Archive for Januar, 2008

Trailerschau für Filmstarts vom 17.1.

Im Kino sehen:
Once: Irische Romanze mit viel Musik und wenig Kitsch. Mein Tipp der Woche.

Auf die DVD warten:
Saibogujiman kwenchana (I’m a Cyborg, but that’s ok): Das durchgeknallte Pop-Märchen von Park Chan-Wook um ein Mädchen, dass sich für einen Roboter hält, irritierte die Leute schon letztes Jahr auf der Berlinale. Ein knappes Jahr später hat er’s doch noch in ein paar Kinos geschafft.

Vielleicht mal im Fernsehen:
Nadzieja (Hope): Die polnisch-deutsche Koproduktion sieht eher aus wie ein Fernsehfilm, aber einer der besseren. Ein Krimidrama um einen jungen Mann, der einen Kunstdiebstahl beobachtet hat und sich nicht an die Polizei, sondern an die Diebe wendet.

The Kite Runner (Drachenläufer): Eine Familiengeschichte in Afghanistan. Bestsellerverfilmung von Marc Forster, der als nächstes den Bond Nr. 22 dreht. Nicht meine Tasse Tee.

Self Made Paradise: Doku über Spinner verschrobene “self-made artists” und Lebenskünstler in Finnland.

Muss nicht sein:
The Mist (Der Nebel): Frank Darabont verfilmt zum dritten Mal Steven King. Im Gegensatz zu Green Mile und Die Verurteilten ist es diesmal eher klassischer Horror. Muss ich nicht haben.

Fallen: Sehr sehr weibliches Kino aus Österreich.

P.S., I Love You (P.S. Ich liebe Dich): Mainstream-Romantik-Schmonz mit Hilary Swank und König Leonidas aus 300.

Joshua: Och nö, nicht schon wieder gruslige Kinder…

Maskeli Besler – Kibris (Maskierte Bande – Zypern): Teil 3 einer türkischen Erfolgskomödie, der aus unerfindlichen Gründen erst frei ab 18 Jahren ist.

CD der Woche

Wenn Hike ein Stöckchen wirft, ist mir das Aufgabe und Verpflichtung.

Das sind die Regeln:
1. First, get the name of your band: this will be the first article title on http://en.wikipedia.org/wiki/Special:Random
2. Get the title of your album: the last four words of the very last quote: http://www.quotationspage.com/random.php3
3. The third picture, no matter what it is, is your album cover: http://www.flickr.com/explore/interesting/7days

Das kam dabei raus:

Der Wikipedia-Zufallseintrag: Francisco Maldonado da Silva
Das Zufallszitat: “No one is ready for a thing until he believes he can acquire it.” (Napoleon Hill, Think and Grow Rich)
Das Zufalls-Flickr-Bild von 365bunnies

Losgetreten wurde das bei Delphinehauen, dort gibt’s auch zahlreiche andere hübsche Cover. Und ich werf den Stock weiter zu Piwi und ins Knallgäu.

Auf DVD: The Proposition (The Proposition – Tödliches Angebot)

Australien, 1880. Eine gewalttätige Verbrecherbande, bestehend aus drei Brüdern, treibt ihr Unwesen. Der zuständige Polizei-Captain ertappt die zwei jüngeren Brüder auf frischer Tat und macht einen Deal: Der Jüngste wird verhaftet, der Mittlere, Charlie, kommt auf freien Fuß und kann mit einer Begnadigung rechnen, wenn er im Gegenzug den ältesten Bruder, den vermeintlichen Anführer, tötet.

Während Charlie (Guy Pierce) also loszieht und seinen Bruder sucht, muss der Captain feststellen, dass er sich mit seiner im Alleingang gefällten Entscheidung in eine Zwickmühle manövriert hat. Der Mob will den jüngsten Bruder hängen sehen, der Vorgesetzte des Captains ist sauer, dass er Charlie laufen ließ und auch seine Ehefrau (großartig: Emily Watson) kann seine Entscheidung nicht verstehen.

The Proposition ist kein echter Western (denn im Westen spielt er ja nicht), fühlt sich aber über weite Strecken so an. Mit seinen ruhigen Passagen, seinen knorrigen, wortkargen Charakteren und der atmosphärischen Musik erinnert er an die großen Italowestern von Sergio Leone, ist aber obendrein auch subtiler Psychokrimi und elegante Studie über das Wesen des Siedelns in einem fremden Land. Das Drehbuch zu diesem wirklich sehenswerten Film stammt übrigens von Nick Cave, der natürlich auch die Musik gemacht hat.

