Im Kino: Horton Hears a Who! (Horton hört ein Hu!)

„Von den Machern von Ice Age!“ schreit die Werbung und hat damit nur teilweise recht. Die Macher von Ice Age und Ice Age 2 sitzen nämlich, wen wundert’s, an Ice Age 3. Horton Hears a Who! stammt, genau wie die Ice-Age-Filme, aus den Blue Sky Studios, hat aber weder Regie noch Autoren mit den Erfolgsfilmen gemein. Für die beiden Regisseure ist es die erste Regiearbeit, die Drehbuchautoren haben zuletzt das Skript für die Til-Schweiger-Komödie Wo ist Fred? gemacht. Und die Buchvorlage zum Film ist ein 50 Jahre altes Bilderbuch des hierzulande nicht sonderlich bekannten Dr. Seuss (der auch den Grinch erfunden hat).

Klingt bis hierhin nicht allzu vielversprechend. Aber manchmal gibt es positive Überraschungen, und dieser Film gehört unbedingt dazu. Während die Buchvorlage ein ganz nett gezeichnetes und nett gereimtes, harmloses Bilderbuch ist, das Über-Sechsjährige kaum hinter dem Ofen hervorlocken dürfte, haben die Filmemacher es geschafft, daraus einen rasanten und sehr unterhaltsamen bunten Animationsfilm für alle Altersklassen zu machen. Der Film nimmt die Geschichte nur als Basis, er bleibt der Vorlage zwar inhaltlich sehr treu, schmückt das Geschehen aber massiv aus und entwickelt viele Figuren viel weiter als das Buch (das muss auch so sein, sonst wäre der Film nach 20 Minuten zuende).

Horton (im Original von Jim Carrey, auf deutsch von Christoph Maria Herbst gesprochen) ist ein Elefant, der eines Tages Stimmen auf einem Staubkorn wahrnimmt. Er ist davon überzeugt, dass auf diesem Staubkorn kleine Wesen leben. Und tatsächlich, dort gibt es eine Zivilisation von lauter kleinen Winzlingen, den Whos. Und weil das Staubkorn den Widrigkeiten der Natur ausgesetzt ist, will Horton das Staubkorn und seine Bewohner beschützen. Hortons Umfeld allerdings, die mit ihm lebenden Dschungeltiere, halten Horton langsam für verrückt. Natürlich, das ist kein großer Spoiler, gibt es ein Happy-End und die moralische Botschaft, dass jedes Leben was wert ist, und sei es auch noch so winzig (angeblich wurde Dr. Seuss‘ Buch gegen dessen Willen auch von Abtreibungsgegnern vereinnahmt).

Im Gegensatz zum Buch konzentriert sich der Film nicht nur auf die Figur des Elefanten, sondern behandelt auch die Whos gleichberechtigt. Die zweite Hauptfigur ist deshalb der Bürgermeister der Whos (gesprochen von Steve Carell) und seine Familie, bestehend aus 96 Töchtern und einem sehr schweigsamen Sohn (der sehr hübsch als kleiner Emo-Boy gestaltet wurde). Die Whos haben auch Computer, Internet und das Social Network „Whospace“. Regelmäßig wechseln wir zwischen der Perspektive der Whos und der Perspektive von Horton, was dem Film eine schöne Dynamik verleiht. Überhaupt legten die Macher viel Wert auf Tempo, es gibt reichlich Action, viel Rasanz und kaum Durchhänger.

Was die Animation angeht, braucht sich Horton vor der Konkurrenz von Pixar und Co. nicht zu verstecken. Optisch sieht der Film top aus, wobei es den Charkterdesignern auch gelungen ist, die Figuren in dem wiedererkennbaren Dr.-Seuss-Stil zu halten. Ansonsten sind die Animateure sichtlich stolz darauf, wie gut sie inzwischen Wasser und Haare am Rechner erzeugen können. Bis auf den Elefanten ist hier alles so plüschig, fellig und flauschig, dass es eine Freude ist.

Besonders gut gefielen mir aber zwei kleine visuelle Gags, die als klassische 2D-Zeichentricksequenzen im Film sind. Zum einen ein kurzer erster Blick auf die Whos, der exakt in Zeichenstil und Farbgebung der Buchvorlage gestaltet ist und eine schöne Verbeugung vor Dr. Seuss darstellt. Zum anderen eine absolut hinreißende Actionszene, die als Anime umgesetzt ist und das Genre der billigen japanischen Action-Trickfilme wunderbar aufs (Staub-) Korn nimmt. Dank solcher Szenen kommen auch ältere Zuschauer auf ihre Kosten, obwohl der Film schon deutlich auf Kinder zielt. Das tut er aber mit viel Humor, rasanter Handlung, guten Dialogen und sehr viel Charme, so dass man nicht mal böse sein kann, wenn kurz vor Schluss doch noch das passiert, was wohl bei Kinderfilmen immer sein muss: Es wird gesungen. Aber sogar das macht diesmal Spaß.