Im TV: Dark Star (Dark Star – Finsterer Stern)

Neulich war Weltraum-Thementag bei 3sat, in dessen Rahmen u.a. dieser Film lief.

Dark Star ist ein eigenartiges Ding. Der erste Kinofilm von John Carpenter aus dem Jahr 1974 ist weder Fisch noch Fleisch. Ernstgemeinte Science-Fiction? Lustige Parodie? Philosophische Betrachtung? Trash? Ist das witzig gemeint oder nur unfreiwillig komisch? Vermutlich von allem etwas, aber nichts mit vollem Herzen. Das Ergebnis ist jedenfalls gut 30 Jahre später noch sehr interessant anzuschauen.

Dark Star erzählt von einer Weltraummission, deren fünfköpfige Besatzung — nach einem Todesfall nur noch zu viert — seit 20 Jahren im All ist und vor allem mit einem kämpft: mit tödlicher Langeweile. Die Jungs haben wenig zu tun, und die eigentliche Arbeit erledigt sowieso der Bordcomputer.

Das tolle an Dark Star ist: Man kann hier Referenzen zu Filmen finden, die es zum Zeitpunkt der Entstehung noch gar nicht gab. Eine der ersten Szenen, ein Jump-Cut-Zoom auf das Raumschiff Dark Star, erinnert total an einen Gleiter mit R2D2 an Bord. Und die längere Sequenz, in der das schiffseigene Haustier ausbricht und einen Astronauten durch das Schachtsystem des Raumschiffs jagt, scheint eine direkte Alien-Parodie zu sein.

Der Pfeil zeigt jedoch in diesem Fall genau anders herum, denn Drehbuchautor Dan O’Bannon war kurz darauf am Skript zu Alien beteiligt. Die Sequenz in Dark Star jedenfalls dürfte wohl die sein, die beim Zuschauer dafür verantwortlich ist, ob er den Film mag oder nicht. Denn das Alien, das sich die Crew als Maskottchen hält, ist: ein schwabbeliger roter Gummiball mit Krallen! Ganz schön goofy, aber irgendwie wahnsinnig charmant, wenn man bedenkt, dass Dark Star ohne nennenswertes Budget als Abschlussfilm entstanden ist. Angeblich war dieser Film der erste, der das Wort „Alien“ in diesem Sinnzusammenhang verwendete. In der deutschen Synchro wurde das damals mit „Exot“ übersetzt. Überhaupt kommt die deutsche Fassung mit ein paar hübsch-hölzernen Stilblüten. Aus einem kaputten Jetpack wird dann: „Mein Düsenpaket ist entzwei.“

Ebenfalls an Alien erinnert der mütterlich-wachsame Bordcomputer, auf deutsch gesprochen von Evelyn Hamann, der ja später bei Ridley Scott tatsächlich „Mother“ hieß. Hier ist er vermutlich eher ein Verweis auf HAL aus Kubricks 2001. Auf den beziehen sich auch die eher philosophischen Aspekte des Films, die in einer wunderbaren Szene gipfeln, in der ein Astronaut mit einer Bombe diskutiert und dabei Descartes zitiert. Die Bombe kommt ins Grübeln und hat eine verdammt einleuchtende Antwort parat. Hier sind wir dann schon eher auf dem Terrain von Douglas Adams.

Dass Dark Star trotz seines Alters, trotz der unglaublich billigen Effekte und trotz der eher unterdurchschnittlichen Schauspieler heute noch anschaubar ist, liegt vor allem daran, dass hier nichts todernst gemeint ist. Der Film zwinkert ständig ein bisschen mit dem Auge, bleibt dabei aber immer subtil. Wer eine Schenkelklopf-Verarsche à la Spaceballs erwartet, wird enttäuscht.

Absolut großartig und in keiner Weise trashig sind übrigens die Soundeffekte, um die sich Carpenter persönlich gekümmert haben soll. Hier wurde sehr aufwendig und liebevoll gearbeitet. Für jedes Drehen eines Knöpfchens, für jedes Drücken eines Schalters gibt es ein tolles Geräusch.

 

5 Gedanken zu „Im TV: Dark Star (Dark Star – Finsterer Stern)

  1. Hi,

    hab den Film 2x komplett gesehen, bis ich auf den Gedanken kam: „Hey, der ist NICHT tiefgründig. Der ist NICHT witzig. Der ist einfach nur doof. Trotzdem sah ich Ihn nun zum dritten male. Wieder bis zum Schluss ;)

  2. Nutzloses Wissen: Die Auflösung ist die beinahe Eins-zu-Eins umgesetzte Verfilmung der Ray-Bradbury-Short-Story Kaleidoscope. Von Bradbury zum Alien … Ist schon interessant, wie alles zusammenhängt.

  3. Dark Star ist einer der kultigsten Filme, die ich kenne. Ich hab ihn natürlich hier auf DVD (RC1, aus Kanada) und bin dennoch traurig, die Ausstrahlung verpaßt zu haben. Ach, die Erinnerungen… Sehr genial finde ich die Szene mit dem roten Alarm, wo sie alle eine halbe Schrecksekunde lang wie gelähmt herumsitzen und dann in frenetische Aktivität ausbrechen. Den Alarmsound hätte ich gern als Klingelton! Ich glaub, den muß ich wieder mal anschauen…

  4. Wikipedia nennt mittlerweile Ute Meinhardt als Synchronstimme des Bordcomputers, nachdem dort lange Zeit ebenfalls Evelyn Hamann angegeben worden war.
    Ich hatte bei meinem Windows 98 alle Windowssounds durch Dark Star ersetzt.
    Kam echt gut, wenn sich z. B. bei „Kritischer Fehler“ Windows meldete mit „Dies ist eine Notfallsituation, die alle anderen Weisungen außer Kraft setzt…“
    Wer diesen Film langweilig findet oder blöd, der hat ihn nicht begriffen oder ist eifach nicht reif für ihn.
    Dark Star ist einer von den drei Filmen, die ich gerne nach einem Schiffbruch auf einer unbewohnten Insel vorfinden würde!

  5. Gestern habe ich mir den Film zum dritten Mal im TV angeschaut. Einfach genial. Eigenartig an dem Film ist, dass man am Schluss das Gefühl hat, der Film hätte nur eine Spieldauer von 15 Minuten. Trotz der ruhigen gesamten Art des Filmes scheint er wohl besser zu fesseln und zu unterhalten, als jeder Actionknaller.

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