Kurze Klassiker

Hier ein paar ältere, weithin bekannte Filme, die ich unlängst (auf DVD) oder im Fernsehen geguckt habe, und zu denen ich jeweils nur ein paar kurze Sätze loswerden wollte.

Lola rennt (Tom Tykwer, D 1998)
Hat mich seinerzeit im Kino wirklich begeistert. Die Idee, eine Geschichte dreimal zu erzählen und in unterschiedliche Richtungen zu entwickeln, mag nicht neu gewesen sein, aber so konsequent, so überzeugend und so kompakt hatte man das noch nicht gesehen, schon gar nicht in einem deutschen Film. Dazu eine bis in die Nebenrollen perfekte Besetzung und eine sehr stylishe Umsetzung. Kommt auch nach fast 10 Jahren noch ganz schön modern daher.

Barbarella (Roger Vadim, ITA/FR 1968)
Dieses Lieblings-Science-Fiction-Trashkind vieler Fans fand ich weniger unterhaltsam, als ich mir’s gewünscht hätte. Das Highlight kommt gleich am Anfang, der Vorspann (ein schwereloser Weltraumstriptease) ist wirklich großartig. Von da an hat Barbarella zwar einen gewissen Trash-Charme, viel poppig-bunte Candiness inklusive passender Musik und einen doch irgendwie erfrischend lockeren Umgang mit dem Thema Sex. Funktioniert als Nummernrevue, über die man lachen kann, weil’s aus heutiger Sicht so schön unbeholfen aussieht (die Flugszenen mit Pygar, dem Engel!), aber eine durchgehend interessante und unterhaltsame Geschichte hat mir der Film nicht erzählt.

Mein liebster Feind (Werner Herzog, D 1999)
Werner Herzog erzählt von sich und seiner Hass-Liebe zu Klaus Kinski, den er bewundert und verabscheut, und mit dem er immer wieder arbeiten musste, auch wenn es kaum zu ertragen war. Gleichzeitig ist die Doku ein schöner Überblick über das gemeinsame Werk von Herzog/Kinski und eine Hommage eines Regisseurs an einen Mann, dem er viel zu verdanken hat. Und trotz seines manchmal weinerlich klingenden Sounds ist Werner Herzog ein Mann, dem man wirklich zuhören kann. Von mir aus hätte der Film gerne noch ne Stunde länger gehen können.

Some Like It Hot (Manche mögen’s heiß) (Billy Wilder, USA 1959)
Gilt manchem als die beste Komödie, die je gedreht wurde. Sie ist jedenfalls nahezu perfekt (obwohl ja niemand perfekt ist, hihi). Schon erstaunlich, wie frisch, temporeich, witzig und sexy ein Film nach 48 Jahren immer noch sein kann.

Annie Hall (Der Stadtneurotiker) (Woody Allen, USA 1977)
Woody Allen auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Hat alles, was Allen-Filme ausmacht: Diane Keaton, die Mischung aus Tragik und Komik, permanentes Reden über Sex, New York und Judentum, und einige wirklich brillante Momente (z.B. eine Zeichentricksequenz, Cameos von Truman Capote und Marshall McLuhan).

Stardust Memories (Woody Allen, USA 1980)
Woody Allen erzählt ohnehin immer von sich selbst, hier aber am allermeisten. Wie immer spielen Frauen und Psychiater die wichtigste Rolle in seinem Leben. Hier aber ist das sehr gegen den Strich gebürstet. Stardust Memories ist sein Stinkefinger an nervige Fans, Kritiker und die kommerziellen Filmstudios. Der Film wirkt genauso wirr und irritierend, wie er vermutlich gedacht war, beginnt aber leider nach einer halben Stunde, sich ziemlich im Kreis zu drehen bzw. auf der Stelle zu treten. Wird nicht mein Lieblings-Allen.

Ran (Akira Kurosawa, JAP/FR 1985)
Reinhold Beckmann präsentiert in roter Jeansjacke aktuelle Bundesligaspiele und interviewt die launigen Ausländer Dragoslav Stepanovic und Giovanni Trappatoni. Nee, warte mal, das ging anders…
Opulentes Historiendrama von Kurosawa nach Motiven von Shakespeares King Lear, in der ein alter Fürst sein Imperium an den ältesten Sohn übergibt und sich zwischen dem Sohn, dessen Brüdern, ihren Ehefrauen und dem greisenhaften Vater ein Netz von Intrigen entspinnt. Und am Schluss sind alle tot. Extrem ruhig erzählt, mit sehr langen Einstellungen, erfordert der Film viel Geduld vom Zuseher und ist nicht gerade leichte Unterhaltung, bietet aber formal viel Interessantes. Zum Beispiel die Tatsache, dass die Dialoge fast immer in der Halbtotalen gefilmt sind, und die gewohnte Schuss-Gegenschuss-Technik kaum benutzt wird. Fühlt sich ein bisschen an wie Theater,

 

Ein Gedanke zu „Kurze Klassiker

  1. Barbarella macht ja gerade deswegen Spaß WEIL der Film keine richtige Story erzählt… ;-)
    Ad Astra

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