Im TV: Herzog

Als Niels Ruf damals™ noch bei Viva Zwei Kamikaze moderiert hat, da mochte ich das schon ganz gerne. Irgendwann bin ich dann in eine Stadt ohne Viva Zwei im Kabelnetz gezogen, der Sender wurde eingestellt, Herr Ruf war kurz in den Klatschspalten, dann auf Tauchstation und hat jetzt eine Latenighthow unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nun ist er als Schauspieler zurück, und weil die Kritiken nicht ganz schlecht waren und ich wissen wollte, was Ruf inzwischen so tut, hab ich mir mal die ersten beiden Folgen der RTL-Comedyserie Herzog angesehen.

„RTL-Comedyserie“ ist natürlich schon mal ein warnender Begriff. Da macht man normalerweise große Bögen drum. Und trotzdem hat Herzog einiges an Lob eingefahren. Für mich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, also zwischen „gutem Fernsehen“ und „Privatsender-Comedy-Müll“. Unter den Blinden ist der Einäugige schnell mal König, und das eine Auge von Herzog ist durchaus ganz gut. Ich musste pro Folge ungefähr 1-2mal laut lachen, was für mich keine schlechte Quote ist, weil ich nicht so der Laut-Lacher bin.

Die beiden Folgen waren ordentlich geskriptet, hatten eine durchgehende, funktionierende Dramaturgie, recht gelungenes Timing und waren ziemlich gut besetzt mit mir unbekannten Schauspielern. Niels Ruf spielt die Rolle, die er auch als Moderator immer gespielt hat: das arrogante Ekel vom Dienst, frauenfeindlich und rücksichtslos, aber doch irgendwie sympathisch. Simon Herzog ist Scheidungsanwalt und hat es dadurch stets mit Problemen zwischen Männlein und Weiblein zu tun. Gerne genommen werden Gags, die rund um die Gürtellinie zu verorten sind. Kommt halt gut an in der Zielgruppe und hat man schon wesentlich schlechter gesehen. Außerdem geht Herzog gerne mal dahin, wo sich andere nicht hintrauen, es gibt Gags, die angenehm böse und gemein und nicht-PC sind. Dass die verhandelten Rechtsfälle recht simpel und klischeehaft gestrickt sind und man die Auflösung einen Kilometer gegen den Wind riechen kann, von mir aus. Das hier ist Comedy und hat nicht den Anspruch, seriöse Anwaltsgeschichten zu erzählen. Das wäre dann eine andere RTL-Serie, die man aber nach einer Folge versenkt hat.

Auch Herzog hat nicht grade die besten Quoten und man würde sich über eine Einstellung nicht wundern. Bis es soweit ist, ist die Serie gut goutierbare Unterhaltung, die man sich mal anschauen kann, „wenn grad nix besseres kommt“. Und wenn man sich das Freitagabend-Programm so ansieht, dürfte diese Situation nicht ganz unwahrscheinlich sein.

Herzog wird übrigens auch bei RTLnow als Streaming-Angebot gezeigt.

 

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