Im TV: The Ladykillers (Ladykillers)

Als das Remake des Fünfziger-Jahre-Klassikers im Jahr 2004 ins Kino kam, habe ich dankend verzichtet. Coen-Brothers hin oder her. Das Original mit Alec Guinness gehört eigentlich zu jenen immerfrischen Filmen, die ein Remake überhaupt nicht nötig haben, weil sie sehr gut gealtert sind. Und ein großer Tom-Hanks-Fan bin ich auch nicht.

Zu Weihnachten lief der Film nun im Fernsehen, so dass ich ihn nun doch noch gesehen habe. Mit von vornherein ziemlich niedrigen Erwartungen. Und siehe da: Ich war, zumindest teilweise, positiv überrascht. Denn der Film ist wesentlich „coenesker“, als ich das erwartet hätte. Die Musik, das Setting, die Kameraeinstellungen — schon in den ersten Minuten stellt sich das gewisse Coen-Feeling ein. Das setzt sich fort in den hübschen Szenen, in denen Mitglieder von Tom Hanks‘ Ganoventruppe einzeln vorgestellt werden. Beim tumben Lump geschieht das mit subjektiver Kamera aus der Perspektive eines Football-Helms.

Zwar haben die Coen-Brüder die Handlung von London in die US-Südstaaten, von der Themse an den Mississippi verlegt, die eigentliche Story bleibt jedoch im Kern dem Original sehr treu. Letzteres hab ich vor ca. 15 Jahren gesehen und kann mich nicht mehr sehr gut dran erinnern, ein Detail jedoch ist hängengeblieben: die zu Entsorgungszwecken verwendeten Kohlezüge, und die werden auch bei den Coens wieder aufgegriffen und leitmotivisch immer wieder gezeigt. Allerdings in Form von Müllschiffen auf dem Mississippi, eine wirklich hübsche Variation.

Die Geschichte war im Original schon toll und wird von den Coens glücklicherweise nicht zerstört. Schwarzer Humor ist reichlich vorhanden, und den beherrschen die beiden nun mal. Leider setzt das Drehbuch auch stark auf Albernheiten und Slapstick, so dass der Film nach der schönen ersten halben Stunde zunehmend klamottig wird und erst am Ende, wenn das Personal nach und nach dezimiert wird, wieder mehr Spaß macht.

Bei Remakes spricht man ja gerne vom „Updaten“, vom Versetzen einer Filmhandlung in die Jetztzeit. Bei Ladykillers kann davon nicht so recht die Rede sein. Der Film spielt zwar im 21. Jahrhundert, das ist allerdings lediglich an der Figur des Gauners Gawain erkennbar, einem jungen Schwarzen, der alle Klischees des Gangsta-Rappers erfüllt. Ansonsten wirkt der Film merkwürdig aus der Zeit gefallen. Im Haus der alten Lady sieht es aus wie vor 50 Jahren, und Tom Hanks, der exzentrische Anführer der Truppe, gibt sich ohnehin als Freund der alten Künste, was sich auch in Sprache und Kleidung niederschlägt.

Unterm Strich bleibt ein Zwiespalt: The Ladykillers ist nicht so mies geworden wie gedacht und ist in meinen Augen eine klare Verbesserung gegenüber Intolerable Cruelty (Ein unmöglicher Härtefall), dem Vorgängerfilm der Coens, der einfach viel zu glatt war. In Ladykillers gibt es immerhin etliche der von Fans geschätzten Coen-Trademarks zu sehen, außerdem ist der Film hervorragend fotografiert. Trotzdem bleibt es letztlich ein Film, den kein Mensch gebraucht hätte. Dass es die Coens immer noch besser können, wird hoffentlich No Country for Old Men zeigen, der bald ins Kino kommt und dem es an Vorschusslorbeeren wahrlich nicht mangelt.

 

3 Gedanken zu „Im TV: The Ladykillers (Ladykillers)

  1. Ladykillers (Original) ist und bleibt eines. Nach deinem Review werde ich mir das Remake mal bei Gelegenheit ansehen. Bin jetzt gespannt wie ich es erlebe. Die Schauplätze des Originals in London sind mir durchweg vertraut, heute fädelt z.B. unweit der Brücke der Eurostar nach St. Pancras ein…

    Ich hoffe allerdings dass es noch lange dauert bis jemand ein Remake von „Arsenic and Lace“ in Angriff nimmt. Bei diesem habe ich die Sorge, dass ein Remake nicht gelingen kann, der Film steckt zu sehr im Kontext der späten 30er Jahre des 20. Jahrhunderts.

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