Auf DVD: Ein Freund von mir

Karl ist ein beruflich erfolgreicher Schlipsträger bei einer Versicherung, die Karriere kommt ins Rollen. Nur beim Teamwork klappt es nicht so richtig, denn Karl ist extrem verschlossen und zurückhaltend. Ein Eigenbrötler, der weder Freunde noch eine Freundin hat. Um ihn aus der Reserve zu locken, schickt ihn sein Chef auf eine ungewöhnliche Mission: Er soll einen Tag lang als Aushilfe bei einer Autovermietung am Flughafen arbeiten, wo er dafür zuständig ist, Mietwägen von A nach B zu überführen. Beim Vorstellungsgespräch lernt er Hans kennen, und der ist das genaue Gegenteil von Karl: Impulsiv, extrovertiert, eine Labertasche mit dem Kopf voller Blödsinn, ein großes Kind.

Aus irgendeinem Grund interessiert sich dieser Hans für Karl und nach anfänglichem Zögern lässt sich Karl auch darauf ein. Es entsteht eine Freundschaft zwischen diesen grundverschiedenen Typen, und wie sich das gehört, wird am Ende jeder vom anderen etwas gelernt haben.

Eine Frau ist auch im Spiel, und somit auch eine Dreiecksgeschichte, was der Film aber nicht ausspielt und eher zu einem interessanten Nebenaspekt der Geschichte macht. Im Kern geht es um eine Freundschaft zwischen zwei jungen Männern.

Regisseur und Autor Sebastian Schipper hat vor ein paar Jahren den wunderbaren Coming-of-Age-Film Absolute Giganten gemacht, der es schaffte, ein Lebensgefühl auf die Leinwand zu bringen und dabei bestens zu unterhalten. Ein Freund von mir ist deutlich ernsthafter und ruhiger, bietet aber auch einiges an Humor. Schipper setzt sich damit irgendwo in die Mitte zwischen klassischen Buddy-Komödien und Befindlichkeitskino à la „Berliner Schule“. Sympathischer Ansatz.

Ein Freund von mir ist ein ordentlicher Film, der aber noch besser hätte sein können. Das Problem liegt für mich in der Besetzung. Denn der stille Karl wird gespielt von Daniel Brühl, und der hibbelige Hans von Jürgen Vogel. Das sind genau die Rollen, die man von den beiden erwartet. Sie spielen diese Rollen natürlich sehr gut, aber man hat sie in eben diesen Rollen schon mehrfach gesehen. Wie viel überraschender und spannender hätte der Film ausfallen können, wenn man die Hauptrollen genau umgekehrt besetzt hätte!?

Etwas nervig fand ich auch, dass hier unheimlich viel über Autos transportiert werden muss. Weil Jungs und Autos ja scheinbar untrennbar zusammengehören. Tut mir leid, für mich, der beim Anblick eines Porsches weder eine Erektion noch einen Neidanfall bekommt, funktionieren diese Szenen nicht.

Zweifellos toll ist dagegen SabineTimoteo als Stelle (die erwähnte Frau zwischen den beiden Männern). Sie sagt nicht viel, man erfährt nicht viel über sie, aber es ist klar, dass sie sowohl für Hans als auch für Karl bezaubernd sein muss. Und bezaubernd ist sie in der Tat.