Im Kino: Stardust (Der Sternwanderer)

Seit Peter Jacksons Lord of the Rings und den Harry-Potter-Filmen ist Fantasy im Kino wieder en vogue, mit äußerst gemischten Resultaten. Die meisten Vertreter dieses Genres sind entweder primär für Kinder und Jugendliche gedacht (was immer bedeutet: Kind aus der normalen Welt betritt eine fantastische Welt und erlebt dort Abenteuer), oder aber sie wollen „erwachsen“ sein, was auf einen Overkill von Monstern und Schlachten hinausläuft. Stardust von Matthew Vaughn zeigt, dass es auch anders geht.

1997/98 brachte der Brite Neil Gaiman, der mit seiner Sandman-Serie zum Star unter den Comicautoren aufgestiegen war, seinen zweiten Roman heraus — und zwar in Form einer Miniserie bei einem Comiclabel. Begleitet von Zeichnungen von Charles Vess entstand ein illustriertes Märchenbuch für erwachsene Leser. Jetzt gibt’s das Märchen auch als Film, und trotz amerikanischem Geld und amerikanischen Stars hat der Film einen sehr angenehm englischen Touch.

Tristan, der Mitte des 19. Jahrhunderts in einem kleinen englischen Örtchen lebt, ist verliebt. Seine Angebetete ist zwar eine schnöselige Schnepfe, die selber einen arroganten Schnöseltyp bevorzugt, aber trotzdem verspricht er ihr beim Anblick einer Sternschnuppe, diesen zur Erde gefallenen Stern zu finden und ihr zu bringen. Um den Stern zu holen, muss er eine Mauer überqueren, hinter der eine Welt voller Magie liegt, was eigentlich allen Menschen untersagt ist. Was Tristan noch nicht weiß: Vor 18 Jahren hat auch sein Vater diese Mauer überquert und auf der anderen Seite eine Frau geschwängert — Tristan ist das Resultat.

Auf der anderen Seite der Mauer existiert ein magisches Königreich, und auch dort haben es einige auf den Stern abgesehen: Ein Hexentrio, angeführt von Michelle Pfeiffer, und eine Schar von Prinzen, alles Brüder, die ihren kürzlich verstorbenen Vater beerben wollen. Unser Held Tristan jedoch findet sehr schnell den Stern und stellt fest: Jenseits der Mauer nehmen Sterne eine menschliche Form an. Der Stern ist eine hübsche blonde Frau (Claire Danes). Und während Tristan nun versucht, den Stern zu seiner Schnepfe zu bringen, ohne dabei in die Hände von Hexen oder Prinzen zu fallen, verliebt sich der Stern in ihn. Zwischenduch machen die beiden noch einen Abstecher auf ein Luftschiff — in diesem Fall wörtlich zu verstehen: ein fliegendes Piratenschiff, angeführt von Käpt’n Robert de Niro.

Die Geschichte verwendet viele kleine Bestandteile, die wir aus Märchen und Fantasy kennen, setzt sie aber auf eine sehr frisch und unverbraucht wirkende Weise zusammen. Stardust ist wahnsinnig romantisch und geht wirklich ans Herz. Mehrfach schrammt der Film haarscharf an der Grenze zum Kitsch entlang, kriegt aber immer rechtzeitig die Kurve — und zwar mit Humor. Er steckt voller Witz und Ironie und macht einfach eine Menge Spaß. Michelle Pfeiffer als von jugendllicher Schönheit besessene alte Hexe legt eine ebenso große Spielfreude an den Tag wie Robert de Niro: Der beweißt, das man nicht Johnny Depp heißen muss, um einen tuntigen Piraten spielen zu können. Und: er schminkt seine Warze. Er! Schminkt! Seine! Warze! Großartig.

Die fantastischen Elemente des Films verlangen ausgiebigen Einsatz von CGI-Effekten. Diesen sieht man leider sehr oft an, dass sie aus dem Computer stammen. 70 Millionen sind zwar ein großes Budget, aber eben noch nicht die erste Liga (Transformers oder der letzte Bond kosteten das doppelte). Die Effekte sehen also manchmal etwas billig aus, aber man verzeiht das dem Film jederzeit, denn er hat einfach jede Menge Charme. Herrlich zum Beispiel die Prinzenbrüder, die der Reihe nach dezimiert werden, die aber nach ihrem Tod ihre lebendigen Brüder begleiten. Ihre Geister laufen genau in der Form herum, in der sie gestorben sind, also z.B. mit zerquetschtem Kopf oder mit einer Axt im selbigen. Das ist genau die Sorte von — manchmal mordibem — Humor, die Neil Gaimans Werke auszeichnet, und die im Film erhalten blieb.

Für mich (nach Pan’s Labyrinth) der zweitbeste Fantasy-Film des Jahres, der leider nicht die ganz große öffentliche Aufmerksamkeit bekommen hat, die er verdient hätte.

 

2 Gedanken zu „Im Kino: Stardust (Der Sternwanderer)

  1. Wirklich schade – ich weiß nicht wie die Synchro war, vielleicht lags an der – alles in allem stimme ich zu, nachdem „Mirrormask“ für mich eher mittelprächtig war.
    Ad Astra

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