Archive for Februar, 2008

Im TV: Lost, Staffel 3

Vorgestern endete bei Pro Sieben die dritte Staffel, ohne dass der Sender die Serie abgesetzt hat (man muss sowas ja heutzutage als Besonderheit melden). Am Ende hat mir Lost wieder gut gefallen, aber zwischendurch war’s verdammt hart, dranzubleiben. Ich hatte mehrmals mit dem Gedanken gespielt, auszusteigen. Viele Folgen, vor allem in der ersten Hälfte der ersten Staffel, waren einfach lahmarschig und langatmig.

Für meinen Geschmack blieb man zu starrsinnig an dem Konzept hängen, in jeder Folge mit Hilfe von Flashbacks die Hintergrundgeschichte einer Serienfigur zu erzählen. Dieses Konzept ist als solches ja wirklich gut und trägt entscheidend dazu bei, dass Lost das ist, was es ist. Wenn man dann aber in der dritten Staffel immer wieder ausgiebig Personen beleuchtet, deren Vorleben man schon aus den ersten Staffeln kennt, dann ist die Tür für unseren Freund “Boring” weit offen. Ich hätte mir gewünscht, dass man die Flashbacks öfter mal bleiben lässt, und lieber den Hauptplot etwas mehr vorantreibt. Oder aber, dass sich die Flashbacks mehr auf die “Anderen” konzentrieren, die ja sowieso der Schwerpunkt dieser Staffel waren. Stattdessen gab es viel zu oft Rückblenden zum Vorleben der Hauptfiguren, die im Grunde schon deutlich genug ausdefiniert waren.

Der Plot mäanderte derweil etwas ziellos herum, drehte sich im Kreis oder trat auf der Stelle. Es dauerte bis ungefähr Folge 10, bis etwas mehr Bewegung in die Geschichten kam. Bis dahin wurde meine Geduld arg strapaziert, aber so langsam zog die Spannung dann doch wieder an und hielt mich bei der Stange. Die Geduld wurde letztlich belohnt, denn die letzten Folgen waren sehr gelungen und in der abschließenden Doppelfolge verabschiedeten sich die Autoren (wie auch schon am Ende der ersten beiden Seasons) mit einem Paukenschlag in die Pause:
SPOILER – Zum Lesen markieren:

Anstelle eines Flashbacks gibt es ein Flashforward. Wir blicken in die Zukunft und sehen das Leben von zumindest zwei Hauptfiguren, die offensichtlich von der Insel gerettet werden konnten. Sehr clever eingefädelt, denn als Zuschauer braucht man eine Weile, ehe man kapiert, dass es sich hier nicht um eine Rückblende handelt. Dieser Blick in die Zukunft eröffnet in guter Lost-Tradition auf einen Schlag soviel neue Fragen, dass man ungeduldig die nächste Staffel herbeisehnt.

Staffel 4 hat in den USA gerade begonnen und wird wegen des Autorenstreiks wahrscheinlich kürzer ausfallen — was der Serie nicht unbedingt schaden muss. Ich kann mir nach wie vor nicht vorstellen, wie sich die Autoren aus all den Rätseln herausschreiben werden und bin gespannt, ob sie es schaffen, am Ende eine befriedigende Auflösung hinzukriegen. Bis dahin bleibt der Weg das Ziel und abgesehen von den genannten Schwächen bleibt Lost fürs erste eine gelungene Mystery-Serie. Wie gut Lost wirklich ist, wird man wohl erst ganz am Ende so richtig beurteilen können.

Die dritte Staffel hat jedenfalls ganz klar gezeigt, welche Nachteile die so oft gerühmte Form der “neuen Generation der TV-Serien” hat, die eine durchgehende, fortlaufende Geschichte erzählen: Die einzelne Folge ist immer nur noch ein Teil des Ganzen. Sie gleicht einem Kapitel in einem Roman und kann nicht für sich stehen. Damit der Zuschauer am Ball bleibt, muss es entweder permanent knallen und ein Twist den nächsten jagen (24 oder Prison Break) oder die Figuren und ihre Geschichten sind so lebendig und glaubhaft, dass man sie einfach gerne begleitet (Six Feet Under).

Wer Staffel 1 bis 3 nochmal komplett rekapitulieren möchte, findet hier die offizielle Zusammenfassung in 8:15 Minuten. Superhektisch, superschnell und trocken serviert.

Bei der Geburt getrennt? (4)

Peter Berling und Bud Spencer

Trailerschau für Filmstarts vom 8.2.

