Im Kino: The Darjeeling Limited

Es beginnt mit Hotel Chevalier, einem kleinen Kurzfilm, der als eine Art Prolog dient. Jason Schwartzman in einem Hotel in Paris, und nach längerer Trennung kommt ihn seine Freundin besuchen, Natalie Portman. Portmans Figur werden wir am Ende des Hauptfilms nochmal ganz kurz wiedersehen, Schwartzman dagegen ist einer der Hauptdarsteller von The Darjeeling Limited.

Wer mit Filmen von Wes Anderson (Die Tiefseetaucher, The Royal Tenenbaums, Rushmore) nichts anfangen kann, wird Darjeeling Limited auch nicht mögen, denn der Regisseur pflegt seine Markenzeichen. Kauzige Menschen tun kauzige Dinge und reden in kauzigen Dialogen. In diesem Fall sind es drei Brüder, die in dem Zug, der so heißt wie der Film, durch Indien fahren. Francis Whitman (Owen Wilson) hat seine Brüder (Adrien Brody und eben Jason Schwartzman, den wir schon aus dem Vorfilm kennen) eingeladen auf eine „spirituelle Reise“, die er bereits akribisch durchgeplant hat und die sie schließlich zu ihrer gemeinsamen Mutter führen wird, die sie Jahre nicht mehr gesehen haben.

Zwar verläuft die Reise nicht so wie geplant, es gibt ein paar Zwischenfälle (eine tödliche Schlange, ein Rauswurf aus dem Zug und ein Todesfall), und das mit der Erleuchtung haut auch nicht so recht hin, doch zum Schluss finden die Brüder doch auf harmonische Weise zusammen und zu sich selbst und können zurückkehren in ihr Leben, vor dem sie eigentlich auf der Flucht waren.

The Darjeeling Limited ist kein Film über Indien, auch keine Satire auf hippieske Sinnsuche. Die Szenerie ist einfach diesmal der Hintergrund für die große Wes-Anderson-Show. Wie immer hat er Stammkräfte mit an Bord (Wilson, Schwartzman, Anjelica Huston und einen Miniauftritt von Bill Murray), wie immer geht es im Kern um ziemlich kaputte Familien, wie immer gibt es einen Soundtrack mit tollen Sechziger-Songs (diesmal mit ziemlich viel Kinks), wie immer wird viel Wert auf kleine Ausstattungsdetails gelegt und wie immer gibt es einen an Manieriertheit grenzenden Stilwillen in Andersons Bildern. Man kann das alles fürchterlich nervig finden, man kann sich aber auch einfach daran freuen.

Sich daran freuen, dass man hier einen warmen, sehr menschlichen und dabei wahnsinnig komischen Film bekommt, mit Bildern, die man sich als Kalender an die Wand hängen möchte. Und als deutscher Zuschauer (zumal in der Originalversion) kann man sich daran freuen, dass Wes Anderson offensichtlich die Deutschen ziemlich komisch findet. Nach der Figur des Klaus (Willem Dafoe in The Life Aquatic with Steve Zissou) sind es diesmal zwei alte Schachteln aus Deutschland, die im Zug mitfahren, sowie die Firma „Luftwaffe Automotive“, die in New York deutsche Autos verkauft.

Wenn das Kinojahr 2008 auch nur halbwegs so weitergeht, wie es begonnen hat, mache ich mir keine Sorgen.

 

5 Gedanken zu „Im Kino: The Darjeeling Limited

  1. Ja, ist ein sehr schöner Film. Ich fürchte nur, daß das Jahr *nicht* so weitergehen wird. Doch das eine oder andere Highlight wird’s wohl schon noch geben…

  2. Ein wunderbarer, ein genialer Film. Nur sind die Damn am Nebentisch ganz offensichtlich Eidgenossinnen. Aber viel weichtiger: Woher bekomme ich jetzt einen LUFTWAFFE AUTOMOTIVE-Aufkleber.

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