Archive for Oktober, 2007

Im TV: Dark Star (Dark Star – Finsterer Stern)

Neulich war Weltraum-Thementag bei 3sat, in dessen Rahmen u.a. dieser Film lief.

Dark Star ist ein eigenartiges Ding. Der erste Kinofilm von John Carpenter aus dem Jahr 1974 ist weder Fisch noch Fleisch. Ernstgemeinte Science-Fiction? Lustige Parodie? Philosophische Betrachtung? Trash? Ist das witzig gemeint oder nur unfreiwillig komisch? Vermutlich von allem etwas, aber nichts mit vollem Herzen. Das Ergebnis ist jedenfalls gut 30 Jahre später noch sehr interessant anzuschauen.

Dark Star erzählt von einer Weltraummission, deren fünfköpfige Besatzung — nach einem Todesfall nur noch zu viert — seit 20 Jahren im All ist und vor allem mit einem kämpft: mit tödlicher Langeweile. Die Jungs haben wenig zu tun, und die eigentliche Arbeit erledigt sowieso der Bordcomputer.

Das tolle an Dark Star ist: Man kann hier Referenzen zu Filmen finden, die es zum Zeitpunkt der Entstehung noch gar nicht gab. Eine der ersten Szenen, ein Jump-Cut-Zoom auf das Raumschiff Dark Star, erinnert total an einen Gleiter mit R2D2 an Bord. Und die längere Sequenz, in der das schiffseigene Haustier ausbricht und einen Astronauten durch das Schachtsystem des Raumschiffs jagt, scheint eine direkte Alien-Parodie zu sein.

Der Pfeil zeigt jedoch in diesem Fall genau anders herum, denn Drehbuchautor Dan O’Bannon war kurz darauf am Skript zu Alien beteiligt. Die Sequenz in Dark Star jedenfalls dürfte wohl die sein, die beim Zuschauer dafür verantwortlich ist, ob er den Film mag oder nicht. Denn das Alien, das sich die Crew als Maskottchen hält, ist: ein schwabbeliger roter Gummiball mit Krallen! Ganz schön goofy, aber irgendwie wahnsinnig charmant, wenn man bedenkt, dass Dark Star ohne nennenswertes Budget als Abschlussfilm entstanden ist. Angeblich war dieser Film der erste, der das Wort “Alien” in diesem Sinnzusammenhang verwendete. In der deutschen Synchro wurde das damals mit “Exot” übersetzt. Überhaupt kommt die deutsche Fassung mit ein paar hübsch-hölzernen Stilblüten. Aus einem kaputten Jetpack wird dann: “Mein Düsenpaket ist entzwei.”

Ebenfalls an Alien erinnert der mütterlich-wachsame Bordcomputer, auf deutsch gesprochen von Evelyn Hamann, der ja später bei Ridley Scott tatsächlich “Mother” hieß. Hier ist er vermutlich eher ein Verweis auf HAL aus Kubricks 2001. Auf den beziehen sich auch die eher philosophischen Aspekte des Films, die in einer wunderbaren Szene gipfeln, in der ein Astronaut mit einer Bombe diskutiert und dabei Descartes zitiert. Die Bombe kommt ins Grübeln und hat eine verdammt einleuchtende Antwort parat. Hier sind wir dann schon eher auf dem Terrain von Douglas Adams.

Dass Dark Star trotz seines Alters, trotz der unglaublich billigen Effekte und trotz der eher unterdurchschnittlichen Schauspieler heute noch anschaubar ist, liegt vor allem daran, dass hier nichts todernst gemeint ist. Der Film zwinkert ständig ein bisschen mit dem Auge, bleibt dabei aber immer subtil. Wer eine Schenkelklopf-Verarsche à la Spaceballs erwartet, wird enttäuscht.

Absolut großartig und in keiner Weise trashig sind übrigens die Soundeffekte, um die sich Carpenter persönlich gekümmert haben soll. Hier wurde sehr aufwendig und liebevoll gearbeitet. Für jedes Drehen eines Knöpfchens, für jedes Drücken eines Schalters gibt es ein tolles Geräusch.

Trailerschau für Filmstarts vom 11.10.

Auf die DVD warten:
Sicko: Der lustig-kritische Dicke ist wieder da. Ich mag ihn ja, den Michael Moore, auch wenn es inzwischen cool geworden ist, ihn scheiße zu finden. Eins jedenfalls hat er drauf: aus ernsten politischen Anliegen schwer unterhaltsame Propagandafilme zu machen.

