
Vorgestern endete bei Pro Sieben die dritte Staffel, ohne dass der Sender die Serie abgesetzt hat (man muss sowas ja heutzutage als Besonderheit melden). Am Ende hat mir Lost wieder gut gefallen, aber zwischendurch war’s verdammt hart, dranzubleiben. Ich hatte mehrmals mit dem Gedanken gespielt, auszusteigen. Viele Folgen, vor allem in der ersten Hälfte der ersten Staffel, waren einfach lahmarschig und langatmig.
Für meinen Geschmack blieb man zu starrsinnig an dem Konzept hängen, in jeder Folge mit Hilfe von Flashbacks die Hintergrundgeschichte einer Serienfigur zu erzählen. Dieses Konzept ist als solches ja wirklich gut und trägt entscheidend dazu bei, dass Lost das ist, was es ist. Wenn man dann aber in der dritten Staffel immer wieder ausgiebig Personen beleuchtet, deren Vorleben man schon aus den ersten Staffeln kennt, dann ist die Tür für unseren Freund “Boring” weit offen. Ich hätte mir gewünscht, dass man die Flashbacks öfter mal bleiben lässt, und lieber den Hauptplot etwas mehr vorantreibt. Oder aber, dass sich die Flashbacks mehr auf die “Anderen” konzentrieren, die ja sowieso der Schwerpunkt dieser Staffel waren. Stattdessen gab es viel zu oft Rückblenden zum Vorleben der Hauptfiguren, die im Grunde schon deutlich genug ausdefiniert waren.
Der Plot mäanderte derweil etwas ziellos herum, drehte sich im Kreis oder trat auf der Stelle. Es dauerte bis ungefähr Folge 10, bis etwas mehr Bewegung in die Geschichten kam. Bis dahin wurde meine Geduld arg strapaziert, aber so langsam zog die Spannung dann doch wieder an und hielt mich bei der Stange. Die Geduld wurde letztlich belohnt, denn die letzten Folgen waren sehr gelungen und in der abschließenden Doppelfolge verabschiedeten sich die Autoren (wie auch schon am Ende der ersten beiden Seasons) mit einem Paukenschlag in die Pause:
SPOILER – Zum Lesen markieren:
Staffel 4 hat in den USA gerade begonnen und wird wegen des Autorenstreiks wahrscheinlich kürzer ausfallen — was der Serie nicht unbedingt schaden muss. Ich kann mir nach wie vor nicht vorstellen, wie sich die Autoren aus all den Rätseln herausschreiben werden und bin gespannt, ob sie es schaffen, am Ende eine befriedigende Auflösung hinzukriegen. Bis dahin bleibt der Weg das Ziel und abgesehen von den genannten Schwächen bleibt Lost fürs erste eine gelungene Mystery-Serie. Wie gut Lost wirklich ist, wird man wohl erst ganz am Ende so richtig beurteilen können.
Die dritte Staffel hat jedenfalls ganz klar gezeigt, welche Nachteile die so oft gerühmte Form der “neuen Generation der TV-Serien” hat, die eine durchgehende, fortlaufende Geschichte erzählen: Die einzelne Folge ist immer nur noch ein Teil des Ganzen. Sie gleicht einem Kapitel in einem Roman und kann nicht für sich stehen. Damit der Zuschauer am Ball bleibt, muss es entweder permanent knallen und ein Twist den nächsten jagen (24 oder Prison Break) oder die Figuren und ihre Geschichten sind so lebendig und glaubhaft, dass man sie einfach gerne begleitet (Six Feet Under).
Wer Staffel 1 bis 3 nochmal komplett rekapitulieren möchte, findet hier die offizielle Zusammenfassung in 8:15 Minuten. Superhektisch, superschnell und trocken serviert.





