Im Kino: Immer nie am Meer

Dieser Film macht es einem nicht leicht. Dem Zuschauer nicht, und auch nicht dem kleinen Blogger, der versucht, etwas drüber zu schreiben. Das beginnt schon bei der Einordnung: Ist Immer nie am Meer eine Komödie? Ja, aber genau in dem Sinne, in dem seine Hauptdarsteller Komödianten sind. Sowohl Heinz Strunk (Teil von Studio Braun und vor allem bekannt als Autor des Buches Fleisch ist mein Gemüse) als auch Dirk Stermann und Christoph Grissemann (die v.a. für den ORF arbeiten und daher in Österreich viel bekannter sind als in Deutschland) sind Humorproduzenten, allerdings hat dieser Humor wenig bis nichts zu tun mit der Form von Standard-Comedy, mit der man im Privatfernsehen, bei Wetten, dass oder demnächst im Olympiastadion auftreten kann.

Ihr Humor tut oft weh und nicht immer ist er zum Lachen. Und genau so verhält es sich mit dem Film, der im Grunde ein Folterdrama ist: Drei Männer, die keine Freunde sind, sitzen nach einem Unfall eingesperrt in einem Auto, aus dem es kein Entkommen gibt. Rundherum ist nichts als Wald, die vorhandene Verpflegung besteht aus Heringssalat und Sekt. Nach einer Weile werden sie zwar entdeckt, aber längst nicht gerettet: Ein kleiner Junge findet ihr Auto, benutzt die Insassen aber als Objekte einer Versuchsreihe zur Verhaltensforschung.

Immer nie am Meer (Regie: Antonin Svoboda) ist sicher nicht für jeden. Man muss es schon mögen, über 80% des Films Großaufnahmen gesichtsbehaarter, mittelalter Männer zu sehen, die sich gegenseitig verachten und die, jeder auf seine Weise, mehr oder weniger erbärmliche Gestalten sind. Besonders Dirk Stermann geht dahin, wo’s wehtut: isst Heringssalat mit den Fingern, benutzt eine Damenhandtasche als Abort und lässt sich rasieren – aber nur zur Hälfte. Wer Strunk bzw. Stermann & Grissemann kennt und mag, sollte diesen Film auf jeden Fall gucken: denn obwohl ihre Rollen im Film anders heißen, spielen sie im Grunde sich selbst, bzw. ihre öffentlichen Figuren. Bei Strunk geht das sogar so weit, dass er als „Schwanenmeister“ einige Stücke seiner CDs recycelt.

Es sei ihm verziehen, denn Immer nie am Meer ist große — wenn auch sehr eigene — Unterhaltung, wie sie eigentlich nur aus Österreich kommen kann. Zynisch, böse, manchmal derb, voller Weltekel, aber ohne Selbstmitleid. Einige Kritiker und auch die Macher selbst bezeichnen den Film als „Groteske“, was die Wikipedia so erklärt.

Meist, aber nicht nur, handelt es sich um ein derb-komisches oder närrisch-seltsames Werk, das auf verzerrende, ungewöhnliche Art und Weise verschiedene, nicht zusammenpassende Elemente aus der Realität miteinander verbindet, ohne dass dabei die werkinterne Kohärenz in Frage gestellt wird.

Passt.

(Ein Dankeschön geht an muenchenblogger.de, bei denen ich die Tickets gewonnen habe.)

 

Ein Gedanke zu „Im Kino: Immer nie am Meer

  1. „Weltekel“ ist Österreichs zweiter Vornahme. Unser Land heißt mit vollem Namen nämlich Adolf Weltekel Österreich. Kann man in jedem Atlas nachlesen.

Kommentare sind geschlossen.