Archive for September, 2007

Auf DVD: Renaissance

Im Kino lief Renaissance bei uns nicht, war aber immerhin das Centerpiece beim Fantasy Filmfest ’06. Fünf Jahre hat der Franzose Christian Volckman an diesem aufwendigen CGI-Film für Erwachsene gearbeitet. Die Bewegungen von Schauspielern wurden per Motion-Capturing eingefangen, die Hintergründe entstanden komplett am Rechner. Als Sprecher der englischsprachigen Version konnte man unter anderem Daniel Craig und Ian Holm gewinnen.

Der Film spielt im Paris des Jahres 2054. Der offensichtlich mächtigste Konzern in dieser Zukunft ist Avalon, ein Gentechnik-Unternehmen, das mit seinen Produkten das Altern der Menschen verlangsamt. Als eine junge Mitarbeiterin von Avalon plötzlich verschwindet, begibt sich der toughe Polizist Karas auf Spurensuche und merkt, das hinter den Kulissen eine Verschwörung im Gange ist.

Inhaltlich ist Renaissance Standard-Genre-Kost, fast alle Elemente der Geschichte kennt man schon irgendwoher, zudem sind die Figuren so stereotyp wie’s nur geht. Der Cop ist der schweigsame Loner, die große Firma ist böseböseböse und die geniale Wissenschaftlerin ist, wie im echten Leben, jung, blond und sexy. Die Dialoge sind leider ziemlich hölzern, aber immerhin ist die Story ganz solide erzählt und wird nie ärgerlich blöde.

Seine Pluspunkte holt sich Renaissance ohnehin woanders, nämlich beim Look. Dies ist ein Film, den man anschaut, weil er so aussieht, wie er aussieht. Ein computeranimierter Film in schwarz-weiß, und zwar in richtig schwarz und richtig weiß. Volckman benutzt extreme Kontraste, so dass kaum Grautöne bleiben und so entsteht eine ganz eigene Ästhetik. Natürlich muss hier das Wort “Noir” fallen, aber im Gegensatz zu anderen (Neo-) Noir-Filmen fehlt hier das Schmutzige und Kaputte, stattdessen könnte man hier fast von Hochglanz-Optik sprechen. Wenn da nicht soviel Schwarzflächen wären.

Besondere Sorgfalt verwendete man auch auf die Stadtansichten des futuristischen Paris. Die Kamerafahrten über moderne (und gleichzeitig klassisch wirkende) Architektur und das Spiel mit gläsernen Böden, die man an einigen Pariser Plätzen eingezogen hat, zählen zu den Höhepunkten des Films. Visuell also durchaus ein kleines Schmankerl, bei dem leider die Story nicht ganz mithalten kann.

Wer Filme auf Papier mag, kann sich auch die Renaissance-Graphic-Novel kaufen, einen aus Filmbildern zusammengestellten Comic (deutsch bei Cross Cult). Ich liebe Comics, halte aber von dieser Art der Comic-Adaption rein gar nichts.

Trailerschau für Filmstarts vom 27.9.

Im Kino sehen:
Auf der anderen Seite: Fatih Akins neuer Film, der Kritiker-Liebling der Saison und deutscher Kandidat für den Auslands-Oscar. Episodenfilm über Tod und Trauer zwischen Bremen und Istanbul. Dürfte sich lohnen.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Leroy: Komödie über einen jungen Afrodeutschen, der sich in ein Mädchen verliebt, deren Brüder Neonazis sind. Leider mit arg vielen Klischees (musste das Mädel wirklich Eva Braun heißen?), aber auch netten Bezügen zur Blaxplotation. Sehr hübscher Domainname übrigens! Den Kurzfilm, auf dem Leroy basiert, und der womöglich die bessere Wahl ist, gibt’s hier.

The Brave One (Die Fremde in dir): Selbstjustiz-Thriller mit Jodie Foster auf Rachefeldzug.

