Im Kino: Charlie Wilson’s War (Der Krieg des Charlie Wilson)

Den hier wollte ich noch nachliefern, obwohl die Sichtung schon wieder ein paar Wochen zurückliegt. Charlie Wilson’s War von Mike Nichols fand ich nämlich sehr gelungen. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte, die so merkwürdig ist, dass sie nicht gerade glaubwürdig wirkt. Wilson war ein texanischer Kongress-Abgeordneter, der seine Beziehungen spielen ließ und so für einen großen Teil der Finanzierung der Mudschahedin sorgte, die in den 80er Jahren in Afghanistan Widerstand gegen die sowjetische Besatzung leisteten.

Wilson war kein braver Vorzeigepolitiker, sondern ein Lebemann, der seine Freizeit gerne mit Schampus im Whirlpool verbrachte und seine Sekretärinnen (augenzwinkernd „Charlie’s Angels“ genannt) nach Oberweite castete. Auf Initiative einer reichen Kommunistenfresserin sorgt er dafür, dass die Mudschahedin von den USA großzügig gesponsert werden und dass das alles nicht an die große Glocke gehängt wird, sondern ein „covert war“ bleibt.

Der Film versucht glücklicherweise nicht, sich an den dümmsten anzunehmenden Zuschauer zu wenden, sondern springt mitten rein ins Geschehen, ohne allzuviel Hintergrund zu erklären, setzt also beim Zuschauer etwas Vorwissen voraus. Überhaupt gehört Charlie Wilson’s War zu den Filmen, die dem Zuschauer selbst das Denken überlassen und einem die Moral von der Geschicht nicht fingerdick aufs Butterbrot schmieren. Und eine Moral gibt es sehr wohl: Nichols stellt zweifellos klar, dass das keine Geschichte aus der Vergangenheit ist, damals im Kalten Krieg, die mit dem Abzug der Sowjets abgeschlossen und abgehakt war. Für die USA war damals der Fall erledigt. Es gibt eine Szene am Ende, in der Wilson eine vergleichsweise kleine Summe für afghanische Schulen aufbringen will, um dort das Pflänzchen der Demokratie zu stärken. Abgelehnt. Der Film endet mit einem Wilson-Zitat: „These things happened. They were glorious and they changed the world … and then we fucked up the endgame.“ Letztlich hat man sich damals die Feinde von heute selbst gezüchtet.

Inszeniert ist diese Geschichte als Mischung aus ernsthaftem Drama und Satire. Trotz des dunklen Themas gibt es eine Menge zu lachen. Wobei Drehbuchautor Aaron Sorkin (West Wing) vermutlich gar nicht allzu sehr an der Ironieschraube drehen musste, denn die Ereignisse und Protagonisten sind, so ernst ihr Hintergrund auch ist, schon absurd genug. Getragen wird der Film nicht zuletzt durch seine gute Besetzung. Tom Hanks zeigt mal wieder, dass er was draufhat, wenn er nur will, und Philip Seymour Hoffman ist absolut großartig als dicker, miesepetriger CIA-Mann mit griechischen Wurzeln.

Charlie Wilson’s War ist einer dieser Filme, die auf ihre Weise lehrreich sind, sogar eine moralische Botschaft vermitteln, dies aber auf eine sehr unterhaltsame Art und Weise tun. Ernste Themen leicht zu vermitteln und damit ein großes Publikum zu erreichen, das war mal das Spezialgebiet des New Hollywood, heute findet man es nur noch sehr selten.