Auf DVD: Terkel i knibe (Terkel in Trouble)

Den Sticker auf dem DVD-Cover („Empfohlen von MAD“) könnte man ja durchaus als Warnung verstehen. Andere Aspekte aber fand ich zu verlockend: eine digital animierte, respektlose Jugendcomedy aus Dänemark, ausgedacht vom dortigen Star-Comedian Anders Matthesen, der im Original auch alle Rollen spricht. Und auf deutsch spricht Bela B., auch alle Rollen. Es geht um Terkel, der sich gerade so am Anfang der Pubertät befindet, beschissene Eltern und eine nervige Schwester hat, die Schule nicht mag, und dort auch noch von den Fieslingen gehänselt wird. Liest sich wie 08/15-Teenager-Standardsoße.

Das ist es dann doch nicht ganz, dafür sorgt schon die digitale Animation, die natürlich nicht die Perfektion der großen US-Filme erreicht, die aber einen ganz charmanten Look irgendwo zwischen Muppets und South Park erzielt. Und die Tatsache, dass alle Figuren nicht nur optisch extreme Karikaturen sind: Die Mutter raucht nicht wie ein Schlot, sondern wie ein ganzes Industriegebiet, der Vater hat einen auf ein Wort beschränkten Wortschatz („Nein“), der neue verständnisvolle Lehrer ist ein extremer Ökogutmensch, der Onkel ist ein versoffenes Schwein, usw. Außerdem gibt es Musikeinlagen.

Terkel in Trouble ist schon ein eigenartiger Film. Man weiß nie so recht, was das jetzt sein will. Ein Kinderfilm? Dafür spricht die Erzählstruktur, die Optik und die Songeinlagen. Ein Kinderfilm ist Terkel aber sicher nicht: Hier gibt es „schlimme Wörter“, Körperflüssigkeiten und tote Kinder. Oder, in den Worten des BBFC: „Contains strong violence, language and solvent abuse“. Also eher sowas wie South Park? Ja, schon, aber eigentlich auch nicht. Terkel ist nie wirklich subversiv, seine Gesellschaftskritik beschränkt sich auf Elternhaus und Schule. Terkel ist nur vordergründig „gewagt“. Ein bisschen politisch unkorrekt, das schon, aber meistens mit Hang zum Derben und Klamottenhaften. Und im Kern dann doch mit einer sehr pädagogischen Botschaft. Und vor allem: Der Film bietet einfach nicht genug Gags, um durchgehend lustig zu sein. Nach zwei Dritteln der Laufzeit sorgt ein Ereignis für einen großen Bruch — von da an wird der Film kurzzeitig fast zum ernsthaften Sozialdrama, ehe er dann eine weitere Kehrtwendung Richtung Horrorfilmparodie macht.

Die Figuren, und das ist wohl der größte Fehler des Films, bleiben dabei immer die Abziehbilder, die sie schon zu Anfang sind. Eine Entwicklung findet kaum statt, eine Beziehung zu ihnen baut man als Zuschauer kaum auf. Gut gefallen hat mir allerdings die Idee, einen Erzähler einzubauen, der in verschiedenen Rollen (Fensterputzer, Postbote usw.) auftaucht und mit Blick zur „Kamera“ zum Zuschauer spricht.

Für eine ziemlich eng umrissene Zielgruppe (Jungs zwischen 13 und 16 oder so) dürfte Terkel in Trouble ein großer Spaß sein. Sie können sich über die Derbheiten beömmeln und ihre Eltern damit vielleicht sogar ein bisschen schocken. Der Rest dürfte eher enttäuscht sein. In Ansätzen weiß der Film durchaus zu gefallen, aber über die volle Distanz bleibt er ein unausgeglichenes Etwas, mal zynisch, mal ein bisschen sarkastisch, dann wieder plump und albern.

 

3 Gedanken zu „Auf DVD: Terkel i knibe (Terkel in Trouble)

  1. Hmm – soll ich ihn mir nun anschauen oder eher nicht… hab ihn in der Bib ausgeliehen und mich auch von dem „dänischen“ leiten lassen ;)

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