Im Kino sehen:
Charlie Wilson’s War (Der Krieg des Charlie Wilson): Politsatire von Mike Nichols, die auf der ziemlich unglaublichen Geschichte des echten Charlie Wilson basiert, der für die Finanzierung der afghanischen Rebellen sorgte, die die Sowjets in Afghanistan bekämpften. Mit einem Cast aus Hollywoods A-Riege, neben Tom Hanks und Julia Roberts ist der großartige Philip Seymour Hoffman dabei, und das Drehbuch stammt von Aaron West Wing Sorkin.

Earth (Unsere Erde): Opulente Naturdoku, die Kinoversion einer BBC-Serie, die schon im TV zu sehen war und auch auf DVD zu haben ist. Kommt aber bestimmt gut auf der Kinoleinwand.

Auf die DVD warten:

Vielleicht mal im Fernsehen:
Märzmelodie: Eine deutsche Beziehungskomödie mit Musik und mit Alexandra Neldel, da muss man schon sehr sehr skeptisch sein. Trägt aber immerhin das Qualitätssiegel “X-Filme” und hat mit Jan Hendrik Stahlberg (Muxmäuschenstill) einen Hauptdarsteller, von dem ich gerne glauben möchte, dass er sich nicht für Schrott hergibt.

Talk to Me: Don Cheadle in einem Biopic über eine US-Berühmtheit, die hier eher unbekannt ist, einen schwarzen Radiomoderator der 60er und 70er Jahre.

Hr. Vig og nonnen (Herr Vig und die Nonne): Dänische Doku über einen alten Eigenbrötler, der sein Leben lang allein lebte und ein Kloster baute, bis ihm mit 82 Jahren plötzlich russische Nonnen in sein Kloster geschickt werden. Hat einen skurillen Charme.

Muss nicht sein:
The Water Horse: Legend of the Deep (Mein Freund, der Wasserdrache): Kinderfilm, in dem Nessie kein Seeungeheuer, sondern ein niedliches, digital animiertes, kinderliebes Tierchen ist.

The Jane Austen Book Club (Der Jane Austen Club):
Zielgruppe weiblich: Ein paar Frauen und ein Typ lesen gemeinsam Jane-Austen-Bücher und finden natürlich jede Menge Parallelen zu ihrem Leben.

Musallat: Rosemary’s Baby auf türkisch, oder so ähnlich.

Someone beside you: Doku mit Psycho-Onkels. Keine Ahnung, worum’s da eigentlich geht.

Saw IV: Irgendwann ist auch mal gut.

Im Kino: Cloverfield

Die Formel ist bereits fürchterlich abgedroschen, aber sie bringt die Sache nunmal perfekt auf den Punkt: Godzilla meets Blair Witch Project.

Cloverfield ist ein klassisches Monster Movie mit einem sehr modernen Anstrich. Inhaltlich gibt es wenig neues: Ein riesengroßes fieses Monster (Herkunft: unbekannt) taucht in New York auf und beginnt eine Zerstörungsorgie. Ein paar Menschlein versuchen sich und andere zu retten, und das Militär mischt auch mit. Neu ist die Art, wie der Film erzählt wird, nämlich komplett aus der subjektiven Sicht von ein paar jungen Leuten. Einer von ihnen dokumentiert gerade eine Party mit einer Videokamera, und da das Tape nunmal läuft, filmt er nach dem ersten Angriff des Monsters einfach weiter. Der Film beginnt mit einer Einblendung, die besagt, dass es sich hier um Filmaufnahmen handelt, die im Central Park gefunden wurden und die man jetzt unkommentiert zu sehen bekomme.

Und so ist es dann auch: Wir sehen private Videoaufnahmen. Ton, Farben und Bildschärfe haben zwar eher Kino- als DV-Qualität, aber die Kamera wackelt und wackelt. Und wackelt. Und fällt auch mal runter, oder das Band setzt kurz aus und man sieht das, was ein paar Wochen vorher auf dem Band aufgenommen wurde. Und tatsächlich: die Aufnahmen wirken kaum gekünstelt, sondern erstaunlich realistisch (die deutsche Synchro allerdings wirkt nicht sonderlich lebensnah). Und es funktioniert. Wir sind genauso ahnungslos wie Kamerakind Hud und seine Freunde, und genau wie er sehen wir immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit und nie das “Big Picture”, und das sorgt für enorme Spannung. Zumindest beim ersten Ansehen. Beim zweiten Mal dürfte sich diese Wirkung schon ziemlich verbraucht haben. Auch die Tatsache, dass der Film komplett ohne große Namen auskommt, trägt zum realistischen Feeling bei, und sparte natürlich auch eine Menge Geld (Ob es allerdings ausgerechnet diese ultraglatten, uninteressanten 08/15-Gesichter sein mussten, ist die andere Frage).