Wunderbar sind die herrlichen Bilder der kargen australischen Landschaft. Ganz und gar nicht wunderbar ist das Finale des Films: ein knallharter, blutiger, bitterböser und sehr pessimistischer Schlag in die Magengrube, der wirklich wehtut. Aber gerade dieses finstere Ende macht The Proposition zu einem außergewöhnlichen Film, der nachhallt. Und außerdem: Fliegen! Das lästige Geschmeiß ist überall in diesem Film und macht die drückende Hitze, das schwitzige und schmutzige im australischen Outback erfahrbar.

Kurze Klassiker

Hier ein paar ältere, weithin bekannte Filme, die ich unlängst (auf DVD) oder im Fernsehen geguckt habe, und zu denen ich jeweils nur ein paar kurze Sätze loswerden wollte.

Lola rennt (Tom Tykwer, D 1998)
Hat mich seinerzeit im Kino wirklich begeistert. Die Idee, eine Geschichte dreimal zu erzählen und in unterschiedliche Richtungen zu entwickeln, mag nicht neu gewesen sein, aber so konsequent, so überzeugend und so kompakt hatte man das noch nicht gesehen, schon gar nicht in einem deutschen Film. Dazu eine bis in die Nebenrollen perfekte Besetzung und eine sehr stylishe Umsetzung. Kommt auch nach fast 10 Jahren noch ganz schön modern daher.

Barbarella (Roger Vadim, ITA/FR 1968)
Dieses Lieblings-Science-Fiction-Trashkind vieler Fans fand ich weniger unterhaltsam, als ich mir’s gewünscht hätte. Das Highlight kommt gleich am Anfang, der Vorspann (ein schwereloser Weltraumstriptease) ist wirklich großartig. Von da an hat Barbarella zwar einen gewissen Trash-Charme, viel poppig-bunte Candiness inklusive passender Musik und einen doch irgendwie erfrischend lockeren Umgang mit dem Thema Sex. Funktioniert als Nummernrevue, über die man lachen kann, weil’s aus heutiger Sicht so schön unbeholfen aussieht (die Flugszenen mit Pygar, dem Engel!), aber eine durchgehend interessante und unterhaltsame Geschichte hat mir der Film nicht erzählt.

Mein liebster Feind (Werner Herzog, D 1999)
Werner Herzog erzählt von sich und seiner Hass-Liebe zu Klaus Kinski, den er bewundert und verabscheut, und mit dem er immer wieder arbeiten musste, auch wenn es kaum zu ertragen war. Gleichzeitig ist die Doku ein schöner Überblick über das gemeinsame Werk von Herzog/Kinski und eine Hommage eines Regisseurs an einen Mann, dem er viel zu verdanken hat. Und trotz seines manchmal weinerlich klingenden Sounds ist Werner Herzog ein Mann, dem man wirklich zuhören kann. Von mir aus hätte der Film gerne noch ne Stunde länger gehen können.

Some Like It Hot (Manche mögen’s heiß) (Billy Wilder, USA 1959)
Gilt manchem als die beste Komödie, die je gedreht wurde. Sie ist jedenfalls nahezu perfekt (obwohl ja niemand perfekt ist, hihi). Schon erstaunlich, wie frisch, temporeich, witzig und sexy ein Film nach 48 Jahren immer noch sein kann.

Annie Hall (Der Stadtneurotiker) (Woody Allen, USA 1977)
Woody Allen auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Hat alles, was Allen-Filme ausmacht: Diane Keaton, die Mischung aus Tragik und Komik, permanentes Reden über Sex, New York und Judentum, und einige wirklich brillante Momente (z.B. eine Zeichentricksequenz, Cameos von Truman Capote und Marshall McLuhan).

Stardust Memories (Woody Allen, USA 1980)
Woody Allen erzählt ohnehin immer von sich selbst, hier aber am allermeisten. Wie immer spielen Frauen und Psychiater die wichtigste Rolle in seinem Leben. Hier aber ist das sehr gegen den Strich gebürstet. Stardust Memories ist sein Stinkefinger an nervige Fans, Kritiker und die kommerziellen Filmstudios. Der Film wirkt genauso wirr und irritierend, wie er vermutlich gedacht war, beginnt aber leider nach einer halben Stunde, sich ziemlich im Kreis zu drehen bzw. auf der Stelle zu treten. Wird nicht mein Lieblings-Allen.

