Im Kino: Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street (Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street)

There will be blood, und zwar viel. Jede Menge tiefrotes Filmblut vergießt Tim Burton in seiner Adaption eines Musicals von 1979, welches wiederum die Adaption einer sehr alten britischen Groschenheftserie von Mitte des 19. Jahrhunderts ist. Zu dieser Zeit spielt die Geschichte auch: 15 Jahre, nachdem der Barbier Benjamin Barker zu Unrecht in der Verbannung gelandet ist und Frau und Kind verloren hat, kehrt er zurück nach London und ist voller Rachegelüste. Sein Hauptziel ist der fiese Richter Turpin (gespielt von meinem Lieblingsschurken Alan Rickman), der damals eine Intrige gegen ihn geführt hatte.

Der rachsüchtige Friseur nennt sich nun nicht mehr Barker, sondern Sweeney Todd und sieht aus wie eine Mischung aus Robert Smith und Rogue. Er verbündet sich mit Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter), die ein miserables Lokal für Fleischpastete betreibt und nutzt ihr Etablissement als Basis für seinen blutigen Rachefeldzug. Die Rasiermesser werden gewetzt, und sie sind verdammt scharf. Beim unvermeidlichen Blutvergießen kennt Burton wenig Zurückhaltung und zeigt heftige Spritzer- und Schlitzereien, die man im Mainstreamkino eher nicht gewöhnt ist.

Einen famosen Gastauftritt hat Sacha Baron Cohen als überkandidelter italienischer Showfriseur. Seine Szene ist, anders als der Rest des Films, pure Comedy und wirkt daher ein bisschen wie ein Fremdkörper, macht aber unbändigen Spaß. Für mich das Highlight des Films.

Es gibt einiges, was wirklich toll ist an Sweeney Todd: Zunächst mal die Tatsache, dass hier zwei Genres (Horror + Musical — bitte, bitte niemals das Wort „Grusical“ verwenden!) gekreuzt werden, die sich seit der Rocky Horror Show nur sehr selten berührt haben. Zum anderen die großartige Ästhetik: wunderbare Filmsets (die ja auch einen Oscar gewonnnen haben), tolle Kostüme und Masken. Von Tim Burton kommt ein solcher Look natürlich keineswegs überraschend, dieses Terrain hat er ja bereits mehrfach beackert. Dafür merkt man ihm eben positiv an, dass er in düsteren Gothic-Welten zuhause ist und sich dort wohl fühlt. Und auch die Besetzung passt bestens, Johnny Depp und Helena Bonham Carter sind ja ohnehin in fast jedem Burton-Film zu sehen (oder, wie in Corpse Bride, zu hören).

Das größte Problem allerdings, das ich mit dem Film hatte, ist die Dramaturgie. Der Kern der Story ist wirklich sehr simpel und ließe sich auch in 45 Minuten problemlos erzählen. Doch wir sind hier wie gesagt in einem Musical, und es wird wirklich sehr viel gesungen. Wobei es in der Natur der Sache liegt, dass Songs die Handlung eher weniger vorantreiben. Stattdessen treten Johnny Depp und Kollegen singend ziemlich oft auf der Stelle, die Lieder nehmen den Schwung aus der Handlung und wirken als dramaturgische Bremse.

Ich werde das Gefühl nicht los, das Tim Burton hier wirklich nahe dran war, etwas grandioses zu schaffen, es aber letztlich nur im Ansatz vermocht hat. Mit etwas weniger Durchhängern und mit mehr schwarzem Humor, der ja immer wieder aufblitzt, aber nur vereinzelt, wäre Sweeney Todd ein Meisterwerk geworden. Sehenswert ist er aber auch so.

 

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