Muss nicht sein:
Iklimler – Climates (Iklimler – Jahreszeiten): Arthaus-Kino aus der Türkei. Schön, dass es sowas gibt. Mir schlafen da halt nur immer die Füße ein.

Resident Evil: Extinction: Videospielverfilmung mit Zombies, Teil 3. Wieder mit Milla Jovovich, diesmal in den sandigen Ruinen von Las Vegas. Wer’s braucht…

I Now Pronounce You Chuck and Larry (Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme): Comedy mit Adam Sandler, Kevin “King of Queens” James und Jessica Biel’s butt. Hier soll man über zwei Männer lachen, die eine Homo-Scheinehe eingegangen sind, obwohl sie völlig hetero sind. Harm- und belanglos.

Kruistocht in spijkerbroek (Kreuzzug in Jeans): Jugend-Fantasy aus Holland: Ein Junge reist per Zeitmaschine ins Mittelalter und landet samt iPod mitten im Kinderkreuzzug. Emily Watson spielt auch mit.

Bilderrätsel (2)

Ich hatte nochmal Lust auf ein Bilderrätsel. Vorsicht: Es ist wie letztes Mal wieder ziemlich albern, dafür vielleicht einen Tick schwerer. Denkt ein bisschen um die Ecke.

Die Frage lautet auch hier wieder: Welcher Film?

(Fotos: mihimaru, xamonster, _Jer_, alle CC)

“Full Metal Village” bei Arte

Naja, fast. Arte zeigt morgen (Donnerstag, 27.9. um 22.35 Uhr) und dann nochmal am Samstagmorgen um 8:45 die Doku Blasmusik trifft Heavy Metal. Hierbei handelt es sich um eine auf 52 Minuten gekürzte Fassung des wunderbaren Full Metal Village, der im Frühjahr im Kino lief. Regisseurin Sung-Hyung Cho läuft bei Arte unter dem Pseudonym Suzy Wong.

Bei der Kurzfassung wird sicher einiges verloren gehen, was den Film im Kino ausmachte (v.a. die ausgeprägte Langsamkeit und Ruhe, mit der das Dorfleben in Wacken porträtiert wird), aber ich empfehle das trotzdem mal. Eine DVD-Veröffentlichung der Langfassung ist in Vorbereitung, aber noch nicht erschienen.

München 7 vs. The Shield

Am Sonntag landete ich zufällig in der ersten Folge der Polizei-Serie München 7, die im Bayerischen Fernsehen gerade wiederholt wird (Sonntags, 21.15). Wurde oft gelobt und die paar Folgen, die ich bei der Erstausstrahlung gesehen hatte, fand ich auch ganz nett. Und “ganz nett” ist leider auch das Problem der Serie. Man will München 7 wirklich mögen. Sympathisches Setting: eine Polizeinspektion zwischen Hofbräuhaus und Viktualienmarkt (gibt’s auch in Wirklich, gleich um die Ecke vom Atomic Cafe). Sympathische Figuren und Schauspieler, die alle ein gepflegtes, nicht übertriebenes Münchnerisch sprechen. Sympathische, allerdings leicht unglaubwürdige Geschichten (z.B. in der ersten Folge die vom Selbstmörder auf dem Rathaus-Glockenspiel). Und natürlich eine fette Portion Lokalkolorit, der sich, verglichen mit anderen Bavarica im Fernsehen, relativ echt anfühlt. Nicht zu vergessen der tolle Soundtrack von G. Rag Y Los Hermanos Patchekos, die eine Art bayerischen Indie-Folk pflegen.

München 7 ist also durchaus sehenswert, zählt mit Sicherheit zu den besten BR-Serien der letzten Jahre und ist dem überhypten Münchner Tatort jederzeit vorzuziehen. Ein Problem habe ich allerdings mit der Serie: ihr behäbiges Tempo. Man könnte den Erzählstil als “gemütlich” bezeichnen, ich finde ihn extrem schwerfällig, schleppend, bräsig. Eine Langatmigkeit, die in einem Krimi (was München 7 letzlich ja doch irgendwie ist) einfach nicht passen will. Ein Franz Xaver Bogner ist halt kein Kaurismäki.