Ran (Akira Kurosawa, JAP/FR 1985)
Reinhold Beckmann präsentiert in roter Jeansjacke aktuelle Bundesligaspiele und interviewt die launigen Ausländer Dragoslav Stepanovic und Giovanni Trappatoni. Nee, warte mal, das ging anders…
Opulentes Historiendrama von Kurosawa nach Motiven von Shakespeares King Lear, in der ein alter Fürst sein Imperium an den ältesten Sohn übergibt und sich zwischen dem Sohn, dessen Brüdern, ihren Ehefrauen und dem greisenhaften Vater ein Netz von Intrigen entspinnt. Und am Schluss sind alle tot. Extrem ruhig erzählt, mit sehr langen Einstellungen, erfordert der Film viel Geduld vom Zuseher und ist nicht gerade leichte Unterhaltung, bietet aber formal viel Interessantes. Zum Beispiel die Tatsache, dass die Dialoge fast immer in der Halbtotalen gefilmt sind, und die gewohnte Schuss-Gegenschuss-Technik kaum benutzt wird. Fühlt sich ein bisschen an wie Theater,

Award Season ’08

Heute Nacht werden die Golden Globe Awards dank Autorenstreik ohne Gala in einer schmucklosen Pressekonferenz rausgehauen. Die Übertragung bei Pro Sieben scheint auszufallen, was auch konsequent und erwartbar ist, weil es dem Sender sowieso aussschließlich um den Star- und Glamourfaktor solcher Events geht, und der fällt dieses Jahr nunmal flach. Für den Oscar wird Hollywood sicher alles tun, um ein solches Debakel zu vermeiden — man darf gespannt sein. Zum Thema Oscar gibt es eine schöne Polemik des Schauspielers Britt Leach, der seit 17 Jahren Mitglied der Academy ist.

In diesem Text beklagt er sich über die ständigen Sicherheitswarnungen und Strafandrohungen auf den Screener-DVDs, die er von den Studios “for his consideration” erhält. Und da die DVDs angeblich persönlich codiert und damit im Falle von Piraterie zur Quelle zurückverfolgt werden können, sieht er nur eine Lösung, wenn er ganz sicher ausschließen will, nicht im Gefängnis zu landen…

(via Alex per Mail)

Im TV: Das Büro vs. The Office vs. Stromberg

Es war einmal eine englische Sitcom namens The Office. Die war ein Hit in Großbritannien und wurde von Pro Sieben inoffiziell geklaut. Was zwar eine Unverschämtheit war und ein Armutszeugnis, aber wider Erwarten für eine ausnehmend gute Sitcom sorgte, die im deutschen TV-Sumpf ziemlich einzigartig ist: Stromberg.

Auf dem Premiumkanal Super RTL, der tagsüber Kinderprogramm, am Vorabend immerhin Spongebob, abends Uralt-Konserven aus dem RTL-Fundus und nachts sogenannte “Infomercials” (urkomische, aber nur sehr kurz ertragbare Teleshopping-Einlagen) zeigt, läuft jetzt die US-Variante synchronisiert unter dem Titel Das Büro (Freitags Samstags, kurz nach 23 Uhr).

Im Unterschied zu Stromberg wurde diese Serie vom US-Network NBC als offizielle Lizenz von der BBC eingekauft und ist nicht nur eine sehr ähnliche Adaption, sondern eine 1:1-Kopie des britischen Originals. Man benutzt die gleichen Drehbücher, der Plot ist in der ersten US-Folge identisch mit der ersten GB-Folge, teilweise sind auch die Dialoge die gleichen. Nur die Figuren sind andere. Statt Ricky Gervais, der mit The Office in England zum Comedy-Superstar aufstieg und den bei uns immer noch kein Schwein kennt, wird der Chef gespielt von Steve Carell, den man vielleicht aus dem Kinofilm 40-Year-Old Virgin kennt oder als den suizdalen Onkel aus Little Miss Sunshine. Außerdem dabei: Rainn Wilson, der eine zeitlang Azubi bei den Fishers in Six Feet Under war.

Die deutsche Synchro ist zwar nicht miserabel, aber sie beraubt das Format um ein ganz wichtiges Element. The Office ist als Pseudo-Dokumentation angelegt, das (unsichtbare) Kamerateam ist immer mit dabei, verstohlene Blicke der Darsteller in die Kamera gehören (in allen drei Formaten) mit dazu. Durch die Synchronisation wirkt aber alles zwangsläufig weniger realistisch, also fiktionaler.

