Im TV: Das Büro vs. The Office vs. Stromberg

Es war einmal eine englische Sitcom namens The Office. Die war ein Hit in Großbritannien und wurde von Pro Sieben inoffiziell geklaut. Was zwar eine Unverschämtheit war und ein Armutszeugnis, aber wider Erwarten für eine ausnehmend gute Sitcom sorgte, die im deutschen TV-Sumpf ziemlich einzigartig ist: Stromberg.

Auf dem Premiumkanal Super RTL, der tagsüber Kinderprogramm, am Vorabend immerhin Spongebob, abends Uralt-Konserven aus dem RTL-Fundus und nachts sogenannte „Infomercials“ (urkomische, aber nur sehr kurz ertragbare Teleshopping-Einlagen) zeigt, läuft jetzt die US-Variante synchronisiert unter dem Titel Das Büro (Freitags Samstags, kurz nach 23 Uhr).

Im Unterschied zu Stromberg wurde diese Serie vom US-Network NBC als offizielle Lizenz von der BBC eingekauft und ist nicht nur eine sehr ähnliche Adaption, sondern eine 1:1-Kopie des britischen Originals. Man benutzt die gleichen Drehbücher, der Plot ist in der ersten US-Folge identisch mit der ersten GB-Folge, teilweise sind auch die Dialoge die gleichen. Nur die Figuren sind andere. Statt Ricky Gervais, der mit The Office in England zum Comedy-Superstar aufstieg und den bei uns immer noch kein Schwein kennt, wird der Chef gespielt von Steve Carell, den man vielleicht aus dem Kinofilm 40-Year-Old Virgin kennt oder als den suizdalen Onkel aus Little Miss Sunshine. Außerdem dabei: Rainn Wilson, der eine zeitlang Azubi bei den Fishers in Six Feet Under war.

Die deutsche Synchro ist zwar nicht miserabel, aber sie beraubt das Format um ein ganz wichtiges Element. The Office ist als Pseudo-Dokumentation angelegt, das (unsichtbare) Kamerateam ist immer mit dabei, verstohlene Blicke der Darsteller in die Kamera gehören (in allen drei Formaten) mit dazu. Durch die Synchronisation wirkt aber alles zwangsläufig weniger realistisch, also fiktionaler.

Das Label Polyband, das das BBC-Original in Deutschland auf DVD veröffentlicht, hat daher alles richtig gemacht: hier gibt es keine Synchronisation sondern „nur“ deutsche Untertitel. So bleibt der dokumentarische Charakter erhalten und nicht zuletzt auch der Sprachwitz.

Und auch Pro Sieben hat, wie man jetzt am US-Office sehen kann, das richtige gemacht. Wenn man schon nicht das Original zeigen will oder kann (unsynchronierte Serien sind nunmal ein No-Go im Mainstream-Fernsehen), dann dreht man doch lieber selber eine eigene, originelle Adaption. Und da gewinnt Stromberg deutlich gegenüber dem US-Format. Ersteres übernimmt die grundlegende Idee und strickt daraus etwas eigenständiges. Auch Menschen, die The Office (das Original) bereits kennen, können Spaß an Stromberg haben. Die US-Version dagegen können sie sich sparen, denn warum sollte man sich die exakt gleichen Geschichten und Gags nochmal ansehen, nur mit anderen Schauspielern?

Dass Pro Sieben am Anfang so getan hat, als habe Stromberg überhaupt nichts mit The Office zu tun und erst nach einer Klagedrohung der BBC ab der zweiten Staffel einen „Inspired by“-Credit in den Abspann aufnahm (und vermutlich auch Geld abdrückte), ist und bleibt allerdings peinlich.

Edit: Wikipedia sagt mir gerade, dass die Handlung der US-Serie nur in der Pilotfolge identisch ist. Nunja, ich bleibe trotzdem lieber beim britischen Original.