Vielleicht mal im Fernsehen:
heimatklänge – vom Juchzen und andern Gesängen: Sehr cool, eine Jodel-Doku aus der Schweiz!

Klopka (Klopka – Die Falle): Aus Osteuropa kommen in der Regel nur Kunstfilme zu uns, dieser serbische Thriller sieht eher mainstreamig aus: Ein Vater wird zum Killer, weil er das Leben seines todkranken Kindes retten will.

Pornorama oder Die Bekenntnisse der mannstollen Näherin Rita Brauchts: Interessanter Weg für Regisseur Marc Rothemund: Von Sophie Scholl zu den deutschen Sexfilmen der 70er. Die Idee ist ja nicht schlecht, aber der Film ist vermutlich genauso bieder und pseudo-frech wie die Filme von damals. Die Homepage jedenfalls (Menüpunkt “Aufklärung”) lässt nichts gutes erwarten.

The Kingdom (Operation: Kingdom): Thriller mit Jennifer Garner und Jamie Foxx, der sich einen politisch-kritischen Anstrich gibt, aber wohl doch eher nur Actionkost bietet.

Muss nicht sein:
Premonition (Die Vorahnung): Mytery-Kram mit Sandra Bullock. Ich tippe mal auf: leidlich spannend, aber voller Logiklöcher.

Gegenüber: Spielfilmdebüt von Jan Bonny über die Abgründe einer Ehe. Sicher nicht schlecht, aber nix für mich.

December Boys: Vier Jungs aus einem katholischen Waisenhaus dürfen einen Sommer an der Küste verbringen und lernen dabei eine Menge über das Leben und die Liebe. Mit Daniel Ratcliffe in seiner ersten Nicht-Harry-Potter-Hauptrolle.

The Seeker – The Dark is Rising (Wintersonnenwende – Die Jagd nach den sechs Zeichen des Lichts): Fantasy-Gedöns für Kids mit dem umständlichsten deutschen Titel des Jahres.

Conversations with God (Gespräche mit Gott): Spiritueller Erbauungsfilm, der die Geschichte von Neale Donald Walsch erzählt. Hinterher geht dann wahrscheinlich einer mit ‘nem Spendenbeutel rum.

Auf DVD: Ein Freund von mir

Karl ist ein beruflich erfolgreicher Schlipsträger bei einer Versicherung, die Karriere kommt ins Rollen. Nur beim Teamwork klappt es nicht so richtig, denn Karl ist extrem verschlossen und zurückhaltend. Ein Eigenbrötler, der weder Freunde noch eine Freundin hat. Um ihn aus der Reserve zu locken, schickt ihn sein Chef auf eine ungewöhnliche Mission: Er soll einen Tag lang als Aushilfe bei einer Autovermietung am Flughafen arbeiten, wo er dafür zuständig ist, Mietwägen von A nach B zu überführen. Beim Vorstellungsgespräch lernt er Hans kennen, und der ist das genaue Gegenteil von Karl: Impulsiv, extrovertiert, eine Labertasche mit dem Kopf voller Blödsinn, ein großes Kind.

Aus irgendeinem Grund interessiert sich dieser Hans für Karl und nach anfänglichem Zögern lässt sich Karl auch darauf ein. Es entsteht eine Freundschaft zwischen diesen grundverschiedenen Typen, und wie sich das gehört, wird am Ende jeder vom anderen etwas gelernt haben.

Eine Frau ist auch im Spiel, und somit auch eine Dreiecksgeschichte, was der Film aber nicht ausspielt und eher zu einem interessanten Nebenaspekt der Geschichte macht. Im Kern geht es um eine Freundschaft zwischen zwei jungen Männern.

Regisseur und Autor Sebastian Schipper hat vor ein paar Jahren den wunderbaren Coming-of-Age-Film Absolute Giganten gemacht, der es schaffte, ein Lebensgefühl auf die Leinwand zu bringen und dabei bestens zu unterhalten. Ein Freund von mir ist deutlich ernsthafter und ruhiger, bietet aber auch einiges an Humor. Schipper setzt sich damit irgendwo in die Mitte zwischen klassischen Buddy-Komödien und Befindlichkeitskino à la “Berliner Schule”. Sympathischer Ansatz.