Das Label Polyband, das das BBC-Original in Deutschland auf DVD veröffentlicht, hat daher alles richtig gemacht: hier gibt es keine Synchronisation sondern “nur” deutsche Untertitel. So bleibt der dokumentarische Charakter erhalten und nicht zuletzt auch der Sprachwitz.

Und auch Pro Sieben hat, wie man jetzt am US-Office sehen kann, das richtige gemacht. Wenn man schon nicht das Original zeigen will oder kann (unsynchronierte Serien sind nunmal ein No-Go im Mainstream-Fernsehen), dann dreht man doch lieber selber eine eigene, originelle Adaption. Und da gewinnt Stromberg deutlich gegenüber dem US-Format. Ersteres übernimmt die grundlegende Idee und strickt daraus etwas eigenständiges. Auch Menschen, die The Office (das Original) bereits kennen, können Spaß an Stromberg haben. Die US-Version dagegen können sie sich sparen, denn warum sollte man sich die exakt gleichen Geschichten und Gags nochmal ansehen, nur mit anderen Schauspielern?

Dass Pro Sieben am Anfang so getan hat, als habe Stromberg überhaupt nichts mit The Office zu tun und erst nach einer Klagedrohung der BBC ab der zweiten Staffel einen “Inspired by”-Credit in den Abspann aufnahm (und vermutlich auch Geld abdrückte), ist und bleibt allerdings peinlich.

Edit: Wikipedia sagt mir gerade, dass die Handlung der US-Serie nur in der Pilotfolge identisch ist. Nunja, ich bleibe trotzdem lieber beim britischen Original.

Leider bleibt Abkupfern wohl in Mode und leider führt Abkupfern nur ganz selten zu so guten Ergebnissen wie Stromberg (oder wie die ebenfalls gelungene Reihe Pastewka, die sehr sehr lose auf der US-Serie Curb Your Enthusiasm basiert). Jüngstes Beispiel ist Sat 1, wo man aus der britischen IT Crowd das deutsche iTeam gemacht hat. Es wird nicht das letzte bleiben.

Bei der Geburt getrennt? (3)

  

Helge Schneider und Muammar al-Gaddafi

Trailerschau für Filmstarts vom 10.1.

Auf die DVD warten:
Control: Der erste Film vom berühmten Rock-Fotografen Anton Corbijn. Wäre Pflicht, wenn ich mich ein bisschen für Joy Division interessieren würde. Aber mit denen werde ich nicht warm. Filmisch sieht das trotzdem interessant aus.

Vielleicht mal im Fernsehen:
I Am Legend: Blockbuster mit Will Smith als letztem Mensch auf Erden. Taugt immerhin als Anreiz, vielleicht mal die Buchvorlage oder die erste Verfilmung mit Vincent Price zu begutachten.

Berlin am Meer: Der Trailer sieht zwar ein bisschen wie ein Werbespot für Szene-Bier aus, könnte aber trotzdem ein ganz sympathisches Filmchen sein.

Blindsight: Krasse Idee: Bergsteiger aus dem Westen unternehmen zusammen mit tibetischen Jugendlichen eine Expedition auf einen Achttausender. Alle Jugendlichen und ein Teil der Erwachsenen sind blind. Wenn aber die ganze Doku so sehr auf Drama getrimmt ist wie der Trailer, dann will ich das eher nicht sehen.

Muss nicht sein:
La fille coupée en deux (Die zweigeteilte Frau): Der neue Chabrol, mit Ludivine Sagnier. Wieviele Filme über Affären zwischen alten Männern und jungen Frauen haben die Franzosen eigentlich schon gedreht?

El Ratón Pérez (Herr Figo und das Geheimnis der Perlenfabrik): Kinderfilm aus Spanien, in dem (ähnlich wie bei Stuart Little) eine digital animierte Maus durch den Realfilm spaziert und bei den Kindern die Milchzähne abholt (drum trägt der Film auf englisch den schönen Titel The Hairy Toothfairy).

Tapas: Feelgood-Film aus Spanien, dessen Trailer leider nur spanisch spricht.

Evening (Spuren eines Lebens): Mütter-und-Töchter-Drama, bei dem ich das Gefühl nicht loswerde, dass es allzusehr auf die Zielgruppe “Frau” hingetrimmt wurde. Außerdem: Glenn Close und Meryl Streep in einem Film. Wenn ich den anschauen würde, müsste mein Gehirn wegen Überforderung implodieren.