Auf DVD: Idiocracy

Mike Judge ist der Erfinder von Beavis und Butt-Head und King of the Hill sowie Schöpfer des Films Office Space, der (in den USA) Kultstatus hat. Sein letzter Film heißt Idiocracy, wurde in Amerika nur in ganz wenigen Kinos und ohne jede Publicity gestartet und lief anfang des Jahres mit einer gegen Null tendierenden Aufmerksamkeit in einer handvoll deutschen Kinos. Inzwischen gibt’s den Film auf DVD, und da gehört er auch hin, denn da kann man den Film im englischen Originalton sehen. Ich habe die deutsche Tonspur nur in ganz kleinen Stichproben getestet, aber ich glaube nicht, dass eine Übersetzung hier funktioniert. Der Film arbeitet einfach sehr viel mit Sprache.

Ausgangspunkt ist die (nicht ganz von der Hand zu weisende) These, dass die intelligenteren Leute unserer Gesellschaft immer weniger Kinder kriegen, während die Dumpfbacken sich vermehren wie die Karnickel. Konsequent zu Ende gedacht ist die Menschheit (hier gleichgesetzt mit den USA) in ein paar hundert Jahren komplett verblödet. Der Film nutzt den bewährten Zeitreise-Kniff der Kryonik, um Hauptdarsteller Luke Wilson zusammen mit einem weiblichen Sidekick in die Zukunft zu schicken. Er wird als Soldat im Jahr 2005 eingefroren und wacht 2505 in Deppenhausen wieder auf.

Dieses Jahr 2505 hält alles bereit, was wir heute schon kennen, nur dass es bis an die Grenze übersteigert wird. Werbung ist noch allgegenwärtiger als heute, im Fernsehen läuft eine Extremvariante von Jackass, im Kino wird ausschließlich gefurzt, der Zeitschriftenmarkt beschränkt sich auf Tittenblätter, es gibt nur noch Fastfood und der US-Präsident war früher mal Wrestler und Pornostar. Klar, dass unser Soldat aus dem Jahr 2005 in dieser Welt (wo er durch einen Computerfehler den schönen Namen Not Sure bekommt) der klügste Mann auf Erden ist. Zuerst mal macht er sich allerdings wegen seiner snobistischen Sprache und seinem komischen Verhalten sehr verdächtig, wird verhaftet und muss sich vor Gericht verantworten. Die Gerichtsverhandlung sieht natürlich aus wie Barbara Salesch auf Speed. Später wird Not Sure jedoch wegen seines hohen IQ zum Innenminister ernannt und bekommt die Aufgabe, das Problem der Dürre zu lösen.

Idiocracy macht sich keineswegs nur auf billige Weise über Doofies lustig (das auch, aber eher im Vorbeigehen), sondern versucht sich eher an Gesellschaftskritik. Mitverantwortlich für die allgemeine Verdummung sind die großen Firmen, die von der Dummheit des Volkes profitieren. Und einige dieser Firmen werden überraschend unverblümt genannt. Bei Starbucks z.B. gibt es in der Zukunft Handjobs statt Kaffee, die Fastfood-Ketten Fuddruckers und Carl’s Jr. kommen vor (und nicht gut weg), und es gibt den Fox News Channel (auf dem Bodybuilder mit nacktem Oberkörper die Nachrichten aufsagen).

Es gibt im Film einige ziemlich platte Gags, außerdem sieht man dem Film gelegentlich sein knappes Budget an, trotzdem macht Idiocracy unterm Strich richtig Spaß. Das Drehbuch hat genügend originelle Ideen, das Tempo stimmt, die Macher legten viel Wert auf kleine Details am Rande (Schilder, Werbeplakate u.ä.), und es gibt reichlich echte Lacher. Großartig z.B. die Szene, als Not Sure in einen Vergnügungspark geht, wo er eine kleine Geschichtslektion bekommt: „We’re gonna take you back to the year 1939 when Charlie Chaplin and his nazi regime enslaved Europe and tried to take over the world… But then an even greater force emerged, the U.N. [pronounced „un“] … and the U.N. un-nazied the world – forever.“

Eine wirklich witzige Komödie, die hoffentlich auf DVD noch ein kleiner Sleeper Hit werden kann. Sie hätt’s verdient.

Co-Autor des Films ist übrigens ein gewisser Etan Cohen, der aber nichts mit Ethan Coen zu tun hat und wohl auch kein Schreibfehler ist.

 

5 Gedanken zu „Auf DVD: Idiocracy

  1. Der Film hat nur einen offensichtlichen Filmfehler: Es wird keine 500 Jahre mehr dauern bis wir den Level an Dummheit erreicht haben.

Kommentare sind geschlossen.