Im Kino: Devdnoj Dozor (Wächter des Tages)

Wächter der Nacht, dieser irre, überdreht-überladene Megablockbuster aus Russland, war nicht jedermanns Sache. Für die einen zu wirr, für die anderen zu sehr zusammengeklaut, für die nächsten zuviel Product Placement, und für wieder andere zu trashig. Ich mochte ihn. Ich mochte den Eklektizismus, ich mochte den Humor, ich mochte den ganz speziellen, dreckigen Look.

All das hat auch die Fortsetzung, Wächter des Tages, wieder zu bieten. Wem der erste Teil nicht gefallen hat, bleibt hier lieber weg. Und wer Teil 1 nicht kennt, auch (entsprechend fielen dann wohl auch die Kino-Zuschauerzahlen aus, die in Deutschland, ganz im Gegensatz zu Russland, recht enttäuschend waren). Wer aber Nochnoj Dozor mochte, bekommt hier eine gelungene Fortsetzung, die reichlich „more of the same“ bietet.

Man könnte auch sagen, der neue Film bleibt dem ersten treu. Die komplette Schauspielerschar ist wieder dabei, und dieser ganz eigene, leicht schmuddelige Look blieb, trotz des deutlich höheren Budgets, erhalten. Die Geschichte nimmt die Fäden aus Teil 1 auf (Antons Sohn als Anderer mit besonderen Fähigkeiten) und spinnt etliche neue, was in einigen Besprechungen als sehr verwirrend und überladen dargestellt wurde. Stimmt schon, es ist alles ein bisschen viel. Dem Film fehlen die ruhigeren Momente, in denen es mal etwas Zeit und Raum zum Durchatmen geben könnte. Aber so wahnsinnig verwirrend fand ich es nicht (obwohl ich die Bücher nicht kenne). Es ist vielmehr so, dass Regisseur Timur Bekmambetov, anders als gängige Popcorn-Blockbuster aus den US von A, von seinem Publikum erwartet, dass es mitdenkt und nicht jedes kleine Fitzelchen haarklein auserklärt, bis es auch der letzte ADS-Patient verstanden hat.

Etwas überrascht hat mich die Tatsache, dass es im Finale tatsächlich zu einem runden, befriedigenden Ende kommt und die beiden Filme damit eine abgeschlossene Einheit bilden können. Ich hatte eher einen Cliffhanger erwartet, weil ich davon ausgegangen war, dass es sich hier um eine Trilogie handelt. Es ist aber auch verwirrend: Die Buchvorlage ist inzwischen zur Tetralogie gewachsen, und der zweite Teil der Filmreihe benutzt zwar den Titel des zweiten Buchs, erzählt aber die zweite Hälfte des ersten Buchs. Oder so ähnlich.

Mir haben die beiden Dozor-Filme jedenfalls ziemlich gut gefallen. Ich mochte einfach die Mischung: auf der einen Seite vertraute Genre-Versatzstücke, auf der anderen Seite ein ungewöhnlicher Look, gänzlich unbekannte (aber sehr gute) Schauspieler und — ganz wichtig — eine nicht zu kleine Dosis Humor. Wo Matrix und Konsorten vor lauter Pseudo-Philosphie und Pathos kaum mehr laufen können, hat Bekmambetov an den richtigen Stellen kleine ironische Brechungen parat, und das tut den Filmen wahnsinnig gut.

 

2 Gedanken zu „Im Kino: Devdnoj Dozor (Wächter des Tages)

  1. das ist das erste review, in dem erwähnt wird, dass die story nicht aus zusammenhangslosen fetzen besteht.
    ich habe befürchtet, ich hätte mir die story nur eingebildet… danke

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