Die Alten und das Kino

Schon drei Wochen alt, trotzdem lesenswert: Im SZ Wochenende machte sich Tobias Kniebe Gedanken darüber, warum die großen alten Filmemacher zwar oft und gerne mit Preisen geehrt werden, ihre neueren Filme aber kaum jemanden interessieren. Einer der Gründe ist für Kniebe die Tatsache, dass die Leute, wenn sie älter werden, irgendwann aufhören, ins Kino zu gehen:

Wer zwischen zwanzig und dreißig war, als „Außer Atem“ 1960 in die Kinos kam, wer den orginären Godard-Flash noch erlebt hat, der muss heute zwischen Ende sechzig und Ende siebzig sein.
 
Diese Menschen sind reicher, fitter, lebensfroher als jede Generation zuvor – und sie haben eine Verbindung zur Hipness der Vergangenheit, von der wir Nachgeborenen nur träumen können. Warum, zum Teufel, gehen sie nicht mehr ins Kino? Warum haben sie aufgehört, die Helden, die sie geprägt haben, zu begleiten, zu unterstützen, zu lieben? Den Musikern jener Zeit ist es gelungen, ihre Generation bei der Stange zu halten und trotzdem neue Fans zu gewinnen – Verkaufserfolge feiert die Musikbranche, auch unter jungen Fans, heute mit Namen wie Led Zeppelin oder Pink Floyd. Auf dem Literaturmarkt verkaufen sich vor allem Senioren wie Philip Roth und Hans Magnus Enzensberger lastwagenweise.
 
Auch das Kino sehnt sich nach den Helden seiner Vergangenheit – und ist doch unfähig, würdig mit ihnen umzugehen. Gerade jene Menschen, die eine bessere Zeit noch erlebt haben, geben sich heute mit lächerlichem Ersatz zufrieden: Der öffentlich-rechtliche Fernsehmüll der Firma Degeto ersetzt das große Melodram, das gerade die Deutschen einmal brillant beherrscht haben, Event-Hysterie im Fernsehen ersetzt das kollektive Kinogefühl, und sage und schreibe Veronica Ferres besetzt allein einen Raum, den sich früher mindestens fünf wirklich große Schauspielerinnen teilen mussten.

 

2 Gedanken zu „Die Alten und das Kino

  1. Also ich musste letztens ein Renter-Ehepärchen von meinen Kinositzen vertreiben. „Eastern Promises“ war der dazugehörige Film. Als die beiden sich dann später bei den gewissen Szenen (zum Beispiel der einen, in der Cronenberg es schafft, zwei Männer drei mal zu töten… Chapeau dafür) unangenehm in ihren Sesseln wanden, fand ich das sehr befriedigend :-)

    Danke für den Link, interessante Lektüre.

  2. Pingback: cine:plom

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