München 7 vs. The Shield

Am Sonntag landete ich zufällig in der ersten Folge der Polizei-Serie München 7, die im Bayerischen Fernsehen gerade wiederholt wird (Sonntags, 21.15). Wurde oft gelobt und die paar Folgen, die ich bei der Erstausstrahlung gesehen hatte, fand ich auch ganz nett. Und „ganz nett“ ist leider auch das Problem der Serie. Man will München 7 wirklich mögen. Sympathisches Setting: eine Polizeinspektion zwischen Hofbräuhaus und Viktualienmarkt (gibt’s auch in Wirklich, gleich um die Ecke vom Atomic Cafe). Sympathische Figuren und Schauspieler, die alle ein gepflegtes, nicht übertriebenes Münchnerisch sprechen. Sympathische, allerdings leicht unglaubwürdige Geschichten (z.B. in der ersten Folge die vom Selbstmörder auf dem Rathaus-Glockenspiel). Und natürlich eine fette Portion Lokalkolorit, der sich, verglichen mit anderen Bavarica im Fernsehen, relativ echt anfühlt. Nicht zu vergessen der tolle Soundtrack von G. Rag Y Los Hermanos Patchekos, die eine Art bayerischen Indie-Folk pflegen.

München 7 ist also durchaus sehenswert, zählt mit Sicherheit zu den besten BR-Serien der letzten Jahre und ist dem überhypten Münchner Tatort jederzeit vorzuziehen. Ein Problem habe ich allerdings mit der Serie: ihr behäbiges Tempo. Man könnte den Erzählstil als „gemütlich“ bezeichnen, ich finde ihn extrem schwerfällig, schleppend, bräsig. Eine Langatmigkeit, die in einem Krimi (was München 7 letzlich ja doch irgendwie ist) einfach nicht passen will. Ein Franz Xaver Bogner ist halt kein Kaurismäki.

So richtig klar wurde mir das, als ich mir direkt im Anschluss eine Folge The Shield genehmigte. Denn hier passiert in 10 Minuten mehr als in einer Stunde München 7. Zugegeben, das ist ein saublöder und unfairer Vergleich: München ist nicht L.A., der Bayerische Rundfunk ist nicht Fox, Ansatz und Zielgruppe beider Serien sind völlig unterschiedlich. Aber immerhin geht’s in beiden Reihen um den (vermeintlichen) Alltag auf einem großstädtischen Polizeirevier, und da hat The Shield einfach mehrere Nasen vorn. Gar nicht mal so sehr beim vordergründigen Hauptplot (der war in der gesehenen Folge auch eher schwach, es ging um einen Rapper-Bandenkrieg), sondern vor allem beim Erzählstil: hier werden sehr geschickt verschiedene Handlungsstränge verwoben – kurze, die innerhalb einer Folge abgeschlossen sind, und längerfristige, die sich durch die Serie ziehen. Das geschieht in einem hohen Tempo, garniert mit dem ein oder anderen Plottwist, und führt dazu, dass sich eine Folge The Shield sehr dicht anfühlt.

Bleibt zu hoffen, dass die miesen Quoten, die Kabel 1 mit The Shield derzeit einfährt, nicht gleich wieder zur Absetzung führen. Es wäre ein Verlust.

 

3 Gedanken zu „München 7 vs. The Shield

  1. Wichtiger als Kabel1 wäre für The Shield, dass die DVD-Verkäufe gut laufen. Ist zwar nicht von HBO, gewinnt aber stark wenn man immer gleich ein paar Folgen am Stück sehen kann. Besonders in den späteren Staffeln, wenn die Handlungsstränge komplexer werden.

  2. Der Münchner Tatort überhypt?
    Tztztz…
    Also ich komme aus Hamburg, lehne Tatort eigentlich ab, aber die Münchner finde ich jedes Mal großartig! Kein Betroffenheitsschmand wie bei fast allen anderen Ermittlerteams und kein Möchtegern-Schwarzer Humor wie bei den Münsteranern. Besonders die Folge „Ein mörderisches Märchen“ ist genialstens!

    Die Münchner sind mit den Berlinern zusammen eindeutig am Besten!

  3. München 7 ist kein Krimi. Es ist eine Mileau-Aufnahme in einem ganz altmodischen Erzählstil. Ich fand die Serie großartig!

Kommentare sind geschlossen.