So richtig klar wurde mir das, als ich mir direkt im Anschluss eine Folge The Shield genehmigte. Denn hier passiert in 10 Minuten mehr als in einer Stunde München 7. Zugegeben, das ist ein saublöder und unfairer Vergleich: München ist nicht L.A., der Bayerische Rundfunk ist nicht Fox, Ansatz und Zielgruppe beider Serien sind völlig unterschiedlich. Aber immerhin geht’s in beiden Reihen um den (vermeintlichen) Alltag auf einem großstädtischen Polizeirevier, und da hat The Shield einfach mehrere Nasen vorn. Gar nicht mal so sehr beim vordergründigen Hauptplot (der war in der gesehenen Folge auch eher schwach, es ging um einen Rapper-Bandenkrieg), sondern vor allem beim Erzählstil: hier werden sehr geschickt verschiedene Handlungsstränge verwoben – kurze, die innerhalb einer Folge abgeschlossen sind, und längerfristige, die sich durch die Serie ziehen. Das geschieht in einem hohen Tempo, garniert mit dem ein oder anderen Plottwist, und führt dazu, dass sich eine Folge The Shield sehr dicht anfühlt.

Bleibt zu hoffen, dass die miesen Quoten, die Kabel 1 mit The Shield derzeit einfährt, nicht gleich wieder zur Absetzung führen. Es wäre ein Verlust.

Trailerschau für Filmstarts vom 20.9.

Im Kino sehen:
Dnevnoi Dozor (Wächter des Tages): Will ich sehen. Teil 1 war zwar ein frech zusammengeklautes Fantasy-Amalgam, aber ein sehr unterhaltsames in einem feinen Look. Hat einer von euch zufällig die Bücher gelesen und kann zu- oder abraten?

Auf die DVD warten:
Shoot ‘Em Up: Adrenalin und Testosteron auf Volume 11, mit Clive Owen als Held und Paul Giamatti als Fiesemöpp. Vermutlich der Ballerporno des Jahres. Und im Ergebnis entweder großartig oder völlig unerträglich. Ideal für einen Jungsabend.

Deichking: Sympathischer Low-Budget-Quatsch aus dem hohen Norden. Und dort läuft er vorläufig auch fast ausschließlich.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Disturbia: Thriller, der sich sein Grundgerüst bei Hitchcocks Rear Window klaut und ansonsten weder furchtbar gut noch furchtbar blöd ausschaut.

Muss nicht sein:
Der kleine König Macius: Kinder an die Macht. Zeichentrick-Verfilmung eines Kinderbuchs von Janusz Korczak.

Gordos Reise ans Ende der Welt: Noch was für die Kleinen: Hundeabenteuer in Argentinien, erzählt von Peter Lustig.

Bab’Aziz (Bab’Aziz – Der Tanz des Windes): Orientalisch-mystisches Märchen aus Tunesien. Oft artet sowas ja schnell in Folklore-Kitsch aus.

Ghosts of Cité Soleil: Dokudrama über zwei Brüder, die Anführer zweier Jugendgangs in Haiti sind und Rapper werden wollen. Produziert von Wyclef Jean, und mit Hip-Hop-Sounds und “cooler” Ästhetik aufgepeppt. Hmm.

Hamburger Lektionen: Experimentelles Kino für Leute mit Sitzfleisch: Manfred Zapatka trägt vor, was der Imam Mohammed Fazazi in seiner Hamburger Moschee bei seinen Lektionen lehrte. Romuald Karmakar filmt. Eine Art Sequel zu seinem Himmler-Projekt.

Ein fliehendes Pferd: Martin-Walser-Romanverfilmung. Von und mit und für Menschen in der Midlife-Crisis. Da hab ich noch etwas Zeit.