Ein Freund von mir ist ein ordentlicher Film, der aber noch besser hätte sein können. Das Problem liegt für mich in der Besetzung. Denn der stille Karl wird gespielt von Daniel Brühl, und der hibbelige Hans von Jürgen Vogel. Das sind genau die Rollen, die man von den beiden erwartet. Sie spielen diese Rollen natürlich sehr gut, aber man hat sie in eben diesen Rollen schon mehrfach gesehen. Wie viel überraschender und spannender hätte der Film ausfallen können, wenn man die Hauptrollen genau umgekehrt besetzt hätte!?

Etwas nervig fand ich auch, dass hier unheimlich viel über Autos transportiert werden muss. Weil Jungs und Autos ja scheinbar untrennbar zusammengehören. Tut mir leid, für mich, der beim Anblick eines Porsches weder eine Erektion noch einen Neidanfall bekommt, funktionieren diese Szenen nicht.

Zweifellos toll ist dagegen SabineTimoteo als Stelle (die erwähnte Frau zwischen den beiden Männern). Sie sagt nicht viel, man erfährt nicht viel über sie, aber es ist klar, dass sie sowohl für Hans als auch für Karl bezaubernd sein muss. Und bezaubernd ist sie in der Tat.

Asia Filmfest: Der Spielplan steht

Das Asia Filmfest in München wird jedes Jahr ein bisschen umfangreicher. Dieses Jahr (25.10. bis 1.11.) sind es schon acht Tage (2006: sechs) und über 40 Filme. Hier gibt es die Programmübersicht, Filmbeschreibungen folgen hoffentlich bald. Der VVK startet am kommenden Montag, dann gibt es auch das gedruckte Programmheft.

(via AHT)

Trailerschau für Filmstarts vom 4.10.

Wow, eine echt vollgepackte Woche mit ziemlich viel sehenswertem Zeug!

Im Kino sehen:
Den Brysomme Mannen (Anderland): Es ist zwar immer mit Vorsicht zu genießen, wenn die Werbung Referenzen zu David Lynch, Brazil u.ä. bemüht, aber dieser Trailer macht sehr viel Appetit! Surreale, humorige Dystopie aus Norwegen, die auch auf dem FFF lief.

Immer nie am Meer: Die ORF-Spaßvögel Stermann und Grisemann zusammen mit Heinz Strunk in einem Kammerspiel, das in einem Auto spielt. Bewegt sich auf dem ganz schmalen Grat zwischen genialer Hochkomik und totalem Scheitern. Hoffen wir auf ersteres.

Ratatouille: Die Pixar-Filme haben mich bislang nie enttäuscht (Cars hab ich nicht gesehen), und Regisseur Brad Bird hat davor meinen Lieblings-Pixar-Film The Incredibles gemacht. Vielversprechend.

Auf die DVD warten:
Superbad: Teenie-Komödie, die tatsächlich lustig (und dabei auch irgendwie warmherzig) zu sein scheint, obwohl das Schema seit American Pie und Co. eigentlich schon zu Tode geritten wurde.

Planet Terror: Hier nun also Robert Rodriguez’ Beitrag zum Grindhouse-Double-Feature. Liebevoll gemachter Zombie-Trash. Ich bin gespannt, wie sich der kleine Rico aus Six Feet Under als Actionheld macht.

Lady Chatterley: Kinoversion der französischen Literaturverfilmung, die es in einer zweiteiligen TV-Fassung schon auf Arte zu sehen gab. Thomas war auf der Berlinale sehr begeistert.

Sanxia haoren (Still Life): Chinesische Familiengeschichte vor dem Hintergrund des Großprojekts Drei-Schluchten-Damm. Gewann letztes Jahr den Goldenen Löwen in Venedig.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Monks – The Transatlantic Feedback: Die Monks müssen ein relativ irrwitziges Phänomen gewesen sein. Eine Band aus US-Soldaten, die in den Sechzigern ihr Unwesen in Deutschland trieb, aber nie wirklich berühmt wurde. Mit (für damalige Verhältnisse) krassem Outfit und krassen Sounds. Für pophistorisch Interessierte vermutlich ein Muss.

Preußisch Gangstar: Die deutsche Variante von Eight Mile? Junge Deutsche mit schlechten Perspektiven, deren einziger Lichtblick der Hip Hop ist. Gedreht mit Laiendarstellern.

