100 Jahre Ohrensessel

Der Ohrensessel, dieser äußerst unterhaltsame und empfehlenswerte Film-Podcast, geleitet und angetrieben von Bernd Begemann, gehostet und finanziert von Universal Pictures (aber trotzdem ziemlich unabhängig), feierte letzte Woche seine 100. Folge. Diese könnte, so scheint es im Moment, die letzte gewesen sein. So interpretiere ich jedenfalls die Andeutungen in Folge #100: Es geht um Filme, die Selbstmorde zum Thema haben, und es scheint, als wollten Begemann und seine Mitstreiter damit auch den Ohrensessel zu Grabe tragen.

Kleine Zerfallserscheinungen gab es schon vorher: In Folge #97 verabschiedete sich Benjamin Maack aus dem dreiköpfigen Team. Ein Verlust, denn Benjamin redet gerne und viel, was für ein Audio-Angebot nicht das schlechteste ist. In Folge #98 und #99 wurde er vom neuen Teammitglied Kai Otto vertreten, den 100. Teil bestritt Begemann dann zu zweit mit Ben Schadow, der in den ersten 99 Folgen immer sehr zurückhaltend und schweigsam aufgetreten war.

Diese Woche fällt der Podcast erstmal aus, offiziell wegen Grippe. Sollte es danach keine Folge #101 mehr geben, es wäre tatsächlich ein ziemlich stilvoller und cooler Abgang. Ich hoffe trotzdem auf eine Fortsetzung, denn dieses kleine wöchentliche Hörmagazin würde mir echt fehlen: Filme, die nicht von Filmkritikern rezensiert, sondern von Filmfans bequatscht werden, mit einer Mischung aus Sachkenntnis, Hingabe und Augenzwinkern. Der Ohrenssessel hat(te?) wirklich diese gemütliche Sofa-Atmosphäre und, trotz professioneller Produktion, den Charme des Selbstgemachten.

Für einen Nachruf ist es noch zu früh. Wir warten erstmal ab, gratulieren zum Hundertsten und empfehlen den Uneingeweihten, sich durchs umfangreiche Ohrensessel-Archiv zu hören.

 

3 Gedanken zu „100 Jahre Ohrensessel

  1. Hab Folge 100 noch nicht gehört und dementsprechend auch noch nichts von der Grabesstimmung mitbekommen, aber ein Ende würde auch ich sehr schade finden…

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