Im TV: Moebius Redux

Läuft am Samstag, 27.10. um 23.25 Uhr auf Arte (Wiederholung in der Nacht vom 2.11. auf 3.11. um 01:45)

Der Franzose Jean Giraud, der nächstes Jahr 70 wird, gehört zu den profiliertesten und bekanntesten europäischen Comiczeichnern. Im Laufe seiner Karriere hat er nicht nur einen ganz eigenen, unverwechselbaren Zeichenstil entwickelt, sondern auch mehrere Genres stark geprägt. Schon mit seiner Western-Serie Blueberry hat er sich in den Olymp der Comic-Klassiker gezeichnet, doch künstlerisch richtig explodiert ist er erst Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre. Er legte sich das Pseudonym Moebius zu, experimentierte mit surrealen Elementen und war Mitbegründer der stilprägenden Zeitschrift Métal Hurlant (alias Schwermetall alias Heavy Metal).

Der Film Moebius Redux von Hasko Baumann ist eine knapp 70minütige Doku über sein Leben und Werk, hauptsächlich erzählt von Moebius selbst. Einen Off-Sprecher gibt es nicht, zu Wort kommen außer Giraud noch eine kleine, aber feine Auswahl von Kollegen und Weggefährten. Die schönsten Passagen hat dabei Alejandro Jodorowsky, der zusammen mit Moebius den Comic Der Incal gemacht hat. Jodorowsky wirkt wie ein kleiner, liebevoller Psychoanalytiker, der auf sympathische Art versucht, Motive in Moebius‘ Leben zu erklären. Moebius war auch beteiligt an Jodorowskys grandios gescheitertem Dune-Projekt, aus dessen Trümmern sich wiederum Alien erhob (H.R. Giger und Dan O’Bannon kommen auch zu Wort). Hier zeigt der Film sehr schön, wie in der Popkultur oft alles mit allem zusammenhängt: Moebius darf die Raumanzüge für Alien entwerfen, zeichnet später einen Comic basierend auf einer Geschichte von Alien-Drehbuchautor O’Bannon, welcher wiederum der visuelle Haupteinfluss für Blade Runner ist. Blade-Runner-Referenzen gibt es später zuhauf in Fifth Element — und wer hat dafür Designs entworfen? Genau.

So erzählen also eine Handvoll älterer Herren von einer Zeit, die tatsächlich für kreative Menschen extrem spannend gewesen sein muss. Moebius, der voller Selbstironie wie ein netter Opa im Gespräch mit seinen Enkeln plaudert, spricht von einer künstlerischen Ejakulation und hat mir auch eine neue französische Vokabel beigebracht: „champignons hallucigènes“.

Aus Amerika kommen zu Wort: Marvel-Urvater Stan Lee (der mit Moebius mal eine Silver-Surfer-Story gemacht hat), Superhelden-Zeichner Jim Lee und Hellboy-Schöpfer Mike Mignola, die sich als große Fans outen. Es gibt aber nicht nur Lobhudeleien, denn auch Philippe Druillet, einer der Mitbegründer von Métal Hurlant, ist mit von der Partie. Zwischen ihm und Moebius muss es wohl irgendwann mal einen Bruch gegeben haben, und Druillet bleibt zwar respektvoll, findet aber durchaus deutliche Worte dafür, dass er nicht alles toll findet, was Moebius so getrieben hat. Das betrifft besonders die Jahre, in denen Moebius sich einer Sekte anschloss.

Inhaltlich ist also genügend interessantes, nicht nur für Comicfans, sondern auch für Filmfreunde, geboten. Und auch optisch enttäuscht Moebius Redux nicht, es gibt mehr zu sehen als nur „talking heads“. Einige von Moebius‘ Arbeiten wurden am Computer bearbeitet, so dass sich eine Art 3-D-Effekt ergibt. Außerdem ließen die Filmemacher sowohl Moebius als auch seine Kollegen kleine Skizzen auf einem Grafiktablett zeichnen, deren Entstehung man dann à la Montagsmaler verfolgen kann. Richtig hübsch ist die aufwendige Umsetzung moebius’scher Bildwelten in eine üppige 3-D-Landschaft, die extra für den Vorspann des Film kreiert wurde:

Hier hört man auch die — ebenfalls eigens komponierte — Musik von Kraftwerk-Mitglied Karl Bartos, die mir zwar ziemlich schnell auf den Zeiger ging, die aber zweifellos sehr gut zum Subjekt passt.

 

Ein Gedanke zu „Im TV: Moebius Redux

  1. Am 21. September 2008 zeigt das Filmhaus Kino Köln noch einmal „Moebius Redux“ – im Rahmen des Festivals COMICS FILME MUTATIONEN.

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