Leider bleibt Abkupfern wohl in Mode und leider führt Abkupfern nur ganz selten zu so guten Ergebnissen wie Stromberg (oder wie die ebenfalls gelungene Reihe Pastewka, die sehr sehr lose auf der US-Serie Curb Your Enthusiasm basiert). Jüngstes Beispiel ist Sat 1, wo man aus der britischen IT Crowd das deutsche iTeam gemacht hat. Es wird nicht das letzte bleiben.

 

7 Gedanken zu „Im TV: Das Büro vs. The Office vs. Stromberg

  1. Das kann ich beim besten Willen nicht nachempfinden. Natürlich ist das britische Original ungeschlagen und übertrumpft das US-Remake (übrigens produziert von Ricky Gervais und gespickt mit Gastregisseuren wie JJ. Abrams und Joss Whedon) um Längen, was schauspielerische Leistung und Authetizität angeht. Auch empfinde ich die überpiepten Schimpfwörter und unkenntlich gemachten Brüste oder Penisse der Nordamerikanischen Variante als nervig. Dennoch: die US-Serie entwickelt eine völlig eigene Dynamik und neue Storybögen, beispielsweise um Tims Equivalent Jim und seine Affaire mit Dawns Pendant Pam. Stromberg hingegen glänzt (zumindest in den beiden Folgen, die ich ertragen mußte) mit der Ausnahme von Christoph Maria Herbst, der gar nicht erst versucht, sein Original zu kopieren, mit der Abwesenheit jeglicher schauspielerischen Leistung, die Dialoge sind stumpf, größtenteils unkreativ und so unmotiviert dargestellt, daß kein Vergleich mit dem realen Leben aufkommen kann und einer der für diese Art Komik wichtigsten Aspekte, der Fremdschämfaktor, gar nicht erst aufkommt. Ich würde die US-Fassung dem billigen deutschen Abklatsch immer vorziehen.

  2. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich die US Version besser finde, als die UK Version. Was möglicherweise auch daran liegt, dass ich mir bei der UK Version etwas schwer tue, erstens mit dem Sprachverständniss, und zweitens ist mir die Qualität dann auch etwas zu schlecht -> zu Home-Video-haft.
    Aber die deutsche Version gefällt mir dann überhaupt nicht. Vor allem Ulf und Bert finde ich total nervig. Schlecht gespielt und der ganze Charme geht bei den beiden komplett verloren. Vor allem Ulf ist nicht lustig und seine „Streiche“ sind einfach nur dumme Beleidigungen. Da gefällt mir die Beziehung der beiden im Amerikanischen viel besser. Jim ist zwar nicht immer nett zu Dwight, aber seine Scherze sind um einiges lustiger als die gemeinen Beleidigungen von Ulf. Also ich kann der deutschen Version gar nichts abgewinnen, und das einzige dass an Stromberg „witzig“ ist, ist dass er kein einziges Sprichwort richtig sagen kann, ansonsten ist er auch nur ein langweiliger Macho der extrem arogant ist.

  3. Ja klar / alkes was von Britain kommt , ist besser, Right ? – wahrscheinlich wegen dem Akzent? Pöesee … Die amerikanische The Office ist tausendmal sympathischer, lustiger, snarter und origineller als das was Rickx- Bosheit- Gervais auftischt .nur die erste Staffel der amerikanischen Office übernahm die englische Version 1/1 treu und dabei war sie auch ungenießbar – Steve careell’s Michael Scott verwandelte sich glücklicherweise in seine eigene Persönlichkeit – und ließ Giftzwerg Gervais in seinem Schatten . Es bleibt weiterhin die beste Network Show die bis dato produziert wurde . Stromberg ist eine gute Kopie – besonderd gemessen an den lächerlichen Krimis die Deutschland aufregend wirken lassen wollen . Stromberg ist beeindruckend lustig für German tv. Steve. Carrell sieht besse aus als Stromberg Aber der deutsche Dwght Schrute ist fantastisch . So please dont believe the hype – Ricky’s Office ist di die schlimmste Verein

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