Denn das ist letztlich das Phänomenale an Cloverfield: Wie hier mit bescheidenen finanziellen Mitteln ein Blockbuster-Genrefilm gemacht wurde, und das liegt nicht zuletzt an der cleveren Marketingkampagne, die Produzent und Lost-Erfinder J.J. Abrams ausgeheckt hat. Allerdings muss man sagen, dass der Film nur dann so richtig gut funktioniert, wenn man ihn als einen Baustein von vielen sieht, neben all den anderen im Netz gestreuten Infos und Fake-Websites. Dann wiederum fragt man sich, warum im Film keinerlei Bezug auf solche Dinge wie die japanische Firma Tagruato oder den Slusho-Softdrink genommen wird. Schade eigentlich.

Sollten die Macher am Cloverfield-Mythos noch weiterschrauben (z.B. mit einem zweiten Film, der die Aufnahmen einer anderen Kamera zeigt), könnte daraus ein ziemlich cleveres ARG-Ding werden. Und natürlich wüsste man gerne, wie es mit dem Monster (oder sind’s gar mehrere?) weitergeht. Denn der Film endet erwartungsgemäß ziemlich offen, irgendwann macht’s nochmal so richtig bumm und dann hört die Kamera halt auf zu Filmen. Ob das Monster besiegt werden kann, ob New York weiterexistiert oder nicht, erfahren wir nicht.

Die Popcorn-Teens, die mit mir im Kino waren, waren davon übrigens ganz schön irritiert. Das offene Ende und die kurze Laufzeit des Films hat denen gar nicht gefallen… Für mich war’s jedenfalls ein spannendes Monster Movie ohne viel Tiefgang, aber mit hohem Unterhaltungswert.

Ich kann gar nicht so viel fernsehen, wie ich kotzen möchte.

RTL setzt Herzog nach drei Folgen ab.
Pro Sieben versenkt Doctor Who nach zweimal zwei Folgen.

Aus diesem aktuellen Anlass hier nochmal ein paar Zeilen, die ich vor kurzem beim Wortvogel als Kommentar hinterlassen habe:

Was für einen Unterschied macht es, ob ich (ich ganz persönlich) gucke oder nicht gucke, wenn ich doch gar kein GfKmeter (oder wie das heißt) besitze?
 
Ich kenne übrigens weder in meiner peergroup noch in meiner Verwandtschaft noch im Kollegenkreis irgendwen, der ein solches Gerät hat. Oder muss man da eine Schweigeklausel unterschreiben?
 
Das macht es mir so schwer. Bei Zeitschriften kann ich helfen, indem ich den Titel bewusst kaufe oder abonniere. Ich weiß, es zählt. Bei Websites kann ich mich anmelden oder Werbebanner anklicken. Es zählt. Beim Fernsehen bin ich einfach egal.

Gar nicht mal soo schlecht

57 Wörter
(via Kiki)

Auf DVD: The Wild Bunch (Sie kannten kein Gesetz)

Kennt ihr das auch? Es gibt diese Filme, diese fast überirdisch großen, die Referenzklasse. Allerorten in Kanons und Bestenlisten zu finden, immer wieder gelobt und gepriesen. Als sie neu waren, war man noch nicht geboren oder noch viel zu klein. Und später, als man ein Filminteresse jenseits des örtlichen Provinzkinos zu entwickeln beginnt, nimmt man sich vor, diesen Film zu sehen.

Und wenn man ihn dann sieht, mit der Erwartung, von diesem Meisterwerk gefälligst weggeblasen zu werden, dann ist man oft irgendwie enttäuscht. Nicht, weil der Film so schlecht wäre. Sondern weil man irgendwie nicht richtig reinkommt.

Vielleicht bin ich schon zu versaut vom modernen Gegenwartskino, um alte Filme uneingeschränkt genießen zu können. Sie fühlen sich oft einfach “alt” an. Und es fällt mir halt schwer, sich z.B. von Peckinpahs blutigem Sterben in Zeitlupe überwältigt zu fühlen, auch wenn das damals irre neu und aufregend war, wenn man es inzwischen aus dutzenden anderen Filmen kennt. Genauso wie die Aufhebung bzw. Umkehrung des klassischen Gut-Böse-Schemas und das Fehlen einer eindeutigen Moral, was damals auch noch relativ ungewohnt war.

