Im Kino: Cloverfield

Die Formel ist bereits fürchterlich abgedroschen, aber sie bringt die Sache nunmal perfekt auf den Punkt: Godzilla meets Blair Witch Project.

Cloverfield ist ein klassisches Monster Movie mit einem sehr modernen Anstrich. Inhaltlich gibt es wenig neues: Ein riesengroßes fieses Monster (Herkunft: unbekannt) taucht in New York auf und beginnt eine Zerstörungsorgie. Ein paar Menschlein versuchen sich und andere zu retten, und das Militär mischt auch mit. Neu ist die Art, wie der Film erzählt wird, nämlich komplett aus der subjektiven Sicht von ein paar jungen Leuten. Einer von ihnen dokumentiert gerade eine Party mit einer Videokamera, und da das Tape nunmal läuft, filmt er nach dem ersten Angriff des Monsters einfach weiter. Der Film beginnt mit einer Einblendung, die besagt, dass es sich hier um Filmaufnahmen handelt, die im Central Park gefunden wurden und die man jetzt unkommentiert zu sehen bekomme.

Und so ist es dann auch: Wir sehen private Videoaufnahmen. Ton, Farben und Bildschärfe haben zwar eher Kino- als DV-Qualität, aber die Kamera wackelt und wackelt. Und wackelt. Und fällt auch mal runter, oder das Band setzt kurz aus und man sieht das, was ein paar Wochen vorher auf dem Band aufgenommen wurde. Und tatsächlich: die Aufnahmen wirken kaum gekünstelt, sondern erstaunlich realistisch (die deutsche Synchro allerdings wirkt nicht sonderlich lebensnah). Und es funktioniert. Wir sind genauso ahnungslos wie Kamerakind Hud und seine Freunde, und genau wie er sehen wir immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit und nie das „Big Picture“, und das sorgt für enorme Spannung. Zumindest beim ersten Ansehen. Beim zweiten Mal dürfte sich diese Wirkung schon ziemlich verbraucht haben. Auch die Tatsache, dass der Film komplett ohne große Namen auskommt, trägt zum realistischen Feeling bei, und sparte natürlich auch eine Menge Geld (Ob es allerdings ausgerechnet diese ultraglatten, uninteressanten 08/15-Gesichter sein mussten, ist die andere Frage).

Denn das ist letztlich das Phänomenale an Cloverfield: Wie hier mit bescheidenen finanziellen Mitteln ein Blockbuster-Genrefilm gemacht wurde, und das liegt nicht zuletzt an der cleveren Marketingkampagne, die Produzent und Lost-Erfinder J.J. Abrams ausgeheckt hat. Allerdings muss man sagen, dass der Film nur dann so richtig gut funktioniert, wenn man ihn als einen Baustein von vielen sieht, neben all den anderen im Netz gestreuten Infos und Fake-Websites. Dann wiederum fragt man sich, warum im Film keinerlei Bezug auf solche Dinge wie die japanische Firma Tagruato oder den Slusho-Softdrink genommen wird. Schade eigentlich.

Sollten die Macher am Cloverfield-Mythos noch weiterschrauben (z.B. mit einem zweiten Film, der die Aufnahmen einer anderen Kamera zeigt), könnte daraus ein ziemlich cleveres ARG-Ding werden. Und natürlich wüsste man gerne, wie es mit dem Monster (oder sind’s gar mehrere?) weitergeht. Denn der Film endet erwartungsgemäß ziemlich offen, irgendwann macht’s nochmal so richtig bumm und dann hört die Kamera halt auf zu Filmen. Ob das Monster besiegt werden kann, ob New York weiterexistiert oder nicht, erfahren wir nicht.

Die Popcorn-Teens, die mit mir im Kino waren, waren davon übrigens ganz schön irritiert. Das offene Ende und die kurze Laufzeit des Films hat denen gar nicht gefallen… Für mich war’s jedenfalls ein spannendes Monster Movie ohne viel Tiefgang, aber mit hohem Unterhaltungswert.

 

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