Auf DVD: Cars

Cars wurde ja (ganz im Gegensatz zu den anderen Animationsfilmen aus dem Hause Pixar) von den meisten eher reserviert aufgenommen, und so hat es auch eine Weile gedauert, bis ich mir den Film dann doch mal zu Gemüte geführt habe. Und es hat sich nicht wirklich gelohnt. Cars ist kreuzbrave Familienunterhaltung, technisch brillant, mit ein paar netten kleinen Gags am Rande, aber ohne das gewisse Etwas, das Begeisterung auslösen könnte. Dazu ist das Ding dann auch noch amerikanisch bis zum Anschlag. Es bedient einen ausgeprägten Automobil-Fetischismus ebenso wie die nostalgische Verklärung der legendären Route 66 (beides Anknüpfungspunkte, die bei mir überhaupt nicht funktionieren).

Die Story dreht sich um den Sportwagen Lightning McQueen (im Original gesprochen von Owen Wilson), ein hochnäsiger, aufgeblasener Typ, dem sein schneller Erfolg zu Kopf gestiegen ist. Durch Zufall landet er in einem kleinen, halbverfallenen Nest an der halbverfallenen Route 66, das von halbverfallenen Autos notdürftig am Leben erhalten wird. Natürlich sind die Bewohner dieses Nestes alles dufte Typen, halten toll zusammen, Lightning wird geläutert und verlieben darf er sich auch noch. Der klassische Mainstream à la Disney eben.

Interessant wird die Sache erst dadurch, dass die Welt von Cars eben von Autos bevölkert wird, und zwar ausschließlich. Die Pixar-Leute haben es wirklich erstaunlich gut hinbekommen, aus Autos echte, ziemlich lebendig wirkende Charaktere zu schmieden und fahren dabei auch das ganze Arsenal auf, vom schnittigen Sportcoupé über rostige Landmaschinen bis zum eleganten Straßenkreuzer (der moderne Standard-Mittelklassewagen, der von jedem Hersteller gleich aussieht, kommt auch kurz vor, in Form von zwei doofen Touristen, die sich auf dem Weg nach Graceland verirrt haben). Sehr hübsch sind auch die kleinen Details, z.B. Kondensstreifen am Himmel in Form von Reifenspuren, geflügelte VW-Käfer als Insekten oder Autowerkstätten als Kliniken.

Und trotzdem: ein Auto bleibt ein Auto und wird, zumindest in meinen Augen, niemals so menschlich, wie eine Weltraumfahrerpuppe, ein haariges Monster, ein Clownfisch oder eine Ameise werden kann. Das fängt schon damit an, dass so einem Auto die Arme fehlen und geht damit weiter, dass ich mich frage, was die beiden verliebten Blechbüchsen wohl anstellen, nachdem die Kamera weggeschwenkt hat. Vielleicht fehlt mir hier der kindliche Blick, der einfach akzeptiert, dass Autos auch Menschen sind.

Das eigentliche Problem neben der sehr flachen und vorhersehbaren Story: Der ganze Film fühlt sich wahnsinnig langatmig und zäh an und zieht sich über lange 110 Minuten. Bis man die Exposition hinter sich hat und die eigentliche Geschichte beginnt, vergeht schon eine halbe Stunde. Es fehlt an Überraschungsmomenten, an Esprit, an wirklich guten Gags, an Rasanz (Ja, okay, wir haben zwei sehr schick inszenierte große Autorennen, aber die haben niemals den Wahnwitz, den z.B. die Incredibles stellenweise hatten). Dazu kommt die aufgesetzte Moral des Films, die noch dazu mit schmalzigster Musik unterstrichen wird, und der kitschige Nostalgiefaktor.

So ist Cars, obwohl animationstechnisch auf extrem hohem Niveau, der bisher schwächste Pixar-Film. Aber es sieht so aus, als wäre das nur ein kleines Wellental. Von Ratatouille hört man vorwiegend gutes, und die ersten Teaser für Wall-E sehen sehr vielversprechend aus.

Abspann: Der macht fast mehr Spaß als der ganze Film. Die Cars gehen ins Autokino und gucken Toy Car Story 2, Monster Trucks, Inc. und A Bug’s Life. Und ganz am Ende sehen wir als Schlussgag nochmal die beiden Touristen auf Elvis-Suche.

DVD-Bonus: Ein langweiliger (Mater and the Ghostlight) und ein sehr hübscher Kurzfilm (One Man Band), ein paar entfallene Szenen und eine Doku, in der Regisseur und John Lasseter seine Liebe zur Route 66 zum Ausdruck bringt. Und dabei ein Hemd trägt, dass mich noch lange in meinen Albträumen verfolgen wird.

 

2 Gedanken zu „Auf DVD: Cars

  1. hab mir jetzt den teaser von wall-e angesehen. hallo? brazil musik und ein nummer 5 auf selbstfindung… ich werd vielleicht wirklich zu alt für das alles, aber irgendwas sagt mir, dass ich schon jetzt so ziemlich genau sagen kann was in diesem film passieren wird. und, jetzt schließen wir den kreis: genauso ging es mir schon bei allen pixar-filmen seit toy story. auch wenn es manchmal schön anzusehen ist wie zB im fall von finding nemo, es ist einfach fast immer der selbe stoff. ich wette pixar wird nie von einem autorenstreik betroffen sein, und zwar weil sie noch immer das „Urskript“ von irgendwann haben, wo sie einfach nur ort der handlung und namen der akteure austauschen. und autos als charaktere zu benutzen seh ich da als absolute bestätigung meiner theorie an. („hey jimbo, was sollen wir nächstes jahr für charaktere nehmen?“ – „weiß nicht joe, hatten wir schon autos?“), der rest ist dann, natürlich in gewissen maßen liebevoll umgesetzt, nur noch konzept. was fallen mir für kallauer mit autos ein, da ist sicher irgendein reifenplatzer, irgendeine doppeldeutigkeit a’la „der würd ich auch gern mal unter die haube schauen“ irgendein witz mit benzin und diesel als blutgruppen oder glaubensrichtungen, und tada, ein film ist fertig.
    aber offensichtlich rechnet es sich.

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