Keine Frage: Sam Peckinpahs The Wild Bunch ist reich an großartigen Einzelszenen: Die beiden krassen Ballerorgien am Anfang und Ende des Films, die Brückensprengung, die trickreiche Durchführung des Eisenbahnraubs (mein persönliches Highlight), Mapaches bizarrer Triumphzug in seinem Auto.

Aber all diese Einzelszenen ergaben für mich nicht das erhoffte große Ganze. Peckinpah geht zwischendrin immer wieder vom Gaspedal und streut sehr ruhige Zwischensequenzen ein, und die warfen mich jedesmal ein bisschen aus der Story raus. Dass ich manchmal auch Mühe hatte, das Personal zu unterscheiden, kommt erschwerend hinzu. Der Phänotyp “Mann mit Schnauzbart, Hut und Weste” ist hier nunmal überproportional vertreten.

Aber ich muss auch zugeben: Meine kleine Flimmerkiste wird so einem Film nicht im Ansatz gerecht. Zeig mir den Film nochmal auf großer Leinwand in dunklem Saal und die Sache sieht sicher ganz anders aus. Kommt also auf die Wiedervorlage-Liste. Lasse mich aber trotzdem in den Kommentaren als ahnungsloser Banause beschimpfen, wenn’s sein muss.

(Lustiges am Rande: Der fiese Mexikaner-General Mapache erinnerte mich die ganze Zeit an Mario Adorf. Und wer war laut Wikipedia zuerst für die Rolle vorgesehen? Genau.)

Auf DVD: Ghost Rider

Mann, war der schlecht. Nicht dass ich hier viel erwartet hätte, ich war von vornherein auf ein eher trashiges Machwerk eingestellt, aber ein bisschen Unterhaltung hätte ich mir schon gewünscht. Okay, schon der Plot klingt nicht unbedingt nach Qualität: Basierend auf einer eher obskuren Marvel-Comicserie (von der ich nie ein Heft gelesen habe) erzählt Ghost Rider von einem Motorradfahrer, der nach einem Deal mit dem Teufel des Nachts zu einem Höllen-Biker wird, der mit einem brennenden Totenschädel und brennenden Reifen rumheizt. Oh yeah.

Gut, das ist kein Oscar-Material, aber mit der richtigen Herangehensweise könnte sowas mächtig Spaß machen. Leider leidet Ghost Rider unter miesen Dialogen, schlechter Regie und schlechtem Drehbuch (beides von Mark Steven Johnson, der schon bei Daredevil und Elektra ziemlichen Murks abgeliefert hatte). Am meisten geärgert hat mich, dass der Film seine Zuschauer permanent unterfordert. Hier dienten wohl ADS-kranke Teenies als Maßstab, die im Kino gleichzeitig Popcorn naschen, knutschen und SMS-Konversationen führen und gleichzeitig noch die Filmhandlung verstehen können sollen. Deshalb wird alles haarklein auserzählt und durcherklärt, deshalb wird es nie auch nur ein kleines bisschen kompliziert und deshalb gibt es ständig Rückblenden auf Dinge, die man grade vor 10 Minuten schon gesehen hat.

Eine nette Idee war es, den Teufel mit Peter Fonda zu besetzen, der ja in Sachen Film und Motorrad einschlägig vorbelastet ist. Sonderlich dämonisch kommt er allerdings nicht rüber. Die Hauptrolle gibt Nicolas Cage, der immer dann am besten ist, wenn sein Gesicht verschwindet und von einem halbwegs okay animierten brennenden Totenschädel ersetzt wird. Außerdem spielt noch das Dekolleté von Eva Mendes mit. Wer die Bösewichte spielt, die der Rider fertigmachen muss, ist egal, weil sie für den Rider praktisch gar kein Problem darstellen. Die putzt er mit links weg. Selten waren Konflikte im Actionkino konfliktärmer. Ein kleiner Trost sind die Auftritte von Sam Elliott (den man als lässigen Erzähler in Big Lebowski kennt) als alter Herr, der selber mal der Rider war, damals aber noch zu Pferde statt auf dem Feuerstuhl.

Ich habe noch einen Film mit Nicolas Cage auf Halde (The Weather Man). Den schau ich mir noch an, und dann war’s das wohl mit uns beiden. Ich mag dieses Gesicht nicht mehr sehen und drücke ihm die Daumen, dass er die Goldene Himbeere 2008 mit nach Hause nimmt.