile gnadenlos gefloppt, probiert man’s jetzt beim kleinen Bruder. Die Serie soll ja prima sein. Daumen drücken, damit’s hier nicht wieder so läuft wie bei den Sopranos.