The Brothers Solomon (Die Solomon-Brüder): Zwei in Deutschland unbekannte Comedians als Brüder, die keine Frau abbekommen , aber unbedingt ein Kind wollen. Der Trailer ist an keiner Stelle witzig.

Trailerschau für Filmstarts vom 13.9.

Auf die DVD warten:
The Lookout (Die Regeln der Gewalt): Ein Typ, der sein Langzeitgedächtnis verloren hat, wird als Spielball für einen Bankraub benutzt. Sieht nach einem soliden Thriller aus.

Surf’s Up (Könige der Wellen): Pinguine sind zur Zeit das große Ding in Hollywood. Hier also ein Animationsfilm, diesmal nicht mit singenden, sondern mit surfenden Pinguinen. Großer Pluspunkt: Das Ding ist als Mockumentary inszeniert, und das könnte den Film interessant machen.

Vielleicht mal im Fernsehen:
1408 (Zimmer 1408): Klassischer Spuk-Grusel nach Stephen King: John Cusack als Autor, der sich in einem Hotelzimmer einquartiert, in dem es angeblich schon dutzende von Todesfällen gab.

Yella: Der neue Film von Christian Petzold, anspruchsvolles Gegenwartskino a.k.a. Berliner Schule. Ist halt eher was anstrengendes.

A Mighty Heart (Ein mutiger Weg): Film über Daniel Pearl, den Journalisten, der 2002 von pakistanischen Islamisten vor laufender Kamera geköpft wurde. Mit einer Angelina Jolie, die ich erst gar nicht erkannt habe. Ein bisschen schmeckt der Trailer nach allzu pathetischem Drama, aber Regisseur Michael Winterbottom traue ich zu, dass dem nicht so sein wird.

Salvador (Salvador – Kampf um die Freiheit): Halb-Spanier Daniel Brühl in einem spanischen Film als katalanischer Freiheitskämpfer während der Franco-Diktatur, der hingerichtet wurde.

Sisters in Law: Doku über zwei Juristinnen in Kamerun, die gegen Missbrauch und für Frauenrechte kämpfen.

The Real Dirt on Farmer John (Mit Mistgabel und Federboa – Farmer John): Preisgekrönte Doku über einen etwas anderen Bio-Bauer.

Death Sentence (Death Sentence – Todesurteil): Der neue Film vom Saw-Erfinder, diesmal ein Thriller mit Kevin Bacon, der den Mörder seines Sohnes tot sehen will. Ich habe so meine Probleme mit dem Selbstjustiz-Thema. Aber John Goodman als Waffenhändler sieht hier mal so richtig geil aus.

Muss nicht sein:
Paulas Geheimnis: Kinderkrimi mit Jürgen Vogel.

No Reservations (Rezept zum Verlieben): Bitte gehen Sie in Ihre Videothek und leihen Bella Martha aus. Ehrlich.

Tödliche Verbindungen: Bayerischer Krimi, basierend auf einem Bad Tölzer Mordfall in den 70er Jahren. Ich kann mir nicht helfen, aber das wirkt schon ziemlich amateurhaft und billig. Läuft erstmal nur in bayerischen Kinos. Ottfried Fischer wirkt übrigens auch mit. Als Synchronsprecher eines Kindes.

Heute bleibt die Küche kalt

Hier hatte ich ja noch großspurig versprochen, während meines Urlaubs vorgekochten Content zu liefern. Habe mich aber etwas verzettelt, so dass die geplanten neuen Folgen der Lichtspielreklame jetzt bis nach dem Urlaub warten müssen.

In der Zwischenzeit könnt ihr ja das laaange Interview mit David Lloyd, dem Zeichner des großen Comic-Klassikers V for Vendetta, lesen, das ich mit Agitpopper Björn für Comicgate geführt habe und das jetzt auch endlich online ist (was auch der Grund dafür ist, dass ich das Vorkochen nicht geschafft habe).