Im Kino: Lions for Lambs (Von Löwen und Lämmern)

Robert Redford, Meryl Streep, Tom Cruise: Mit den drei Köpfen auf dem Plakat hätte man auch schon vor zwanzig Jahren einen Film bewerben können. Ist Lions for Lambs also ein altbackener Langweiler? Das nicht, man könnte Robert Redfords neuen Film aber mit Recht als „altmodisch“ bezeichnen, hier wird jedenfalls nicht versucht, irgendwie trendy zu sein. Redford will in Ruhe seine Geschichte erzählen, und die besteht aus drei separaten Handlungssträngen. Einer davon spielt im Büro eines republikanischen Senators, der gerade einer kritischen Journalistin exklusiv die neueste Strategie im „War on Terror“ erklärt: Man werde in Afghanistan mit kleinen Einheiten im unwegsamen Gelände die Taliban ausmerzen.

Handlungsstrang zwei spielt ebendort, in den schneebedeckten Hügeln Afghanistans, wo zwei junge Soldaten bei einem gefährlichen Hubschraubereinsatz ins freie Gelände fallen und dort auf sich gestellt sind. Diese beiden waren kurz zuvor noch Politik-Studenten bei Professor Malley. Und hiermit sind wir beim dritten Erzählstrang, in dem dieser Prof (gespielt von Regisseur Redford) dem jungen unmotivierten Studenten Todd klarmachen will, dass er gefälligst sein Potential nutzen soll. Die beiden Jungs, die sich freiwillig zur Army gemeldet hatten, dienen ihm dabei nicht als glorreiches Heldenbeispiel, dem Todd einfach folgen soll. Professor Malley war nämlich selbst in Vietnam und wollte die beiden eigentlich von ihrem Schritt abhalten.

Diese drei lose verknüpften Geschichten sind ein klares politisches Statement gegen die Antiterror-Politik der Bush-Administration. Redford bietet keine einfache Lösung an, macht aber klar, dass die derzeitige Situation keine Lösung sein kann, und dass in den letzten sechs Jahren eine Menge falsch gemacht wurde. Am greifbarsten wird das in den Gesprächen zwischen dem Senator und der Journalistin (gespielt von Tom Cruise und Glenn Close Meryl Streep), dem mit Abstand gelungensten Part des Films. Die beiden liefern sich ein spannendes Rededuell mit geschliffenen Dialogen, dem man stundenlang zuhören könnte. Tom Cruise ist wirklich nicht mein Lieblingsschauspieler, aber für schmierige, unsympathische Typen hat er echt ein Talent (siehe auch Magnolia). Und Glenn Close Meryl Streep ist großartig als Vertreterin der eigentlich kritischen Medien, die aber nach etlichen Fehlleistungen voller Selbstzweifel sind.

Etwas weniger überzeugend sind Robert Redford und Andrew Garfield, deren Szenen sich ebenfalls überwiegend am Schreibtisch abspielen. Als Kontrast dienen die Kriegsszenen aus Afghanistan, die aber kein großes Action-Spektakel bieten, sondern eher ein kleines, auf Einzelpersonen konzentriertes Drama. Die Verknüpfung von politischer Aussage und Kriegsbildern scheint hier besser gelungen zu sein als im kürzlich gestarteten The Kingdom (ich selber hab ihn nicht gesehen), dessen Drehbuch von Matthew Michael Carnahan stammt, der auch Lions for Lambs geschrieben hat.

Gegen Ende wird der Film eine Spur zu predigerhaft in seiner Botschaft von den unfähigen Politikern und Militärführern, aber vielleicht wirkt das nur so in einem Land, das von Anfang an nicht bedingungslos zur „Koalition der Willigen“ zählte. In Amerika selbst mag Redfords Film tatsächlich ein wichtiges politisches Statement im Jahr vor der nächsten Präsidentschaftswahl sein. Hier ist es wohl eher „preaching to the converted“. Es gibt aber auch interessante Passagen, in denen der Film sozusagen Selbstkritik übt und klarstellt, dass auch das liberale Amerika politisch versagt hat.

Ganz abgesehen von dieser Botschaft funktioniert Lions for Lambs als klassisches Schauspielerkino. Herrn Cruise und Frau Close Streep habe ich wirklich gerne zugesehen und es würde mich stark wundern, wenn nicht mindestens eine(r) der beiden auf den nächsten Oscar-Nominierungslisten auftauchen würde.

Kinostart in Deutschland: 8.11.07

 

6 Gedanken zu „Im Kino: Lions for Lambs (Von Löwen und Lämmern)

  1. Ich finde ja auch, daß Glenn Close die bessere Meryl Streep ist, aber trotzdem war’s in diesem Fall die Streep, die Tom Cruises Strahlkraft mit subtiler Mimik die Show stahl. ;-)

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