Prinzessin: Jugendgewalt in den mieseren Vierteln der Großstadt. Das Besondere: Hier steht eine Mädchengang im Mittelpunkt. Preisgekrönter Debütfilm von Birgit Grosskopf.

Becoming Jane (Geliebte Jane): Wenn ihr mal wieder mit eurer Freundin ins Kino gehen wollt, käme vielleicht diese hübsche Romanze in Frage: eine fiktive Liebesgeschichte zwischen Jane Austen und einem englischen Gentleman. Quasi Shakespeare in Love andersrum.

Muss nicht sein:
Stellungswechsel: Deutsche Komödie, in der man mal wieder The Full Monty nachzueifern versucht. Sowas ist doch sonst eher was für TV-Premieren bei Pro Sieben?

Premium-Reisen

Ich poste eigentlich keine Urlaubsfotos, aber das hier passt grade ganz gut. Wenn Sie in München dieses Wochenende einen Bus voller betrunkener Italiener sehen, könnte es der hier sein:


(Aushang in einem Reisebüro in San Giovanni Valdarno)

Eine Reise ohne jeden Schnickschnack: Freitag Anfahrt, Samstag und Sonntag komplett auf der Wiesn und in der Nacht wieder zurück. No frills. Na dann viel Spaß.

Birma, Burma, Myanmar

Heute ist Aktionstag für Myanmar. Weltweit wollen Blogger heute nicht ihr übliches Zeug ins Internet schreiben, sondern auf die Situation in dem Land hinweisen.

Ja, ich weiß. Solche Aktionen riechen gewaltig nach wohlfeilem Gutmenschentum und auch diese Aktion wird nicht viel “bringen”. Aber ich mag den Gedanken, dass die Blogosphäre geballt und gezielt versuchen will, Leute auf ein Thema zu stoßen und ich mag auch die Art und Weise, wie sich diese Aktion aus einem kleinen Gedankengang von Robert Basic entwickelt hat. Und darum gibt es heute eben diesen Button. Und für euch und mich die Gelegenheit, sich ein bisschen mit dem Thema zu befassen. Ich zum Beispiel habe nämlich kaum Ahnung davon. Ausgangspunkte zum Schlaumachen:
Der Spiegelfechter
BBC News: Burma Protests
SpOn: Burma – Kampf für die Freiheit
free-burma.org

Im TV: Prison Break, Staffel Eins

So, die erste Staffel ist zuende. Und ich muss sagen, mir gefällt’s immer noch. Natürlich gibt es nach wie vor jede Menge unglaubwürdige Wendungen und die Charaktere sind auch nach 22 Folgen zum Teil arge Klischee-Abziehbilder (aber, wie das bei Serien so ist, man gewinnt sie mit der Zeit einfach lieb). Aber Prison Break ist eben vor allem Spannungsfernsehen und funktioniert als solches wunderbar. Gerade die letzte Folge hat nochmal gezeigt, dass die Autoren immer wieder überraschen wollen und man nie sicher sein kann, welche Figur als nächstes geopfert werden wird.

Die zweite Staffel wird, und das finde ich im Rahmen kommerzieller Serien sehr spannend, nicht einfach die Fortsetzung des Bewährten werden.
Achtung Spoiler (zum Lesen markieren): Denn Scofield und seine Kumpanen sind jetzt auf freiem Fuß. Das heißt, die Serie, die bisher zu 80% im Knast spielte, begibt sich sozusagen in die Freiheit und wird vom Gefangenen- zum Flüchtlingsdrama. Dazu wird eine neue Hauptfigur eingeführt, ein FBI-Profiler, der den Jungs auf den Fersen ist. Auch die Tatsache, dass die acht Flüchtlinge schon kurz nach dem Ausbruch keine geschlossene Gruppe mehr sind, sondern drei von ihnen allein unterwegs sind, verspricht ein paar interessante Subplots.

RTL macht ab morgen nahtlos mit der zweiten Staffel weiter. Ich bin wieder dabei…

Und auch wenn ich die Serie zur Zeit im Fernsehen verfolge, gehört Prison Break mit ihrer fortlaufenden Handlung, ihrem Schwerpunkt auf Spannung und ihren fiesen Cliffhangern natürlich zu den Serien, die man sich am besten auf DVD verabreicht. Ende November kommt die Box der ersten Staffel in den Handel.